Bernhard Peter
Besonderheiten britischer Heraldik

Was ist typisch britisch an britischer Heraldik?

Wappenscheidung in England:
Ferner hat die englische Heraldik das System der Wappendifferenzierung und Veränderung durch kleinere Nebenfiguren (Beizeichen wie eingefügte Rosen, Turnierkragen etc.) für nachgeborene Kinder zur Perfektion entwickelt. Jeder Sohn bekommt ein anderes Beizeichen. Das System ist eindeutig, mindert aber die Übersichtlichkeit. Andererseits führen die komplizierten Regeln dazu, daß sich stets erkennen läßt, welchem Familienmitglied ein bestimmtes Wappen zuzuordnen ist. Früher wurden solche Beizeichen (cadency marks) direkt auf den Schild gesetzt, heute gängige Praxis ist es, sie auf die Lätze eines Turnierkragens zu platzieren.

Abb.: Differenzierung der Wappen der königlichen Familie durch Turnierkragen (label) mit Beizeichen (cadency marks) am Beispiel einiger Angehöriger von Queen Victoria, Prinzgemahl, Kinder und ein Enkel, wobei letzterer in verschiedenen Lebensphasen verschiedene Turnierkragen führte, zunächst als Duke of York einen mit einem blauen Anker, dann einen ohne Beizeichen als Prince of Wales, und schließlich als König George V. gar keinen Turnierkragen mehr. Die Beispiele illustrieren die Vielfalt der Beizeichen innerhalb der königlichen Familie, die ein System für sich allein bilden.

Abseits der königlichen Familie hat sich ein System herausgebildet, das i. a. vom Adel verwendet wird, und das relativ starr und übersichtlich ist. Dieses System gilt familienübergreifend, und anhand der Beizeichen läßt sich eindeutig feststellen, in welcher Relation zum Träger des Wappens ohne Beizeichen bzw. wo in der Geburtenfolge der bzw. die Betreffende steht.

Auch die schottische Heraldik kennt ein Differenzierungssystem, das aber noch ein wenig komplizierter ist und sich auf die Gestaltung von Borden stützt.

Vermehren - zwei unterschiedliche Methoden:
In Deutschland entstehen vermehrte Wappen, zum Beispiel ein gevierter Schild, durch Erwerb neuer Titel, neuer Besitzungen oder durch Erhalt von Ämtern, durch Gnadenakt anläßlich einer Standeserhebung (Wappenbesserung) oder durch Erbschaft von Ländereien.
In England hingegen gibt es diese Eigendynamik hinsichtlich der Felder nicht ohne obrigkeitliches Zutun. Dafür ist es aber allgemein üblich, daß ein Wappen durch Heirat mit einer Erbtochter vermehrt wird.
In Deutschland kommt beim vermehrten Wappen meist das Stammwappen in den Herzschild.
In England wird das Wappen der Ehefrau - sofern Erbtochter - vom Ehemann als Herzschild in die Mitte seines Schildes gesetzt, quasi zur Verdeutlichung seines Anspruches (inescutcheon of pretence). Diese mittige Plazierung ist also eine Erwartung eines Erbes mit entsprechenden Rechten und Besitzungen, die man in hoffnungsvoller Vorfreude schon so "ein bißchen" mit dem eigenen Wappen kombiniert, aber pro forma noch separat hält. Sozusagen: Freuen darf man sich ja schon mal, auch wenn es noch ein bißchen dauert, bis man es einheimsen kann. Erst die Söhne machen daraus ein geviertes Wappen. Und so geht es weiter, und bei einigen Erbtöchtern in der Familie kommen viele Felder zusammen.
Wenn die Ehefrau keine Erbtochter ist, werden die Wappen in einem gespaltenen Schild derart kombiniert, daß das Wappen des Ehemannes die heraldisch rechte Spalthälfte einnimmt, das Wappen der Ehefrau die linke Spalthälfte. Das Oberwappen der Ehefrau und ihre Prunkstücke werden nicht verwendet. Werden Oberwappen oder Prunkstücke dargestellt, sind es immer diejenigen des Ehemannes. Bei zwei Kleinoden über einem gespaltenen Wappen gehören also beide zum Ehemann, nicht eines zum Mann und eines zur Frau. Alles das wird im nächsten Abschnitt an einem praktischen Beispiel erläutert.
Diese strenge Systematik kann durchaus dazu führen, daß manche Felder auch mehrfach in einem komplex vermehrten Wappen auftauchen, je nach Anzahl gemeinsamer Vorfahren.
In Wales ist das Verfahren noch komplizierter.

Typische Merkmale der britischen Heraldik - am Beispiel der Calley of Burderop
In diesem Abschnitt nehmen wir uns exemplarisch eine britische Familie vor und beobachten die Veränderungen des Wappens im Laufe der Generationen, um den typisch britischen Umgang mit bestimmten Situationen zu erkennen. Ausgewählt wurden die Calley of Burderop. Die Familie lebte seit dem Erwerb 1614 durch Sir William Calley und bis zuletzt auf dem Burderop Estate, einem 728 ha. großen privaten Landwirtschafts- und Jagdgut am Rande der Marlborough Downs beim idyllischen Dorf Hodson mit zahlreichen reetgedeckten und denkmalgeschützten Steinhäusern, Cottages und Scheunen in der Nähe von Swindon, Wiltshire. Es war entstanden durch die Zusammenlegung der Güter Chiseldon und Burderop. Der östliche Teil Burderop Park in Chiseldon, ein Teil des Besitzes, wurde im 19. Jh. an John Parkinson verkauft. Der westliche Teil verblieb der Familie bis 1973.

   
Calley of Burderop   Sir William Calley (1565-1641)   William Calley (1599-1660)

Abb. links: Wappen der Calley of Burderop: Das Stammwappen der Familie ist silbern-schwarz geviert, darüber ein roter, mit drei silbernen, fünfzackigen Sternen nach der Figur belegter Schrägrechtsbalken (engl.: quarterly Argent and Sable, on a bend Gules three mullets of the first). Zu schwarz-silbernen Decken und ebensolchem Wulst wird als Kleinod ein wachsender silberner Löwe geführt, der mit einem roten, mit drei silbernen, fünfzackigen Sternen belegten Schrägrechtsbalken bedeckt ist und der in den Vorderpranken eine silberne Streitaxt mit rotem Stiel führt (engl.: mantling Sable and Argent, crest: on a wreath of the colours a demi-lion rampant Argent, charged with a bend Gules, thereon three mullets of the first, holding a battle axe, handle of the second, head Argent. Die Devise der Familie lautet: Callide et honeste - wisely and honourably - weise und ehrenhaft.

