Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2558
Hohenstadt (zu Abtsgmünd, Ostalbkreis)

Hohenstadt, kath. Schloßkirche Mariä Opferung

Das 1625 in der Renaissance anstelle einer mittelalterlichen Burg mit zwei Ecktürmen erbaute und um 1770 aufgestockte Schloß Hohenstadt (Abb. unten links) und die benachbarte barocke Schloßkirche (Abb. unten rechts) bilden ein eindrucksvolles Ensemble in landschaftlich atemberaubender Lage am östlichen Ortsrand auf der Liashochfläche rund 500 Meter über dem Meeresspiegel direkt an dem zum Kochertal steil abfallenden Stufenrand mit Blick auf das vorgelagerte "Welland". Seit der ersten Hälfte des 16. Jh. wird der Ort geprägt von der Familie der Adelmann von Adelmannsfelden, in deren Besitz sich das Schloß nach wie vor befindet. Im Jahre 1407 hatte Conz Adelmann Burg und Dorf Hohenstadt samt Gericht und Zubehör von den von Wöllwarth für 2000 fl. gekauft, aber sogleich hälftig seiner Tochter als Mitgift gegeben, als sie Georg Schenk von Schenkenstein heiratete. Letzterer kaufte ein Jahr später die andere Hälfte hinzu. Hieronymus Adelmann kaufte am 6.3.1530 die Herrschaft Hohenstadt samt Burg für 6300 fl. zurück, und seitdem wohnt die Familie ununterbrochen im Ort. Wolf Kaspar Adelmann von Adelmannsfelden baute ab 1590 die Burg zum Schloß um. Durch den Besitz gehörte die Familie zur schwäbischen Reichsritterschaft. Das historische und kulturelle Zentrum des Ortes wird ergänzt durch den Heckengarten von 1756 in französischer Manier, einen der ältesten Gärten dieser Art, mit einer Orangerie als Lusthaus. Das renovierungsbedürftige Schloß wird privat bewohnt und kann nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden; die Kirche ist hingegen öffentlich zugänglich.

 

Wappen außen an der Kirche:
Mit dem Rückkauf der Herrschaft erwarben die Adelmann von den von Schenkenstein auch das Kirchenpatronat. 1579 führte Wolf Kaspar Adelmann von Adelmannsfelden die Reformation ein. 1636 wurde der Ort rekatholisiert. Wilhelm Adelmanns Ehefrau, Maria Magdalena von Rechberg, war tiefgläubig katholisch, und ihrem Einfluß ist die Rückkehr zum Katholizismus zu verdanken. Und die nun wieder katholische Familie brachte mit dem Fürstpropst von Ellwangen einen bedeutenden katholischen Kirchenfürsten hervor, der die Schönenbergkirche in Ellwangen erbauen ließ, das war Wilhelms Bruder. Die Schloßkirche ist eine Wallfahrtskirche; das Gnadenbild ist das des heiligen Patrizius aus dem Nachbarort Neubronn, das die fromme Ehefrau des Bauherrn von Sebastian von Wöllwarth überlassen bekommen hatte. Die sich etablierende Wallfahrt ließ den Vorgängerbau rasch zu klein werden, weshalb der barocke Neubau in Angriff genommen wurde. Wilhelm Adelmann von Adelmannsfelden ließ 1707-1711 anstelle einer älteren Kapelle durch den Baumeister Christian Jochum (zeitweise Hofmaurer in Ellwangen) eine neue Kirche als einschiffigen Wandpfeilerraum ohne Emporen nach dem Vorbild des Schönenberg im Stil des "vorarlbergischen Barocks" errichten. Der Turm wurde wirkungsvoll direkt an den Abhang gestellt. Die nordwestliche Giebelseite ist sehr schlicht gestaltet. Vier flache Wandvorlagen (Pilaster) sind der einzige Schmuck außerhalb der Mittelachse, in der das Portal, das einzige Fenster und im Giebel zwei weitere Öffnungen und eine Figurennische liegen. Der Giebel ist durch ein schmales Dachstück vom Unterbau abgesetzt und selbst durch kräftige Gesimse in zwei sich verjüngende Zonen mit jeweils S-förmig geschwungener Außenlinie und einer großen Volute an deren unteren Ende sowie einen abschließenden Dreiecksgiebel gegliedert. Vor dem Chorraum befindet sich die Familiengruft; dort ist auch der Erbauer der Kirche bestattet.

