Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2609
Obernhof an der Lahn (Rhein-Lahn-Kreis)

Klosterkirche Arnstein, Epitaph für Johann Franz von Marioth

An der Wand des nördlichen Seitenschiffs der Klosterkirche Arnstein hängt dieses Epitaph aus schwarzem Marmor für Johann Franz von Marioth. Das Zentralfeld trägt die Inschrift: "IOHANN FRANTZ / VON MARIOTH / HERR V(ON) VND ZU LANGENAU /MIT HOCHGERICHTS / HERR ZU WINDEN VND / WEINÄHR OBERAMBTMAN(N) DES / CHURPFÄLTZISCHEN OBERAMBTS MOSBACH / AUFM ODENWALDT / SEINER HOCHFÜRSTLICHEN DURCHLEYCHT / HERREN LANDGRAVENS DES IÜNGEREN ZU / RHEINFELTZ GEHEIMBTER RATH / WAR GEBOHREN ANNO 1663 DEN 1 DECEMBRIS / STARB DEN 18 MERTZ 1726 / CLARA CATHARINA ELEONORA V(ON) MARIOTH / GEBOHR(E)NE FREYIN VON SOHLEREN WAR / GEBOHREN 1674 DEN 17 7BRIS / STARB 1704 DEN 28 IANU(ARIS) / BEE(I)DE EHELEÜTHE / R(EQUIESCAT) I(N) S(OMNUM) P(ACIS) A(MEN) / +".

Die vier Ecken des Zentralfeldes tragen die Ahnenwappen des Ehemannes. Sie sind alle ohne Oberwappen dargestellt. Der Aufsatz hingegen enthält das Ehewappen von Johann Franz von Marioth (1.12.1663-18.3.1726) und seiner Frau Clara Katharina Eleonora von Sohlern (17.9.1674-28.1.1704). Dieses Allianzwappen wird mit Oberwappen dargestellt, wovon ein Helm zum Ehemann, zwei Helme zur Ehefrau gehören. Das Wappen der von Marioth zeigt in Blau einen gekrönten goldenen Löwen, auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken der goldene gekrönte Löwe wachsend. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: NaA Seite: 31 Tafel: 50. Im Rietstap findet es keine Erwähnung.

 

Abb. links: Gesamtansicht. Abb. rechts: Zentralfeld mit der Inschrift und den vier Ahnenwappen.

Die Familie stammt aus Lüttich (Liège, Luik) in Belgien, wo sie zum bürgerlichen Patriziat gehörte. Begründer der Hüttenaktivität und des Vermögens war der aus Lüttich eingewanderte Jean Mariotte d. Ä. (-13.11.1670), Großvater des Johann Franz von Marioth. Ursprünglich stammt die Familie aus Frankreich. Er und seine Söhne waren bürgerlich. Die Voraussetzungen für die Gründung eines Hüttenimperiums waren günstig, weil nach dem Dreißigjährigen Krieg das Gebiet verwüstet war und weder Kapital noch Unternehmer vorhanden waren. Jean Mariotte bekam zunächst 1639 vom Trierer Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern (regierte 1623-1652) eine Belehnung auf Eisenerz im Amt Montabaur, also die Konzession, im Amt Montabaur und in den angrenzenden kurtrierischen Ämtern Eisenerz abzubauen und zu verhütten. Sofort baute Jean Mariotte bei Montabaur ein Gieß- und ein Hammerwerk. Bei Dernbach unterhielt er ein Eisenbergwerk. Am 3.7.1646 erneuerte und erweiterte der Trierer Kurfürst die Konzession. Wichtige Bestimmungen waren, daß er mit den neuen Werken auf 20 Jahre belehnt wurde, daß er danach ein Vorrecht vor Dritten hinsichtlich einer erneuten Belehnung eingeräumt bekam, daß er ein ausschließliches Nutzungsrecht an den Bergwerken bei Dernbach erhielt und auch woanders nach Erz suchen durfte, und daß er ein Vorkaufsrecht auf das zum Verhütten notwenige Holz aus den kurfürstlichen und kommunalen Wäldern eingeräumt bekam. In der Folgezeit entstanden nicht nur Eisenwerke des Jean Mariotte in Vallerau (heute in der Nähe von Hillscheid), sondern auch in Engers, Ahl, Hohenrhein und Nievern. Man legte die Öfen dezentral dort an, wo die Holzvorräte zur Verfügung standen, denn man konnte leichter das Erz an einen anderen Ort bewegen als die riesigen Holzmengen bzw. die Holzkohle. Die Wirtschaftlichkeit der Verhüttung stand und fiel mit der Bereitstellung preiswerter Holzkohle. In Vallendar betrieb Jean Mariotte einen Eisenhammer. Am 29.8.1654 erneuerte der neue Trierer Kurfürst Karl Kaspar von der Leyen die Belehnung auf neue 20 Jahre. Eine weitere Belehnung erhielt der Hüttenbesitzer 1660 im Bereich der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Ein weiterer landgräflicher Lehensbrief datiert vom 22.4.1661, erneuert vom nachfolgenden Landgrafen am 5.6.1662. Soweit zum Großvater und Gründer des Familienimperiums.