Abb. Mitte: 1.) Wappen von Sir William Calley (1565-1641), Knight, vermählt mit Judith Bowdler, der Tochter von Richard Bowdler aus London. Sir William Calley, mit dem wir unsere heraldische Betrachtung beginnen, war der Sohn von Ralph Calley of Highway (Worcestershire) and Overtown House (Wiltshire) und dessen zweiter Frau, Agnes Lawrence, der Tochter von Henry Lawrence of Tisbury. Seine Großeltern väterlicherseits waren John Calley (-1515), of Letherdean, Hampshire, und dessen Frau, Isabel Brydges, die Tochter und Teilerbin von Edmund Brydges. William Calley war der Erwerber der Güter Chiseldon und Burderop. Sein Vermögen hatte er als Großkaufmann im Fernhandel gemacht, mit Seide und anderen Stoffen, mit Gold und Silber, mit Cochenille und Sevilla-Öl wurde er reich. Den größten Auftrag seines Lebens bekam er um 1607, als er die spanische Armee in den Niederlanden ausstatten sollte. Der Gewinn war so gewaltig, daß er sich diese Güter damit leisten konnte.

Das Wappen des Ehemannes wird mit demjenigen der Ehefrau im gespaltenen Schild vereinigt. Die heraldischen Inhalte des Ehemannes belegen die heraldisch rechte Spalthälfte, diejenigen der Ehefrau die linke Spalthälfte. Bei so einer Komposition ist nicht zu erwarten, daß die Inhalte von der nachfolgenden Generation übernommen werden. Das Wappen der Familie Bowdler zeigt in Silber zwei schwarze, rotbewehrte Krähen pfahlweise (engl.: Argent two Cornish Choughs in pale Sable). 

Abb. rechts: 2.) Wappen von William Calley (1599-1660), Sohn von 1.), vermählt am 10.6.1623 mit Anne Bower, der Tochter und Miterbin von William Bower (-1644/45) of West Lavington und Anne Mayton. 

Das Wappen des Ehemannes wird mit dem Schild der Ehefrau so kombiniert, daß letzteres ersterem als Herzschild aufgelegt wird. Die heraldischen Inhalte des Ehemannes belegen den Hauptschild, diejenigen der Ehefrau den Herzschild. Bei so einer Komposition ist zu erwarten, daß die Inhalte von der nachfolgenden Generation übernommen werden, das macht man, wenn man über die Ehefrau ein Erbe erwartet. Den Herzschild nennt man inescutcheon of pretence. Auf diese Weise demonstriert der Mann, daß er schon mal quasi den Anspruch auf das Erbe darstellerisch vorwegnimmt. Man macht so etwas nur, wenn die angeheiratete Frau eine Erbin von Name, Titel, Wappen und (am wichtigsten) Besitz ist. Das Wappen der Familie Bower zeigt in Schwarz ein silbernes Tatzenkreuz (engl.: Sable a cross pattée Argent).

   
Sir William Calley (-1670)   Oliver Calley (-1686)   Oliver Calley (1672-1715)

Abb. links: 3.) Wappen von Sir William Calley (ca. 1625-1670), Sohn von 2.), vermählt in zweiter Ehe mit Elizabeth Nicholas, der Tochter von Reverend Matthew Nicholas (1594-1661), Canon of Sarum, Prebendary of Westminster, Dean of St. Pauls. Unter diesem dritten William Calley wurde 1660-1664 im Familiensitz ein Tudor-Flügel als Wirtschaftsgebäude errichtet.

Das Wappen des Ehemannes wird mit demjenigen der Ehefrau im gespaltenen Schild vereinigt, auf eine Weise, die weder ein Erbe noch die Fortführung des Wappens in der nächsten Generation erwarten läßt. Das 1612 verliehene Wappen der Familie Nicholas of Winterbourne Earls, co. Wiltshire, cos. Devon and Somerset, zeigt in Silber zwischen drei (2:1) schwarzen Krähen einen schwarzen Balken, der mit drei silbernen, aufspringenden Löwen belegt ist (engl.: Argent on a fess Sable between three Cornish Choughs Proper as many lions rampants of the first). Zu schwarz-silbernen Decken wird als Helmzier eine schwarze, auffliegende Krähe auf den Zinnen eines silbernen Turmes geführt (engl.: crest: a Cornish Chough wings elevated Sable perched on the battlements of a tower Argent).

Elizabeth Nicholas heiratete später in zweiter Ehe 1672 Thomas Willis.

Abb. Mitte: 4.) Wappen von Oliver Calley (ca. 1626-1686), Sohn von 2.) und Bruder von 3.), vermählt 1667 mit Mary Scott, der Tochter von John Scott of Bromham House.

Beim Wappen Calley sieht man wie zuvor schon bei seinem Bruder, daß der vorherige inescutcheon of pretence des Vaters nun fester Bestandteil des Familienwappens geworden ist und von nun an dauerhaft mit diesem verbunden ist, wobei man hier den Weg der Quadrierung wählt. Das Familienwappen hat ab jetzt zwei Bestandteile.

In Feld 1 des Familienstammwappens Calley sieht man noch eine liegende rote Mondsichel als cadency mark, denn sein zuvor genannter Bruder William war der Erstgeborene, Oliver war der Zweitgeborene. In den nachfolgenden Generationen wurde dieses Unterscheidungsmerkmal nicht fortgeführt, weil die Linie des älteren Bruders erloschen war und die Linie des zweitgeborenen Bruders zur Hauptlinie geworden war.

Abb. rechts: 5.) Wappen von Oliver Calley (1672-1715), Sohn von 4.), vermählt mit Isabella Codrington, der Tochter von Robert Codrington of Codrington, co. Gloucester, and Didmarton, und dessen Frau, Agnes Sanwell, einer Tochter von Sir Thomas Sanwell of Upton.

Das Wappen des Ehemannes wird mit demjenigen der Ehefrau im gespaltenen Schild vereinigt, auf eine Weise, die weder ein Erbe noch die Fortführung des Wappens in der nächsten Generation erwarten läßt. Das Wappen der Familie Codrington zeigt in Silber einen schwarzen, mit einem roten verflochtenen Schräggitter belegten Gegenzinnenbalken zwischen drei (2:1) schreitenden roten Löwen (engl.: Argent a fesse embattled counter-embattled Sable fretty Gules between three lions passants of the second). Die Helmzier wäre ein aus einer goldenen Krone wachsender roter Drachenkopf zwischen zwei golden-blau geschachten Drachenflügeln (engl.: crest: out of a ducal coronet Or a dragon's head Gules between two wings chequy Or and Azure).