Im verkröpften Segmentbogengiebel des Portals befindet sich der auf das Jahr 1710 datierte Wappenstein der Adelmann von Adelmannsfelden, in Silber ein rot gekrönter und ebenso bewehrter blauer Löwe. Hier wird die barocke Kartusche von einem ornamentalen Rand umgeben und mit einer Laubkrone bedeckt. Die hier nicht gestalterisch verwendete Helmzier wäre zu blau-silbernen Decken ein halbes goldenes Sieb, an den beiden Enden (Schnittkanten) mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Das Familienwappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Wü Seite: 1 Tafel: 1 und abgebildet im Scheiblerschen Wappenbuch auf Folio 227. Weitere Adelmann-Wappen befinden sich als Relief auf den Zaunsäulen des Schlosses (ohne Abb.).

Wappen im Kircheninneren:
Im Inneren der Kirche gibt es etliche weitere Wappenfundstellen:

1.) Wappen am Hochaltar: barocke Schildkartusche mit dem Löwen der Adelmann von Adelmannsfelden über dem Altarblatt. Dieses und auch die der beiden vorderen Seitenaltäre wurden von Christoph Thomas Scheffler gestaltet. Ganz oben auf dem Hauptaltar bildet eine beachtenswerte spätgotische Madonna den Abschluß.

2.) Epitaph für Johann Adelmann von Adelmannsfelden, Deutschmeister 1510-1515. Dieses hinter dem Taufbecken zu findende Epitaph ist stilistisch am Übergang von der Spätgotik zur Renaissance. Der Aufbau, die Umrahmung mit dem Stabwerk, die Anordnung der Inschrift gehören zur eher konventionellen Formensprache, während der obere Abschluß der Platte neue Formen in die Komposition einbringt wie zwei geflügelte nackte Engelchen als Schildhalter. In das Astwerk des oberen Abschlusses sind zwei menschliche Figuren eingefügt, optisch links ein Geharnischter, auf der anderen Seite ein wilder Mann mit langem Zottelbart und ebensolchem Haar und mit geschulterter Keule. Die Inschrift lautet: "Anno domini jm 15.... und 15. Jahr am XVII Tag des monats Februarij Ist der hochwirdig Fürst und Her Her Johann adelmann teutschmeister verschiden. Dem got genad". Über dem Kopf befindet sich das Wappen des Deutschmeisters, es ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz (Deutscher Orden), Feld 2 und 3: in Silber ein rot gekrönter und ebenso bewehrter blauer Löwe (Adelmann von Adelmannsfelden). Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner Flug, beiderseits belegt mit einem schwarzen Kreuz (Deutscher Orden), Helm 2 (links): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein halbes goldenes Sieb, an den beiden Enden (Schnittkanten) mit schwarzen Hahnenfedern besteckt (Adelmann von Adelmannsfelden). Es handelt sich um das gleiche Epitaph, das als Gipsabguß im Tordurchgang zum inneren Hof des Schlosses Horneck angebracht ist (siehe auch dort, -> Gundelsheim).

 
     

3.) Farbig gefaßtes, aus Holz geschnitztes Gedenk-Epitaph für Johann Christoph IV. Adelmann von Adelmannsfelden, Fürstpropst von Ellwangen (reg. 1674-1687):
Sein Wappen ist geviert: Feld 1 und 4: in Silber eine rote, golden gerandete und verzierte Prälatenmütze (Fürstpropstei Ellwangen), Feld 2 und 3: in Silber ein gekrönter blauer Löwe (Adelmann von Adelmannsfelden). Über der Kartusche trägt ein geflügelter Engelskopf eine Inful, rechts und links davon tragen die Helme rechts die Ellwanger Inful und links das federbuschbesteckte halbe Sieb der Familie.

 

Noch weiter außen sieht man den Griff des gestürzten Schwertes und die Krümme des Abtsstabes, welche hinter der Kartusche schräggekreuzt sind. Sein Wappen ist übrigens auch in Ellwangen an der Ostfassade der Schönenbergkirche und auf ihrer Empore hinter dem Hochaltar zu finden.