Die zweite Generation bestand aus den Söhnen Walther Mariotte (-1679) und Johann (Jean) Mariotte d. J. (-1676). Ersterer war geistlich, wird Canonicus genannt. Das hinderte ihn aber nicht, im väterlichen Geschäft eine Rolle als Geschäftsführer der Werke in Montabaur einzunehmen. Letzterer errichtete eine Hütte in Weinähr in der Nähe von Kloster Arnstein, einen Eisenhammer auf nassauischem Gebiet und eine Schmelzhütte bei Bad Ems. Beide Söhne werden in den nassauischen und landgräflichen Belehnungen mit erwähnt. Die Familie errichtete ferner eine Eisenschneidemühle bei Fachbach. Vom Mainzer Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn bekamen die Mariotte (Marioth) die Erlaubnis zur Errichtung des Ahler Eisenhammers bei Oberlahnstein, damit hatte die Familie Konzessionen von einem weiteren Landesherrn erhalten. Insgesamt hatte die Familie bis zum Tod des Gründers am 13.11.1670 vierzehn Eisenhütten erbaut. Im Jahre 1671 erlaubte der Trierer Kurfürst eine weitere Eisenhütte bei Nievern auf einer Lahninsel, mit Hochofen und Hammerwerk. Weil Johann (Jean) Mariotte d. J. schon 1676 verstarb, führte Susanna Catharina Gall / de Gal die Geschäfte für ihre noch minderjährigen Söhne und vertrat deren Interessen gegen Erbansprüche von dritter Seite. Der eine Sohn wurde geistlich, der andere, und das ist der von dieser Epitaphienplatte, wurde Generalerbe des Familienvermögens. Landgraf Ernst Ludwig von Hessen erneuerte am 27.9.1688 den Erblehensbrief.