   
William Calley (1709-1768)   Thomas B. Calley (1752-1791)   Thomas Calley (1780-1836)

Abb. links: 6.) Wappen von William Calley (1709-1768), Sohn von 5.), vermählt mit Arabella Browne, der Tochter und Erbin von Thomas Browne of Minety (-5.6.1738) und dessen Frau, Arabella Pleydell (-19.8.1744). Unter diesem vierten William Calley begann ein umfangreicher Umbau des Herrenhauses im Burderop Estate ab dem Jahr 1731, geprägt von der Vereinheitlichung der Fassaden, der Aufstockung des Haupthauses um ein Stockwerk und den Anbau einer zweigeschossigen Veranda im Westen. Der palladianische Stil prägte den Geschmack dieser Zeit, und entsprechend wurde das Äußere des Herrenhauses durch den Architekten Francis Smith aus Warwick angepaßt. Weiterhin entstanden in Burderop ein Getreidespeicher, ein ummauerter Garten und der Nordflügel des Wirtschaftshofes, weiterhin ein Brauhaus.

Das Wappen des Ehemannes wird mit dem Schild der Ehefrau so kombiniert, daß letzteres ersterem als Herzschild aufgelegt wird. Die heraldischen Inhalte des Ehemannes belegen den Hauptschild, diejenigen der Ehefrau den Herzschild. Das Wappen der Familie Browne ist silbern-schwarz gespalten mit einem rot bewehrten Doppeladler in verwechselten Farben (engl.: per pale Argent and Sable with an eagle displayed with two heads counterchanged, armed, beaked and langued Gules). Der Name Browne wird beim Sohn als mittlerer Name getragen.

Abb. Mitte: 7.) Wappen von Thomas Browne Calley (1752-1791), zweiter Sohn von 6.), vermählt 1778 mit Elizabeth Rowlls, der Tochter von John Rowles of Kingston-upon-Thames und dessen Frau Elizabeth Davenport.

Beim Wappen Calley sieht man, daß der vorherige inescutcheon of pretence des Vaters nun fester Bestandteil des Familienwappens geworden ist und von nun an dauerhaft mit diesem verbunden ist, wobei man hier den Weg des Ersatzes eines redundant vorhandenen Viertels wählt und den neuen Inhalt in Feld 3 positioniert. Das Familienwappen hat ab jetzt drei Bestandteile.

Das Wappen des Ehemannes wird mit demjenigen der Ehefrau im gespaltenen Schild vereinigt, auf eine Weise, die weder ein Erbe noch die Fortführung des Wappens in der nächsten Generation erwarten läßt. Das Wappen der Familie Rowlls (Rowles) zeigt in Gold einen mit drei goldenen Kugeln belegten blauen Zickzackbalken zwischen drei blauen, jeweils mit einem goldenen Löwen belegten Schindeln (engl.: Or a fess dancettée Azure charged with three roundels of the first, between three billets of the second charged each with a lion rampant of the first).

Abb. rechts: 8.) Wappen von Thomas Calley (31.5.1780-1836), Sohn von 7.), vermählt am 20.7.1802 mit Elizabeth Anne Keck, der Tochter von Anthony James Keck (-28.2.1782) of Stoughton Grange, Leicestershire, und dessen Frau Elizabeth Legh, der Tochter und Miterbin von Peter Legh of Lyme.

Thomas Calley war High Sheriff of Wiltshire. Er lebte großzügig auf seinem Landsitz und veranstaltete auf Burderop Down 1811-1831 sogar Pferderennen. Das üppige Leben ruinierte ihn: Er wurde 1821 wegen seiner Schulden angeklagt und mußte 1823 Konkurs anmelden. Das Gut wurde verpachtet, das Herrenhaus von Burderop Park in Chiseldon mit ca. der Hälfte des Grundbesitzes wurde 1845 verkauft. Nur ein Restbesitz mit der Farm und dem anderen Herrenhaus verblieb in Familienbesitz.

Das Wappen des Ehemannes wird mit demjenigen der Ehefrau im gespaltenen Schild vereinigt, auf eine Weise, die weder ein Erbe noch die Fortführung des Wappens in der nächsten Generation erwarten läßt. Eigentlich stammt die Familie der Ehefrau von einem Anthony James ab, der im Jahre 1737 den Namen seines Großvaters mütterlicherseits annahm, Keck. Das Wappen der Familie Keck of Staughton Grange, co. Leicester, und Bank Hall, co. Lancaster, zeigt in Schwarz einen Schrägrechtsbalken von Hermelin, beiderseits begleitet von zwei goldenen, mit überstehenden, abwechselnd nach rechts unten und links oben gerichteten goldenen Lilien belegten Schrägrechtsfäden (engl.: Sable a bend Ermine between two cotises flory counterflory Or). Die zugehörige Helmzier wäre aus einer roten Mauerkrone hervorkommend ein goldener, hermelinbesetzter Jungfrauenkopf mit zerzaustem, wallendem, goldenem Haar, geschmückt mit einem grünen Kranz, der mit natürlichen Rosen verziert ist (engl.: out of a mural crown Gules a maiden's head Ermine purfied Or, hair dishevelled and flotant gold, adorned with a chaplet Vert, garnished with roses Proper). Später kam es zum Doppelnamen Powys-Keck, weil Henry Littleton Powys aus angeheirateter Verwandtschaft um drei Ecken nach dem Erbe des Besitzes in Staunton 1861 den Namen Keck dem seinigen anfügte und die Wappen vereinigte. 

   
John J. Calley (1810-1854)   John J. Calley (1788-1848)   Henry Calley (1818-1881)

Abb. links: 9.) Wappen von John James Calley (1810-1854), Sohn von 8.) und Neffe von 10.), vermählt am 1.7.1849 mit Caroline Agnes Trelawny (-14.7.1915), der Tochter von Harry Brereton-Trelawny (1792-19.6.1869) und Caroline Monk.

Das Wappen des Ehemannes wird mit demjenigen der Ehefrau im gespaltenen Schild vereinigt, auf eine Weise, die weder ein Erbe noch die Fortführung des Wappens in der nächsten Generation erwarten läßt. Das Wappen für die Ehefrau ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzer Sparren zwischen drei grünen Eichenblättern (Trelawny, engl.: Argent a chevron Sable between three oak leaves slipped Proper), Feld 2 und 3: in Silber zwei schwarze Balken (Brereton, engl.: Argent two bars Sable). Die erstgenannte Familie führte als Helmzier einen natürlichen laufenden Wolf, die zweite Familie einen natürlichen Bärenkopf.