Die Inschrift im unteren Teil der Platte lautet: "CELSISSIMVS REVERENDISSIMVS PRINCEPS / AC D(OMI)NVS D(OMI)NVS IOANNES CHRISTOPHORVS S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) / PRINCEPS PRAEPOSITVS ET D(OMI)NVS ELVACENSIS / NATVS / EX AVITA ET ILLVSTRI ADELMAN(N)ORVM / AB ADELMAN(N)SFELDEN FAMILIA A(NN)O A PARTV / VIRGINEO MDCXL 23 IVNY / ELECTVS / IN S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) PRINCIPEM PRAEPOSITVM ET / DOMINVM ELVACENSEM MDCLXXIV / 18 APRILIS / POSTVLATVS / AD AETERNITATEM MDCLXXXVII 26 AVG(VSTI)" - der ehrwürdigste und erlauchteste Fürst und Herr, Herr Johann Christoph, des Heiligen Römischen Reiches Fürstpropst und Herr zu Ellwangen, geboren aus der uralten und berühmten Familie der Adelmann von Adelmannsfelden, geboren im Jahre 1640 nach der jungfräulichen Geburt (von Christus), am 23. Juni, zum Fürstpropst des Heiligen Römischen Reiches und Herr zu Ellwangen gewählt am 18.4.1674, ist am 26.8.1687 in die Ewigkeit berufen worden.

Das zentrale Vollwappen wird von einem Kranz von acht Kartuschen der Ahnenprobe eingerahmt. Oben rechts ist erneut das Familienwappen der Adelmann von Adelmannsfelden zu sehen (Abb. unten links), gegenüber das der von Rechberg (Abb. unten rechts, in Silber oder Gold zwei rote Löwen Rücken an Rücken). Die Eltern des Fürstpropstes waren Wilhelm Christoph Adelmann von Adelmannsfelden, Herr zu Hohenstadt, Schechingen und Leinweiler (1606-1659) und Maria Magdalena von Rechberg zu Hohenrechberg (1614-1669).

 

Eine Zeile tiefer folgen die Wappen der von Degenfeld (Abb. unten links, geviert, Feld 1 und 4: über blauem Schildfuß silbern-rot geviert, Stammwappen, Feld 2 und 3: von Rot und Silber schräglinksgeteilt mit einem schreitenden grünen Sittich mit Halsband) und der Vöhlin von Frickenhausen (Abb. unten rechts, geviert, Feld 1 und 4: gespalten, rechts in Silber ein schwarzer, mit drei silbernen Marken in Form einer Ligatur aus P und L belegter Balken, links in Rot ein goldener Löwe, Feld 2 und 3: gespalten, rechts in Gold ein schwarzer Mohr, eine Stange mit beiden Händen schräg vor sich haltend, links in Schwarz ein silberner Balken). Die Großeltern des Fürstpropstes waren Wilhelm V. Adelmann von Adelmannsfelden (-1634), Margareta Anna von Degenfeld (-1642), Albrecht Ernst von Rechberg (1583-1637) und Anna Maria Vöhlin von Frickenhausen. Ein besonders schönes und detailliertes Vollwappen der Vöhlin von Frickenhausen in Farbe kann man übrigens auf dem Totenschild des Carl Vöhlin von Frickenhausen (-1599) in St. Martin in Illertissen, nördliche Seitenkapelle, sehen.

 

Eine weitere Reihe tiefer sind die Wappen der Eckbrecht von Dürckheim (Abb. unten links, in Silber ein schwarzer Maueranker) und der von Welden (Abb. unten rechts, gespalten, rechts in Grün ein silberner Balken, links rot) zu sehen.

 

Ganz unten folgen die Wappen der von Stammheim (Abb. unten links, in rot-silbern schräglinks geteiltem Schild ein grüner, rotbewehrter Sittich mit rotem Halsring) und der von Roth (Abb. unten rechts, gespalten, rechts eigentlich korrekterweise golden, links in Rot ein silberner Balken).

 

Die acht Urgroßeltern des Fürstpropstes waren Erhard Adelmann von Adelmannsfelden (-1601) und Maria Margareta Eckbrecht von Dürckheim (1549-1606), Christoph I. von Degenfeld (1535-1604) und Barbara von Stammheim (-1606), Haug Erkinger von Rechberg (-1596) und Susanna von Welden sowie Karl Vöhlin von Frickenhausen, Herr zu Illertissen (1562-1599) und Maria Roth von Bussmannshausen (1569-1618).