Johann Franz von Marioth war wie sein Großvater und seine Eltern Unternehmer und Inhaber mehrerer Eisenhütten. Er kaufte am 9.8.1696 den Adelssitz Langenau im Lahntal, der zuvor den Herren von Langenau, dann nach deren Aussterben ab 1613 den von Eltz-Rübenach zu Langenau und ab 1635 den Freiherren Wolff-Metternich zur Gracht gehört hatte. Langenau wiederum war ein kurkölnisches Lehen, und deshalb mußte die kurfürstlich-kölnische Verwaltung am 17.2.1698 den Besitzübergang an Marioth genehmigen. Der frischgebackene Burgbesitzer erbaute bis 1698 das barocke Herrenhaus im französischen Geschmack unter Verwendung mittelalterlicher Bauteile. Er hatte Clara Katharina Eleonora von Sohlern (17.9.1674-28.1.1704) geheiratet, und ihrer beider Ehewappen ist über der Haustür des Herrenhauses von Langenau in Sandstein gehauen. 1696 wurde Johann Franz Marioth in den freien deutschen Reichsritterstand erhoben. Da zu dem Zeitpunkt das erste Kind eine Tochter war, bemühte sich Johann Franz von Marioth darum, aus einem in männlicher Linie vererbten Lehen ein solches mit gemischtem Erbgang zu machen. Er kaufte am 13.4.1707 Metzenau hinzu. In Geisenheim kaufte er 1709 einen Freihof, der zuvor erst den Brömser von Rüdesheim und dann den von Sickingen gehört hatte. Am 8.3.1709 kaufte er in Erbach im Rheingau einen Freihof von Franz Friedrich von Sickingen, ehemals Sponheimer Besitz. Außerdem erwarb die Familie von Marioth Waldernbach bei Hadamar von den von Dalberg. Da Johann Franz von Marioth Freiherr von Langenau war, wurde er vom Erzstift Arnstein mit der Obergerichtsbarkeit in dessen Dörfern Weinähr und Winden belehnt (Inschrift: "HOCHGERICHTS / HERR ZU WINDEN VND / WEINÄHR"). Der Spanische Erbfolgekrieg brachte wegen des hohen Bedarfs an Metall für Kriegsgerät und Munition einen Aufschwung fürs Geschäft. Johann Franz von Marioth war so wohlhabend, daß der Landgraf von Hessen-Rheinfels, dessen Burg Rheinfels gerade an Hessen-Kassel verloren gegangen war, sich bei ihm Geld lieh. Als Dank ernannte er von Marioth zum Geheimrat (Inschrift: "SEINER HOCHFÜRSTLICHEN DURCHLEYCHT / HERREN LANDGRAVENS DES IÜNGEREN ZU / RHEINFELTZ GEHEIMBTER RATH"), dessen Gehalt von 500 fl. im Jahr die Ämter Hohenstein und Reichenberg aufzubringen hatten. Noch 1720 schuldete der Landgraf dem Hüttenbesitzer 30141 fl. Vermutlich wurde die Schuld nie zurückgezahlt. Im Jahre 1720 kaufte Johann Franz von Marioth das pfälzische Oberamt Mosbach im Odenwald von den Grafen von Manderscheid (Inschrift: "OBERAMBTMAN(N) DES / CHURPFÄLTZISCHEN OBERAMBTS MOSBACH / AUFM ODENWALDT").

Sein Sohn und Erbe Franz Anton von Marioth wirtschaftete den Besitz herunter. Er vernachlässigte die Hütten und Bergwerke, er fing Streit mit den hessischen Verwaltungsbeamten an, eine ganz schlechte Idee, die daraufhin zickig wurden, und er verschwendete das Familienvermögen, genau wie sein Bruder Franz Joseph Anton von Marioth. Er verzettelte sich und das Vermögen in unnötigen Rechtsstreitigkeiten. Es kam zu Verpachtung und Verkauf. Unter seinen Kindern wurde es nicht besser, die Brüder prozessierten gegeneinander, es war eine Familie im Abstieg auf ganzer Breite. 1806 kam die Herrschaft Langenau durch die Mediatisierung an das Herzogtum Nassau, und die Lehnsherrschaft von Kurköln ging auf Nassau über. Die Familie von Marioth ist mit dem Urenkel von diesem Johann Franz, mit Franz Josef Ferdinand von Marioth als letztem seines Geschlechts 1845 erloschen. 1813 war er auf Schloß Langenau noch Opfer eines Raubüberfalls geworden. Sein Wunsch nach Einziehung des Lehens und Verschaffung einer Anstellung blieb unerhört. So lebte er weiter in der von Räubern ausgeplünderten Burg als verarmter Sonderling. Nach seinem Tod wurde die Herrschaft Langenau an Henriette Luise Freiin von und zum Stein (2.8.1796-11.10.1855) verkauft, Ehefrau von Friedrich Carl Hermann Graf von Giech zu Thurnau (22.10.1791-6.7.1846). Die brachte im Schloß verwahrloste Kinder unter.