Das Paar hatte keine Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Caroline Agnes Trelawny erneut, diesmal Hedworth David Barclay, und aus dieser Ehe gab es den Sohn Hedworth Trelawny Barclay (1859-24.7.1944).

Abb. Mitte: 10) Wappen von John James Calley (6.5.1788-16.11.1848), of Blunsdon Saint Andrew, Wiltshire, Sohn von 7.), Onkel von 9.) und Bruder von 8.), vermählt am 25.4.1816 mit Elizabeth Tunstall Wyld, der ältesten Tochter und Erbin von Reverend James Wyld, Rector of Blunsdon Saint Andrew.

In Feld 1 des Familienstammwappens Calley sieht man noch einen roten Stern als cadency mark, denn sein zuvor genannter Bruder Thomas war der Erstgeborene, der Zweitgeborene war der unvermählt gebliebene William Peter Calley (25.5.1781-1808), und John James war der Drittgeborene. In den nachfolgenden Generationen wurde dieses Unterscheidungsmerkmal nicht fortgeführt, weil die Linien der beiden älteren Brüder erloschen waren und die Linie des drittgeborenen Bruders zur Hauptlinie geworden war. Neben diesen drei Brüdern Thomas, William Peter und John James gab es noch mehrere Töchter, a.) Arabella Calley, die 1797 Henry Bullock of Shepperton heiratete, b.) Elizabeth Poppoea Calley, welche 1807 Clement Tudway of Wells heiratete, und c) die bereits als Kind verstorbene Mary Anne Calley.

Das Wappen des Ehemannes wird mit demjenigen der Ehefrau im gespaltenen Schild vereinigt, auf eine Weise, die weder ein Erbe noch die Fortführung des Wappens in der nächsten Generation erwarten läßt. Das Wappen der Familie Wyld zeigt unter einem schwarzen, mit drei goldenen Merletten belegten Schildhaupt in Silber einen schwarzen Sparren (engl: Argent a chevron Sable, on a chief of the second three martlets Or). Die Helmzier wäre ein natürlicher, sitzender, hersehender Löwe, der mit seinen Vorderpranken einen silbernen, mit drei Merletten belegten Schild hält (engl.: crest: a lion sejant guardant Proper, supporting in the forepaws an escutcheon erect Argent charged with three martlets).

Abb. rechts: 11.) Wappen von Henry Calley (1818-1881), Sohn von 10) und Cousin von 9.), vermählt am 1.4.1855 in erster Ehe mit Frances Elizabeth Bowyer (-7.2.1856), der einzigen Tochter bzw. dem einzigen Kind von Charles Bowyer of Farleigh House, Hampshire. Henry Calley war Major des 19th Regt., J. P. und D.L. von Wiltshire, Captain der Wiltshire Yeomanry und High Sheriff for Wiltshire.

Das Wappen des Ehemannes wird mit dem Schild der Ehefrau so kombiniert, daß letzteres ersterem als Herzschild aufgelegt wird. Die heraldischen Inhalte des Ehemannes belegen den Hauptschild, diejenigen der Ehefrau den Herzschild. Das Wappen der Familie Bowyer ist redend und zeigt in Gold einen Schägrechtsbalken von Eisenhutfeh zwischen zwei blauen Schrägrechtsfäden und mit einem roten rechten Obereck mit einer aufrechten gespannten goldenen Armbrust darin (engl.: Or a bend Vair, cottised Azure, in a canton Gules a crossbow of the first).

Die erste Ehe währte nur kurz, denn seine Frau starb schon im Folgejahr. Ein Stammhalter wurde gerade noch geboren. Henry Calley (22.5.1818-3.5.1881) heiratete später in zweiter Ehe am 2.3.1859 in Saint Margaret’s, Westminster, Emily Augusta Wrangham. Aus der zweiten Ehe gab es mehrere Kinder (Captain John Digby Calley 1860-1894, Captain Henry Calley 1861-1898, Amelia Calley, Edith Mary Calley), die aber für die Erbfolge und diese heraldische Betrachtung nicht relevant sind.

     
  Thomas C. P. Calley (1856-1932)   Joan Marion Calley (1890-1973)  

Abb. links: 12.) Wappen von Thomas Charles Plevdell Calley (1856-1932), einziger überlebender Sohn von 11.) aus dessen erster Ehe, vermählt 1883 mit Emily Chappell (1863-1954), der Tochter von Thomas Patey Chappell of Weir Bank, Teddington. Thomas Charles Plevdell Calley, der eine militärische Karriere machte und C.B., C.B.E sowie M.V.O. wurde, war der letzte männliche Nachkomme der Familie Calley.

Beim Wappen Calley sieht man, daß der vorherige inescutcheon of pretence des Vaters nun fester Bestandteil des Familienwappens geworden ist und von nun an dauerhaft mit diesem verbunden ist, wobei man hier den Weg des Ersatzes eines weiteren redundant vorhandenen Viertels wählt und den neuen Inhalt in Feld 4 positioniert. Das Familienwappen hat ab jetzt vier Bestandteile.

Es bleibt also beim gevierten Wappen, das sich nun wie folgt zusammensetzt: Feld 1: Calley, silbern-schwarz geviert, darüber ein roter, mit drei silbernen, fünfzackigen Sternen belegter Schrägrechtsbalken (engl.: quarterly Argent and Sable, on a bend Gules three mullets of the first), Feld 2: Bower, in Schwarz ein silbernes Tatzenkreuz (engl.: Sable a cross pattée Argent), Feld 3: Browne, silbern-schwarz gespalten mit einem rot bewehrten Doppeladler in verwechselten Farben (engl.: per pale Argent and Sable with an eagle displayed with two heads counterchanged, armed, beaked and langued Gules), Feld 4: Bowyer, in Gold ein Schägrechtsbalken von Eisenhutfeh zwischen zwei blauen Schrägrechtsfäden und mit einem roten rechten Obereck mit einer aufrechten gespannten goldenen Armbrust darin (engl.: Or a bend Vair, cottised Azure, in a canton Gules a crossbow of the first).

Abb. rechts: 13.) Wappen von Joan Marion Calley (1890-1973), einzige Tochter von 12.). Sie ist der letzte Sproß der Familie. Sie lebte bis zu ihrem Tod im verbliebenen Herrenhaus von Burderop Estate. Es gab keine inhaltlichen Veränderungen am Wappen, dafür einen formalen Wechsel in der Darstellung zum Rautenschild, wie er in Großbritannien für Frauen üblich ist. 