4.) Grabplatte für Wilhelm Christoph Adelmann von Adelmannfelden (1606-27.12.1659): Die Inschrift oben lautet "Seit Beraith dann deß Mensch / en Sohn wirdt zue der Stundt / Komen da Ihr es nicht meint / LVCAE 12 CAP. V. 40" - seid bereit, denn des Menschen Sohn wird kommen, wenn Ihr es nicht erwartet. Die Inschrift unten gibt die persönlichen Daten an: "Anno / D(OMI)NI 1659 den 27 Decemb(ris) / abendts zwischen 8 und 9 uhr / ist in dem Herren Seelig verschi(e)den / der Freii Reichs wo(h)l Edelgebor(e)ne Herr / Wilhelm Christoph Adelman(n) von Adelman(n)s / felden (a)uff Schechingen und Hohenstatt der / Freyen Reichs Ritterschafft In / Schwaben am Kocher Rath und / ausschuß Seines alters Im 53. / Jahr und 9 monat Deßen / Seel(e) Gott gna(e)dig Seye Amen". Ganz unten steht noch "REQVIESCAT IN PACE".

 

In der Mitte befindet sich ein nach links gewendetes Vollwappen der Adelmann von Adelmannsfelden, in Silber ein rot gekrönter und ebenso bewehrter blauer Löwe, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein halbes goldenes Sieb, an den beiden Enden (Schnittkanten) mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Darunter befinden sich rechts und links eines Totenschädels zwei unbeschriftete Wappenschilde für seine beiden Ehefrauen. Heraldisch rechts steht der Schild für die erste Ehefrau, nach Damian Hartard von Hattstein war das Elisabetha Schauber von Mühlbach, die Tochter des Ferdinand Schauber zu Mühlbach (1591-1601), die er 1629 geheiratet hatte (Wappen im Alten Siebmacher von 1605 Tafel 43, im Weigelschen Wappenbuch unter "Tyrolische", Tafel 43, geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein schwarz-golden gekleideter Mohrenrumpf schwebend, mit Kopfbinde mit abflatternden Enden, Feld 2 und 3: in Gold zwei schwarze Balken, Kleinod zu schwarz-goldenen Decken auf gekröntem Helm der Mohrenrumpf wachsend, golden-schwarz gespaltenes Gewand mit Kragen in verwechselten Farben, mit Kopfbinde und drei Federn oben auf dem Kopf). Heraldisch links ist der Schild für seine zweite Ehefrau, Maria Magdalena von Rechberg zu Hohenrechberg, die er 1636 geheiratet hatte (in Silber oder Gold zwei rote Löwen Rücken an Rücken).

Die Ahnenprobe besteht aus acht mit kleinen Schriftbändern namentlich zugeordneten Wappenschilden. Ganz oben sehen wir die Schilde der Adelmann von Adelmannsfelden (Abb. links unten, wie zuvor beschrieben) und der von Degenfeld (Abb. rechts unten, geviert, Feld 1 und 4: über blauem Schildfuß silbern-rot geviert, Stammwappen, Feld 2 und 3: von Rot und Silber schräglinksgeteilt mit einem schreitenden grünen Sittich mit Halsband). Die Eltern des Probanden waren Wilhelm V. Adelmann von Adelmannsfelden (1581-1634) und Margareta Anna von Degenfeld (-1642).

 

Eine weitere Reihe tiefer sind die Wappen der Eckbrecht von Dürckheim (Abb. links unten, in Silber ein schwarzer Maueranker) und der von Stammheim (Abb. rechts unten, in rot-silbern schräglinks geteiltem Schild ein grüner, rotbewehrter Sittich mit rotem Halsring) zu sehen. Die vier Großeltern des Probanden waren Erhard Adelmann von Adelmannsfelden (-1601) und Maria Margareta Eckbrecht von Dürckheim (1549-1606) väterlicherseits sowie Christoph I. von Degenfeld (1535-1604) und Barbara von Stammheim (-1606) mütterlicherseits.

 

In der dritten Reihe sehen wir die Wappen der Vöhlin von Frickenhausen (Abb. unten links, geviert, Feld 1 und 4: gespalten, rechts in Silber ein schwarzer, mit drei silbernen Marken in Form einer Ligatur aus P und L belegter Balken, links in Rot ein goldener Löwe, Feld 2 und 3: gespalten, rechts ein schwarzer Mohr, eine Stange mit beiden Händen schräg vor sich haltend, links in Schwarz ein silberner Balken) und der von Plieningen (Abb. rechts unten, in Gold ein schwarzer Pferderumpf).