Genealogischer Überblick:

Das Wappen der von Sohlern, hier die heraldisch linke Kartusche, wird beschrieben im Siebmacher Band: Na Seite: 10 Tafel: 10. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzer Adler, Feld 2 und 3: in Rot ein silberner Löwe. Alle Tiere sind einwärts gekehrt. Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Adler, Helm 2 (links): zu rot-silbernen Decken ein silberner Löwe. Clara Katharina Eleonora von Sohlern war die Tochter des hochangesehenen kurtrierischen Hofkanzlers Anton von Sohlern und dessen Frau Margaretha Magdalena von Sinneren (von Synerine), deren Ehewappen wir am Sohlernschen Hof in Nastätten sehen können, und sie war die Schwester der Gründer der drei verschiedenen Linien der von Sohlern.

 

Abb. links: Wappenschild heraldisch rechts oben für den Vater, Johann (Jean) Mariotte d. J. (-1676), und Großvater väterlicherseits, Jean Mariotte d. Ä. (-13.11.1670). Das Wappenbild zeigt in Blau einen gekrönten goldenen Löwen. Abb. rechts: Wappen heraldisch rechts unten für die Großmutter väterlicherseits, Johanna de Tornau. Das Wappen der de Tornau ist halbgespalten und geteilt, Feld 1 ein Löwe, Feld 2 auf einem Boden ein Weinstock mit zwei sich überkreuzenden Ästen, zwei Trauben und vier Blättern, Feld 3: drei (2:1) sechszackige Sterne, ohne Literaturnachweis, Farben und Oberwappen unbekannt. Die Wappenbeschriftungen spiegeln durch die vierfache Verwendung des "de" Anciennität und adelige Verwurzelung vor, die aber so nicht realistisch ist. Der Protagonist dieser Platte war bis 1696 in Deutschland bürgerlich, und seine Vorfahren waren es auch.

 

Abb. links: Wappenschild heraldisch links oben für die Mutter Susanna Catharina Gall bzw. de Gal, und den Großvater mütterlicherseits. Das redende Wappen der belgischen Familie de Gal wird im Loutsch beschrieben: "D'azur à trois noix de galle d'or", also in Blau drei (2:1) goldene Galläpfel (Eichäpfel). Kleinod unbekannt. Diese Familie stammt ebenfalls aus Lüttich und war auch mit luxemburgischen Familien versippt. Abb. rechts: Wappen heraldisch links unten für die Großmutter mütterlicherseits (Name unbekannt). Das Wappen der de Langh zeigt eine allseits anstoßende Raute, darin eine aus der linken Ecke hervorkommender Arm, der einen Dolch pfahlweise hält, zwischen drei (2:1) sechszackigen Sternen, ohne Literaturnachweis, Farben und Oberwappen unbekannt, Hinweise willkommen.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@50.3100748,7.8509433,17z - https://www.google.de/maps/@50.3104253,7.8515956,115m/data=!3m1!1e3
Kloster Arnstein im rheinland-pfälzischen Klosterlexikon:
https://www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/obernhof-praemonstratenserabtei-arnstein/religioeses-und-spirituelles-wirken.html
P. Egon Wagner: Kloster Arnstein an der Lahn, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, 1. Auflage 2007, ISBN 978-3-7954-6644-2
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Ludwig Beck: Beiträge zur Geschichte der Eisenindustrie in Nassau, Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, 190233, S. 210-296, S. 228 ff.
https://core.ac.uk/download/pdf/14517106.pdf
Schloß Langenau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Langenau_(Rheinland)

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