Nach ihrem Tod ging Burderop Estate 1973 durch ihr Testament an ihren Cousin, Sir Henry Calley von Overtown Manor. Dieser verkaufte Burderop Estate 1977 an Halcrow, heute CH2M Hill. Umfangreiche Renovierungsarbeiten, die auch die Komplettsanierung des Haupttreppenhauses, die Reparatur der Stuckdecken und Eichenholzvertäfelungen sowie den Wiederaufbau der zentralen Glaskuppel umfaßten, retteten das Herrenhaus; der sonstige Gebäudebestand wurde zu Büros umgebaut und durch drei jeweils 1977, 1977 und 1990 errichtete Pavillons erweitert. Heute bieten die neuen Besitzer Vermietungsobjekte für Wohn- und Veranstaltungszwecke auf dem Burderop Estate an, weiterhin wird das Estate für typische Freizeitaktivitäten auf dem Land genutzt. 

Fassen wir zusammen: Am Beispiel der Familie der Calley of Burderop können wir mehrere der nachgenannten typischen Eigenarten der britischen Heraldik aufzeigen:

1.) Differenzierung von Wappen und Blasonierung
- bei gleichzeitig lebenden Personen kommen keine doppelten Wappen vor
- zur Vermeidung von gleichen Wappen werden die Wappen nachgeborener Söhne durch cadency marks differenziert, eine liegende Mondsichel (crescent) für den zweiten Sohn, ein Stern (mullet) für den drittgeborenen Sohn etc. -> Nr. 4.) und 10.)
- wird eine solche Linie zur Hauptlinie, werden die differenzierenden Zeichen weggelassen -> Nr. 5.) und 11.)
- die Blasonierung (blazonry) folgt ganz eigenen Formalismen, die anders sind als in der deutschsprachigen Heraldik
- Männer verwenden eine mehr oder weniger von echten Schilden abgeleitete Form -> Nr. 1.) bis Nr. 12), unverheiratete oder verwitwete Frauen verwenden den Rautenschild (lozenge, ggf. auch einen Ovalschild, oval), unverheiratete Frauen mit dem väterlichen Wappen -> Nr. 13.)

2.) Ehewappen
- bei Ehewappen werden die Inhalte des Mannes und diejenigen der Frau in gespaltenem Schild zusammengeschoben (impaling, impalement) -> Nr. 1.), 3.), 5.), 7.), 8.)., 9.) und 10.). Beim impalement werden die Inhalte in der Horizontalen gestaucht und bleiben insgesamt vollständig erhalten.
- das impalement ist ein Kann, kein Muß für den Ehemann -> Nr. 4.) und 12.). Für die verheiratete Frau ist es hingegen obligatorisch, entweder den einen oder den anderen Weg der Kombination zu wählen.
- es gibt eine weitere Methode, zwei Inhalte in einem Schild (escutcheon) zusammenzuführen, dimidiation genannt. Dazu wird die rechte Hälfte des einen Wappens (das des Ehemannes) mit der linken Hälfte des anderen Wappens (das der Ehefrau) kombiniert. Die Inhalte werden nicht gestaucht, aber die jeweilige andere Hälfte geht verloren. Diese Methode gilt als Vorstufe des impalements. Wegen ästhetischer Mängel kam das in England außer Mode.
- ein kleiner Nachhall der dimidiaton ist beim Kombinieren von Wappen mit Außen- oder Innenbord (bordure, tressure, orle) zu erkennen: Ein solcher wird aus ästhetischen Gründen nicht entlang der Spaltlinie eines impalements weitergeführt, sondern an dieser internen Trennlinie unterbrochen.
- bei Ehewappen werden die Inhalte der Ehefrau dem Schild des Ehemannes als Herzschild aufgelegt, wenn man ein Erbe seitens der Frau erwartet. So einen Herzschild nennt man "inescutcheon of pretence" -> Nr. 2.), 6.) und 11.). Im Gegensatz zum großen escutcheon ist ein inescutcheon ein aufgelegter kleiner Schild.
- keine Vereinigung der Wappeninhalte durch impaling in einem Schild gibt es, wenn ein Ehepartner, Mann oder Frau, den höheren Rängen eines Ritterordens angehört und zur Führung einer um den Schild gelegten Ordenskette (collar) berechtigt ist. Dann verwendet man zwei separate, einander zugeneigte Schilde (arms of alliance), also so, wie im deutschsprachigen Raum "normale" zusammengestellte Ehewappen dargestellt werden.

3.) Marshalling und Quarterings
- der Inhalt eines "inescutcheon of pretence" wird in der nachfolgenden Generation in das Familienwappen als Feld (quarter) fest eingebaut -> Nr. 3.), 7.) und 12.). Kinder einer heraldischen Erbin bauen dieses Feld in einer dem väterlichen Wappen nachgeordneten Position im Schild ein. Die Voraussetzung ist, daß die Mutter bzw. der Großvater mütterlicherseits verstorben sind und das heraldische Erbe tatsächlich angefallen ist.

Generationenwechsel

- die einzelnen Felder werden - unabhängig davon, ob sie nun ein Viertel, ein Sechstel oder ein Achtel der Schildfläche einnehmen, "quarterings" genannt. Der Ausdruck leitet sich davon ab, daß in einem gevierten (quartered) Schild väterliches und mütterliches Wappen kombiniert werden, das väterliche in den Feldern 1 und 4, das mütterliche in den Feldern 2 und 3.
- im Laufe der Familiengeschichte können so mehrere ehemalige "inescutcheons of pretence" gesammelt und sukzessive eingebaut werden und nacheinander ein komplexes (composite), vielfeldriges Wappen aufbauen -> Nr. 12.) und 13.).
- die wohlbegründete Anordnung verschiedener Inhalte unterschiedlicher Herkunft in einem Schild wird "marshalling" genannt. Eine Grundregel besagt, daß das väterliche Wappen immer in die bessere Position kommt, das mütterliche in die nachgeordnete Position. Gesetzt den Fall, daß in drei Generationen nacheinander zweimal ein heraldisches Erbe anfällt, kommt das Wappen des Großvaters väterlicherseits in Position 1 und 4, das der Großmutter väterlicherseits in Position 2, das des Großvaters mütterlicherseits in Position 3. Liegt der Anfall des heraldischen Erbes weiter auseinander, ist das Ergebnis das Gleiche -> Nr. 7.). Fällt nochmal ein heraldisches Erbe an, wird Position 4 besetzt -> Nr. 12.). Fällt noch einmal ein heraldisches Erbe an, wird die Anzahl der Felder erweitert. Dazu gibt es oft mehrere Möglichkeiten. Wenn aufgrund der möglichst harmonisch gewählten Schildteilungen ein Feld unbesetzt übrig bliebe, wird das väterliche Wappen im letztrangigen Feld wiederholt. Die Reihenfolge der Felder im Schild ist auch die Reihenfolge des Anfalls des heraldischen Erbes.