 

In der vierten und letzten Reihe folgen die Wappen der von Stockheim (Abb. unten links, ein Schrägbalken, Tinkturen nicht bekannt, Hinweise zur Verifizierung willkommen) und der von Weitershausen (Abb. unten rechts, von Schwarz und Silber mehrmals schräggeteilt, hier viermal schräglinks, vgl. Alberti S. 1036). Die 8 Urgroßeltern des Probanden waren Wilhelm Adelmann von Adelmannsfelden und Margaretha Vöhlin von Frickenhausen zu Illertissen, Cuno (Wolfgang?) Eckbrecht von Dürckheim und Maria Margaretha von Stockheim, Martin II. von Degenfeld und Ursula von Plieningen (-1570) sowie Reinhard von Stammheim und Margaretha von Weitershausen.

 

5.) Die Erinnerungs-Grabplatte für Graf Clemens Adelmann von Adelmannsfelden trägt das spätere gräfliche Wappen der Familie, wie es ab 1790 geführt wurde. Dabei wurde der Schild aus Löwe und Sieb (diesmal ganz) geviert. Es fand dabei sozusagen ein wechselseitiger Austausch zwischen Schild und Oberwappen statt: Das Sieb kam zusätzlich in den Schild, der Löwe wurde als zweite Helmzier zitiert. Im Detail: Feld 1 und 4: in Silber ein rot gekrönter und ebenso bewehrter blauer Löwe, Feld 2 und 3: in Schwarz ein ganzes goldenes rundes Sieb, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender Löwe wie in Feld 1, Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein halbes goldenes Sieb, an den beiden Enden (Schnittkanten) mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Hier ist das komplette Wappen golden gefaßt.

 

Die Inschrift darunter lautet: "Dieses Denkmal setzen / dem besten Gatten und Vater, / Grafen Clemens von Adelman(n), / Herrn auf Hohenstadt und Schechingen, / K(öniglich-) Württembergischen Kam(m)erherrn / gestorben zu Ellwangen am 19. Feb(ruar) 1826 / im 55. Jahre, und daselbst begraben. / Die tief gebeugte Garttin Maria Anna / geb(orene) Freiin von Hornstein Grieningen / und seine 12 Kinder zu Erin(n)erung / Für alle, denen sein Angedenken theuer ist, / damit sie für Ihn leider viel zu frühe / Verblichenen beten mögen. / Herr, gieb Ihm die ewige Ruhe!". Seine Ehefrau war Maria Anna von Hornstein-Grüningen (1.10.1787-27.12.1838), für die eine eigene Erinnerungsplatte existiert.

6.) Die Erinnerungs-Grabplatte für Maria Anna von Hornstein-Grüningen (1.10.1787-27.12.1838) trägt ein Ehewappen aus zwei unter einer gräflichen Rangkrone mit neun Perlen zusammengestellten ovalen Schilden. Heraldisch rechts befindet sich das gevierte Wappen für den Ehemann, Graf Clemens Adelmann von Adelmannsfelden, für den eine eigene Erinnerungsplatte existiert (s. o.).

Das seit 1653 vermehrte Wappen der von Hornstein zu Grüningen, seit 1636 Freiherren von Hornstein, ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzes Hirschgeweih mit Grind und einem aufgerichteten Ohr zwischen den Stangen, Feld 2 und 3: in Silber drei übereinander balkenweise liegende rote Bärentatzen, gekrönter Herzschild: in Blau über einem schwebenden goldenen Dreiberg eine im Bogen von rechts nach links gekrümmte silberne Hirschstange. Der gesamte Hauptschild ist das angeerbte Wappen der von Stoffeln (Hohenstoffeln im Hegau), deren Stammwappen in den Feldern 1 und 4 ist, und die ihr Wappen mit Erlaubnis von Karl V. für die Brüder Jacob und Pankraz von Stoffeln im Jahre 1550 mit den Bärentatzen einer anderen, namensgleichen, abgestorbenen Familie von Stoffeln vermehrten. Im Freiherrenbrief von 1653 wurde den Hornsteinern von Kaiser Ferdinand III. erlaubt, das Wappen der von Stoffeln aufzunehmen. Das Stammwappen der von Stoffeln Nr. 1 wird abgebildet im Scheiblerschen Wappenbuch, Folio 288, ferner im Alberti S. 777, in: Der Landkreis Konstanz, Band III, S. 233, im Siebmacher Band: WüA Seite: 259 Tafel: 149.