4.) Kleinode
- Kleinode (crest) und Devisen werden beim impalement nicht von der Frauenseite übernommen. Werden solche Ehewappen mit Oberwappen dargestellt, sind sämtliche Kleinode dem Mann zuzuordnen, auch wenn sie auf dem oberen Schildrand über den Inhalten der Frau stehen.
- unverheiratete oder verwitwete Frauen verwenden in der Regel keine Helmzier (crest). Es gibt eine Ausnahme für Schottland, wo einer Frau, die Oberhaupt eines Clans ist, eine Helmzier zugestanden wird
- wenn in England ein Wappen über eine Frau anläßlich eines Erbes weitergegeben wird, wird die dazugehörige Helmzier (crest) nicht mit übernommen, da eine Frau keine Helmzier weitergeben kann (in Schottland ist die Situation anders)
- wenn zusätzliche Wappeninhalte aufgrund eines Testamentes des Schwiegervaters angenommen werden, ist die Lage wiederum anders, dann sind zwei Kleinode das wahrscheinlichste Ergebnis einer testamentarisch verfügten Namens- und Wappenvereinigung, die natürlich vom Souverän bzw. seinen Beauftragten genehmigt werden muß.

Frauenwappen in Großbritannien
- unverheiratete oder verwitwete Frauen verwenden den Rautenschild (lozenge, ggf. auch einen Ovalschild, oval), unverheiratete Frauen mit dem väterlichen Wappen, verwitwete Frauen mit dem ehemaligen Ehewappen.
- verheiratete Frauen können ihr Ehewappen in Form des impalements nicht nur auf Schilden, sondern auch auf Bannern führen.

verheiratete Frauen, keine heraldische Erbin

- unverheiratete Frauen können ihr väterliches Wappen nicht nur auf Rauten- oder Ovalschilden, sondern auch auf Bannern verwenden.

unverheiratete Frauen

- wenn ein heraldischer Inhalt einer Frau selbst verliehen wird, kann dieser zu ihren Lebzeiten und natürlich danach auch von ihren Nachkommen übernommen werden.
- verheiratete Frauen können ihr Ehewappen in Form des inescutcheon of pretence nicht nur auf Schilden, sondern auch auf Bannern führen.

verheiratete Frauen, heraldische Erbin

- in England und Nordirland bekommt jede noch lebende Tochter als "coheiress" "anteilig" das Wappen ihres Vaters und gibt es so weiter. In Schottland ist die Lage anders, dort übernimmt ausschließlich die älteste noch lebende Tochter das Wappen ihres Vaters und überträgt es unverändert an ihre Nachkommen, nicht jedoch nachgeborene Töchter.
- verheiratete Frauen können, unabhängig davon, ob ihr Ehemann wappenführend ist oder nicht, das väterliche Wappen alleine auf einem "normalen" Schild oder Banner führen, wenn sie es durch Aufnahme eines kleinen Schildes (escutcheon) in Kontrastfarbe im rechten Obereck oder an der Hauptstelle markieren. Die exakte Position des ansonsten inhaltsfreien kleinen Schildes ist variabel und wird nach ästhetischen Gesichtspunkten gewählt.

verheiratete Frauen

- verheiratete Frauen können, unabhängig davon, ob ihr Vater wappenführend ist oder nicht, das Wappen des Ehemannes alleine auf einem "normalen" Schild oder Banner führen, wenn sie es wie zuvor durch Aufnahme einer kleinen Raute (lozenge) in Kontrastfarbe im rechten Obereck oder an der Hauptstelle markieren.

verheiratete Frauen

- verwitwete Frauen führen entweder das Ehewappen in der zutreffenden Kombinationsart auf einem Rauten- oder Ovalschild - gleicher Inhalt, aber andere Schildform -, ...

verwitwete Frauen

...oder ihr väterliches Wappen auf einem Rauten- oder Ovalschild oder Banner mit einem kleinen Schildchen in Kontrastfarbe wie zuvor, das kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn der Ehemann nicht über ein eigenes Wappen verfügt, oder....

verwitwete Frauen

...oder das Wappen des Ehemannes auf einem Rauten- oder Ovalschild oder Banner mit einer kleinen Raute in Kontrastfarbe wie im vorletzten Abschnitt. Letzteres kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die Ehefrau nicht über ein väterliches Wappen verfügt.

verwitwete Frauen

- allgemein gilt, daß das Fehlen eines eigenen Wappens dadurch ausgeglichen werden kann, daß man das andere nimmt und markiert, entweder das des Mannes mit einer Raute oder das der Frau mit einem Schildchen. So wird aus einem einzelnen Wappen ein gemeinsam als Ehepaar nutzbares Wappen.
- es gibt verheiratete Frauen, die entweder wirklich selber einen Adelstitel aus eigenem Recht tragen oder die eine entsprechend wichtige Position in einem Orden einnehmen. Diese verwenden unabhängig von ihrem Ehestatus ihr eigenes Wappen auf einem Rautenschild. Sie können den Ehestand durch die Aufnahme eines kleinen Schildchens in Kontrastfarbe wie zuvor kennzeichnen. Es ist nicht obligatorisch.
- geschiedene und nicht wiederverheiratete Frauen benutzen wieder das väterliche Wappen auf einem Rautenschild (lozenge) oder einem Ovalschild (oval), optional bis zu ihrer Wiederverheiratung mit einer Fensterraute (mascle) in Kontrastfarbe im oberen Teil, eine Empfehlung, aber nicht zwingend.

geschiedene und nicht wiederverheiratete Frauen

Beispiele englischer Wappenaufrisse aus der Dekadenzzeit:
Es folgen zwei stilistisch dekadente Wappendarstellungen, gezeichnet von Charles Catton und gestochen von Francis Chesham, aus dem Werk "English Peerage", Ende des 18. Jh. Beide zeigen zeittypische Verfallserscheinungen in der heraldischen Darstellung. In beiden Fällen ist der Schild zu einer asymmetrischen Rokoko-Kartusche verzerrt mit unregelmäßig abwechselnden konkaven und konvexen Partien, unbegründeter seitlicher Neigung bzw. Verzerrung, in beiden Fällen sind die einer herzoglichen Rangkrone aufsitzenden Helme viel zu klein, der Hals ist viel zu eng, die ganze Darstellung entspricht nicht einem funktionsfähigen Rüstungsteil, und die Helme sind überhöht von einer noch unterproportionierteren Helmzier, die weitab von hochmittelalterlichen Proportionen eine lächerlich kleine Randerscheinung ist. Die Helmdecken reichen gerade mal bis zur Krone, den Schild erreichen sie nicht. Viel größeres Augenmerk wurde auf die Darstellung der Schildhalter gelegt, die mit außerordentlicher Feinheit und Detailversessenheit und hoher Plastizität so naturalistisch wie möglich modelliert wurden. Dabei ist der Ausdruck Schildhalter relativ, denn sie kommen nicht mehr ihrer eigentlichen Aufgabe nach, den Schild zu halten und zu stützen, vielmehr kommen ihre Leiber hinter dem Schild hervor, ihre Körper sind nach außen gerichtet, im Falle Chatham wenden sie sogar fast desinteressiert zu nennen den Kopf nach außen, kein einziges Bein hat noch Kontakt zum Schildrand. Die Schildhalter sind hier zu einer tierischen Staffage degeneriert, die die nebensächlich wirkenden klaren Linien der Heraldik in ein dem Zeitgeschmack entsprechendes naturalistisches Ensemble integriert und zum eigentlichen Schwerpunkt des künstlerischen Interesses wird.

Dies ist ein den Spencer zugeordnetes Wappen, sie stehen seit 1765 im Range eines Earls im englischen Peerage-System. Der Schild ist in dieser Abbildung geviert: Feld 1 und 4: silbern-rot geviert, in den roten Plätzen eine von einem goldenen Schragen durchflochtene goldene Fensterraute (engl. "fret"), über allem ein schwarzer, mit drei silbernen Jakobsmuscheln (Pilgermuscheln) belegter Schrägbalken (Schrägrechtsbalken), engl. quarterly Argent and Gules, in the second and third Quarters a Fret Or, over all a Bend Sable charged with three Escallops Argent, Feld 2 und 3: in Schwarz ein silberner Löwe, im silbernen rechten Obereck ein durchgehendes rotes Kreuz, engl. Sable a lion rampant Argent, in a canton of the last a cross Gules. Dabei stehen die Felder 2 und 3 für Churchill und stellen das ältere Wappen der Familie dar (aber nicht das älteste, das in Schwarz einen silbernen Löwen zeigt, von einer roten Schrägleiste überdeckt, engl. Sable a Lion rampant Argent debruised by a Bendlet Gules). Dabei war die rote Schrägleiste eine Brisur, die überflüssig wurde, als das rechte Obereck (canton) mit dem St. Georgskreuz hinzugefügt wurde (canton Argent a cross Gules). Deshalb entfiel 1661/1662 die Brisur zugunsten des Oberecks, eine Wappenbesserung und ein königliches Gnadenzeichen. 1 und 4 stehen hingegen für Spencer, wobei die drei Pilgermuscheln ebenfalls ein Differenzierungszeichen (Brisur) sind, denn ursprünglich war der Schrägbalken ganz schwarz, und andere Familienzweige bekamen andere Zeichen wie z. B. drei goldene Lilien o.ä. Die Helmzier ist die der Spencer, ein wachsender, silberner, rotbewehrter Greifenrumpf zwischen zwei silbernen Flügeln mit doppeltem roten Halsband (a Griffin's Head between two Wings expanded Argent, gorged with a Collar gemel and armed Gules). Die beiden Schildhalter sind heraldisch rechts ein Greif (engl. griffin, n. Lit. per fess ermine and erminois) und links ein Drache (engl. a wyvern, n. Lit. ermine). Die engen Zusammenhänge zwischen den Spencer und den Churchill ergeben sich aus folgender genealogischer Konstellation: Lady Anne Churchill (1682-15.4.1716, Tochter von John Churchill 1st Duke of Marlborough) war die Erbin des Hauses Churchill, weil der einzige Bruder John Churchill Marquess of Blandford am 20.2.1703 in jugendlichem Alter verstarb. Der Titel ging 1722 an John's älteste Tochter, Henrietta Churchill Duchess of Marlborough Fürstin v. Nellenburg (1681-1733) und 1733 an den Sohn der zweitältesten Tochter Anne über, die Charles Spencer 3rd Earl of Sunderland (ca. 1674-19.4.1722) geheiratet hatte, dieser neue Titelträger war Charles Spencer 3rd Duke of Marlborough 5th Earl of Sunderland (22.11.1706-28.10.1758). Er hatte zwar einen älteren Bruder, der starb jedoch vor dem Titelübergang, es handelte sich um Robert Spencer 4th Earl of Sunderland (24.10.1701-1729). Der Sohn von Charles war George Spencer 4th Duke of Marlborough (26.1.1739 - 30.1.1817/1818), der wiederum zum Sohn George Spencer-Churchill 5th Duke of Marlborough (6.3.1766 - 5.3.1840) hatte, der 1817 die Erlaubnis bekam, seinen Geburtsnamen Spencer um den Namen Churchill zu erweitern, um die Erinnerung an seinen berühmten Vorfahren aus dieser Familie lebendig zu erhalten, und dieser war es, der 1817 sein väterliches Spencer-Wappen mit Churchill quadrierte, wobei er aber das Wappen umgekehrt wie hier dargestellt führte, 1 und 4 Churchill, 2 und 3 Spencer, entgegen der hierzulande üblichen Praxis, die erwarten ließe, das väterliche Wappen in 1 und 4 zu sehen, aber schließlich war der Titel eines Herzogs von Marlborough wichtiger als der eines Earls of Sunderland. Warum ist in dem hier vorliegenden Beispiel nun Spencer in 1 und 4 und Churchill in 2 und 3 zu sehen? Es ist eine vor der offiziellen Vereinigung 1817 entstandene Darstellung, und die Anordnung beruht auf der Ehe zwischen Charles Spencer 3rd Earl of Sunderland und Lady Anne Churchill. Deren beider Sohn war Charles Spencer, 3rd Duke of Marlborough (s. o.), zu dem dieses Wappen in dieser Anordnung passen würde, so daß das Wappen des Vaters in 1 und 4 und das der Mutter in 2 und 3 ist. Weitere Zusätze variierten später das vereinigte Spencer-Churchill-Wappen (ein Schildchen: Argent a Cross of St George surmounted by an Inescutcheon Azure, charged with three Fleurs-de-Lys Or). Wie man sieht, erfolgte die offizielle Quadrierung aus Spencer und Churchill im dem Zweig der Familie, der Name und Titel des Duke of Marlborough annahm, andersherum als bei den Spencer. Die Devise lautet "Dieu defend le droit" - Gott verteidigt das Rechte.