 

Zu diesem vermehrten Wappen werden üblicherweise drei Helme geführt, die hier aber nicht abgebildet sind: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken über einem schwarzen Dreiberg eine im Bogen von vorne nach hinten gekrümmte silberne Hirschstange, dahinter zwei gekreuzte Banner, das rechte rot an blauer Lanze, meist mit goldenen Flammen besät, mit den goldenen Buchstaben F III (Ferdinand III., regierte 1637-1657, Erinnerung an die Wappenverbesserung im Wappenbrief von 1653) bezeichnet, das linke silbern an silberner Lanze mit rotem Kreuz (Georgsritterfahne). Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein golden-schwarz schräggeteilter geschlossener Flug (zu Feld 1 und 4, Stoffeln Nr. 1). Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend eine rote Bärentatze (zu Feld 2 und 3, Stoffeln Nr. 2). Im Scheiblerschen Wappenbuch ist übrigens die Helmzier der von Stoffeln Nr. 1 silbern-schwarz schräggeteilt, nicht golden-schwarz. Auch im Codex Stadion und bei Conrad Grünenberg ist beim Stammwappen der Flügel silbern-schwarz geteilt. Dies wurde bei der Übernahme durch die von Hornstein offensichtlich geändert. Hier auf der Gedenkplatte sind die beiden Wappen samt neunperliger Rangkrone vollständig golden gefaßt.

Die Inschrift auf der Platte lautet: "Dieses Denkmal weihen / ihrer unvergeßlichen Mutter / Maria An(n)a Gräfin Adelman(n) / von Adelmannsfelden / einer Freyin von Hornstein / Grieningen / geboren den 1. Oktober 1787 / gestorben zu Ellwangen / den 27. Dezember 1838 / und begraben daselbst / die tief gebeugten 12 Kinder. / Mögen alle, denen das Andenken / an die Verblichene theuer ist, / ihrer im Gebete gedenken. / Der Herr gebe ihr die ewige / Ruhe!".

7.) Die Erinnerungs-Grabplatte für Philippina de Llano geb. Adelmann von Adelmannsfelden (1759-1832) trägt ein gespaltenes Ehewappen unter einer hier tatsächlich zwölfperligen Rangkrone, heraldisch rechts das Wappen des Ehemannes, links Adelmann von Adelmannsfelden. Marie Philippine war die Witwe des spanischen Gesandten in Den Haag, Sebastián de Llano y de la Cuadra (1736-14.5.1793). Dieser war Absolvent des Kollegiums Santa Cruz in Valladolid und begann als Sekretär der spanischen Botschaft in Wien, ging dann als Gesandter nach Kopenhagen, dann nach Schweden und schließlich nach Holland. Für seine politischen und diplomatischen Tätigkeiten wurde er am 8.8.1780 von König Carlos III. zum ersten Conde de Senafé erhoben. Das Wappenbild der de Llano ist aus Unkenntnis bis zur Unkenntlichkeit verändert: In Wirklichkeit wird über einem Wellenschildfuß mit Wellenteilungen ein dreitürmiges Kastell von zwei einwärtsgerichteten naturfarbenen Tigern flankiert, die an den Mauern hochspringen (spanischer Blason: en campo de sinople un castillo de oro aclarado de gules sobre ondas de azur y plata con dos tigres de su solor natural empinados a sus muros). Aus den Wellen ist ein Bogen geworden, das Kastell wurde gestalterisch nicht als solches verstanden und steht rechts, die Löwen sind separat daneben gegeneinander gesetzt worden, die Kohärenz des Motivs ging verloren, und wenn man es nicht weiß, erkennt man das Vorbild nicht wieder.

 

8.) Ein runder Totenschild aus Holz trägt das Vollwappen der Adelmann von Adelmannsfelden wie beschrieben. Das halbe Sieb der Helmzier ist wirkungsvoll plastisch nach vorne in den Raum gestellt. Ein geflügelter Engelskopf ist am unteren Rand des Totenschildes angebracht. Die Umschrift lautet: "Am 4. April 1864 starb der Hochgeborene Herr Sigmund Reichsgraf Adelman(n) von A(delmannsfelden) geb. (14. September) 1809 s(eines) A(lters) 54 Jahre, dem Gott (gnädig) sei".