Die zweite Abbildung zeigt eine weitere Wappendarstellung aus dem Werk "English Peerage" von 1790 und wurde ebenfalls von Charles Catton gezeichnet und von Francis Chesham gestochen. Die Abbildung ist durch die Unterschrift der Familie der Earls of Chatham zugeordnet, sie haben seit 1766 den Rang eines Earls im englischen Peerage-System inne. Folgt man den Schraffurangaben, ist hier in Rot ein in zwei Reihen von Silber und Blau geschachter Balken zu sehen, begleitet von drei (2:1) goldenen Scheiben, engl. Gules a fess compony counter-compony Argent and Azure between 3 bezants. Das ist jedoch kein korrektes Wappen der Pitt, Earls of Chatham, denn diese führten in Schwarz einen in drei Reihen von Silber und Blau geschachten Balken, begleitet von drei (2:1) goldenen Scheiben (Besanten), engl. Sable a fess chequy Argent and Azure between 3 bezants ("Besanten" sind in der britischen Heraldik immer golden). So findet es sich im Burke und im Rietstap. Eine korrekte Abbildung des Pitt/Chatham-Schildes findet sich im Werk "English Peerage" unter der Bezeichnung "Camelford", einem weiteren Titel, den die Familie Pitt innehatte. Hier ist es jedoch unzutreffend wiedergegeben. Die Pitt waren 1761-1835 Barons Chatham, 1766-1835 Earls of Chatham und 1784-1804 Barons Camelford, dazu 1726-1765 Earls of Londonderry. Die Helmzier ist jedoch korrekt, ein natürlicher Kranich mit goldenem Schnabel und ebensolchen Füßen, den erhobenen rechten Fuß auf einem natürlichen Anker (schwarz mit natürlichem Stock), engl. a crane proper, beaked and membered Or, holding up his right foot upon an anchor erect proper. Als Schildhalter (korrekte Wiedergabe) dienen heraldisch rechts ein Löwe, belegt mit einem Eichenbruch, und links ein Hirsch mit goldenem Geweih und Halsband und davon herabhängender ebensolcher Kette (Rietstap: S.: à dextre un léopard lionné au naturel chargé sur l'épaule d'un gland d'or tigé et feuillé de sinople; à senestre un cerf au naturel ramé, colleté et enchainé d'or). Die Devise lautet: "BENIGNO NUMINE", frei: Mit Gottes Segen.

Die obige Abbildung mit Detailausschnitt zeigt das bereits oben erläuterte Wappen der Spencer-Churchill, Dukes of Marlborough, in allen Details sei auf die obige Diskussion der Inhalte verwiesen. Dieses Werk eines unbekannten Künstlers, entweder ein Bücherzeichen oder wahrscheinlicher eine Seite aus einem Buch, ist ein stilistischer Tiefpunkt, wie insbesondere die völlig unheraldischen, in florale Formen übergehenden Helmdecken und die mißratenen Proportionen zeigen. Heraldische Inhalte werden hier zur Staffage innerhalb eines Ornamentes.

Englische Totenschilde:
Wie in Deutschland auch gibt es in England Totenschilde (funeral hatchments). Dabei gibt es aber einige insulare Besonderheiten:

Quellen, Literatur und Links
Stephen Slater: The Complete Book of Heraldry: An International History of Heraldry and Its Contemporary Uses, Lorenz Books 2002, ISBN: 0754810623 bzw. 978-0754810629
Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst, Bechtermünz Verlag 2000, Callwey Verlag 1978
Artikel der Heraldic Society:
https://www.theheraldrysociety.com/articles/
Wappen Spencer:
http://www.europeanheraldry.org/house_of_churchill_and_spencer.html
Wappen Churchill:
http://www.winstonchurchill.org/learn/reference/armorial-bearings-of-wsc
The peerage of England
http://books.google.de/books?id=NFwBAAAAQAAJ
Ein herzliches Dankeschön an Frhr. v. Recum für wertvolle Hinweise
Ein herzliches Dankeschön an Stephen Slater für die Catton-Stiche und für die Drucke.
Genealogien:
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Pitt/Chatham:
Burke's General Armory
Rietstap/Rolland
Wappen Pitt: http://www.europeanheraldry.org/house_of__pitt_.html
Stephen Slater: Britische und deutsche Heraldik: Unterschiede, Kleeblatt, Zeitschrift für Heraldik und verwandte Wissenschaften, 02/2012, S. 24-27.
Genealogie der Familie Calley und der zugehörigen Ehefrauen: Stirnet
https://www.stirnet.com/genie/data/british/cc4aq/calley1.php - https://www.stirnet.com/genie/data/british/bb4fz/bower2.php#lav1 - https://www.stirnet.com/genie/data/british/nn/nicholas1.php#link5 - https://www.stirnet.com/genie/data/british/cc4aq/codrington1.php#da1 - https://www.stirnet.com/genie/data/british/pp/pleydell01.php#dau7 - https://www.stirnet.com/genie/data/british/kk/keck1.php#con2
Genealogie der Familie Calley und der zugehörigen Ehefrauen: https://www.thepeerage.com/p57162.htm#i571613 - https://www.thepeerage.com/p57165.htm#i571644 und abhängige Seiten
Genealogie der Familie Calley: 
https://genealogy.avendano.org/wrangham.php/sennett.php 
Poster von W. D. Perry, Pam Adams: The Calleys of Burderop, Patrons of this Living, hrsg. von Chiseldon P.C.C., o. J., erhältlich in der Kirche von Chiseldon
Webseite des Burderop Estate:
https://www.burderopestate.com/
Burderop Park auf Wikipedia:
https://en.wikipedia.org/wiki/Burderop_Park 
Frauenwappen in der britischen Heraldik:
https://www.theheraldrysociety.com/articles/the-arms-of-women-a-decree/
Marshalling und Quarterings:
https://www.theheraldrysociety.com/articles/quartering/
Ein herzliches Dankeschön an Oswald Peter für die Feldforschung vor Ort zur Heraldik der Calley of Burderop und die Beschaffung von Unterlagen
Ein herzliches Dankeschön an Stephen Slater für die stete Beratung und Hilfestellung bei Themen der britischen Heraldik

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