Sigmund Clemens Philipp Graf Adelmann von Adelmannsfelden war der Sohn von Clemens Wenzeslaus Anton Sigmund Apollinarius Balthasar Graf Adelmann von Adelmannsfelden (1771-1826) und Maria Anna Josefa Freiin von Hornstein (1.10.1787-27.12.1838), für die beide Gedenkplatten in der Kirche vorhanden sind. Er heiratete am 5.10.1847 in Stuttgart Caroline Elisabeth Maria Anna Freiin von Dernbach (29.10.1826-8.7.1850), die Tochter von Lothar Marianus Constantin Freiherr von Dernbach (1781-1838) und Maria Carolina Weinzierl (1786-1862). Für diese Ehefrau steht der Beischild, in Gold drei deichselförmig zusammengestellte schwarze Seeblätter oder Herzen. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-goldenen Decken ein silberngestulpter schwarzer Turnierhut, im Stulp zwei Pfauenstöße steckend (Gruber, Siebmacher Band: GfA Seite: 72 Tafel: 72).

 

9.) An einem Seitenaltar befindet sich das barocke Ehewappen von Joseph Anselm Marie Patriz Freiherr Adelmann von Adelmannsfelden (3.6.1728-25.2.1805), der 1790 in den Reichgrafenstand erhoben wurde und dazu in den bayrischen Grafenstand. Er war der Sohn von Philipp Anton Rudolph Graf Adelmann von Adelmannsfelden (1689-1762) und der Enkel von Wilhelm Graf Adelmann von Adelmannsfelden (23.11.1651-1722). Er selbst heiratete am 20.12.1753 Maria Johanna Freiin von Reischach (9.10.1731-15.8.1787), die Tochter von Judas Thaddäus Adam Johann Joseph Freiherr von Reischach (1698-1782). Zu ihr gehört das Wappen der von Reischach, in Silber ein schwarzer Eberkopf mit Hals, mit silbernen Hauern, rot gezungt. Hier ist das komplette Wappen vergoldet. Die hier nicht abgebildete, zugehörige Helmzier wäre auf gekröntem Helm der Eberkopf mit Hals, auch mit einem Kamm silberner Rückenborsten dargestellt. Die Helmdecken wären schwarz-silbern. Ein gleichlautendes Ehewappen befindet sich am Palais Adelmann in Ellwangen.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@48.9003991,9.9380829,17.25z - https://www.google.de/maps/@48.8996704,9.9380059,155m/data=!3m1!1e3
Geschichte der Adelmann von Adelmannsfelden in Hohenstadt: Norbert Hofmann: Das Gräflich Adelmannsche Archiv Hohenstadt, Landesarchiv BW
https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=19484
Pius Bieri: Johann Christoph Adelmann von Adelmannsfelden:
https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/a-g/Ellwangen_Adelmann.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Christoph_Adelmann_von_Adelmannsfelden
Johann Christoph Adelmann von Adelmannsfelden:
https://www.deutsche-biographie.de/sfz231.html
Genealogische Datenbank des Christoph Graf von Polier:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=de&iz=0&p=wilhelm+christoph&n=adelmann+von+adelmannsfelden - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=de&iz=0&p=wilhelm+christoph&n=adelmann+von+adelmannsfelden
Damian Hartard, Die Hoheit des Teutschen Reichs-Adels, Band 2,
http://books.google.de/books?id=rOA-AAAAcAAJ Tafel 2
Sebastián de Llano y de la Cuadra:
https://en.wikipedia.org/wiki/Sebasti%C3%A1n_de_Llano_y_la_Cuadra
Schloß Hohenstadt:
https://www.grafadelmann.de/ - Geschichte: http://www.grafadelmann.de/ueber-uns/historie/
Hohenstadt auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hohenstadt_(Abtsgm%C3%BCnd)
Hohenstadt auf Leo-BW:
https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/4201/Abtsgm%C3%BCnd-Hohenstadt
Seite der Stadt Abtsgmünd:
https://www.abtsgmuend.de/index.php?id=89
Hohenstadt:
http://aa-history.de/Hohenstadt_text.html
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 16
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Genehmigung vom Pfarramt Mariä Opferung Hohenstadt vom 22.1.2019, dafür ein herzliches Dankeschön
Seelsorgeeinheit Oberes Kochertal:
https://seelsorgeeinheit-oberes-kochertal.de/index_hohenstadt.html - Geschichte: https://seelsorgeeinheit-oberes-kochertal.de/hoh_geschichte.html

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