Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2780
Zwiefalten (Landkreis Reutlingen)

Die ehemalige Klosteranlage Zwiefalten und das Münster Unserer Lieben Frau

Kloster Zwiefalten ist eine der imposantesten Barockanlagen Oberschwabens. Die gesamte ehemalige Klosteranlage erstreckt sich 260 m in Nord-Süd-Richtung und bis zu 280 m in West-Ost-Richtung. Davon werden aber nur noch die ehemalige Klosterkirche und der Kapitelsaal für sakrale Zwecke genutzt; der größte Teil wird als psychiatrisches Landeskrankenhaus ("Zentrum für Psychiatrie - Münsterklinik Zwiefalten") verwendet. Der Name Zwiefalten ist übrigens ein besonders malerischer, denn er bezieht sich auf die Zwiefalter Ach, den Bach, der sich in zwei Arme aufspaltet, von denen einer vor und der andere hinter dem Kloster entlangfließt. Auch in der lateinischen Klosterbezeichnung wird dem Rechnung getragen: Abbatia duplices aquae oder auch Monasterium ad duplices aquas, Abtei des zweigespaltenen Wassers, Kloster am doppelten Wasser.

Das Benediktinerkloster Zwiefalten wurde 1089 von den beiden letzten männlichen Angehörigen des Geschlechts der Grafen von Achalm gegründet, den Grafen Liutold von Achalm (-18.8.1098) und Kuno von Wülflingen (-16.10.1092), Söhne und Erben des Grafen Rudolf von Achalm aus dessen Ehe mit Adelheid von Wülflingen. Liutold hatte keine Kinder, und sein Bruder Kuno hatte keine legitimen Nachkommen. Ursprünglich war Altenburg am Neckar bei Reutlingen zur Klostergründung vorgesehen, doch dann entschied man sich für Zwiefalten. Der Grund lag wohl beim Abt von Hirsau (über seine Rolle s. u.): Der Standort lag ihm zu nahe an der Burg Achalm, und die Hirsauer Reformbewegung war ja gerade bestrebt, die Eigenklosterwirtschaft zu beenden und selbstbestimmte Klöster zu schaffen, die allein der Regel Benedikts verpflichtet waren und nicht irgendwelchen Grafen und Vögten. Die Gründer stifteten einen Großteil ihres Besitzes zur Ausstattung des neuen Klosters. Die Übergabe des Stiftungsbriefes erfolgte am 8.9.1089, am Fest Mariae Geburt. Die Erstbesiedlung des Klosters ging von dem berühmten Reformkloster Hirsau im Schwarzwald aus und bestand aus 12 Mönchen und 5 Laienbrüdern (symbolisch für die 12 Apostel und die 5 Wunden Christi); sie erfolgte am 29.9.1089. Hirsau hatte sich der cluniazensischen Mönchsreform angeschlossen, und von dort aus verbreitete sich die Reformbewegung weiter. Liutold entsagte nach dem Tod seines Bruders der Welt und ging selbst als Bruder in das von ihm gegründete Kloster. Beide wurden im Kloster Zwiefalten begraben. Die Stifter und die nächsten Erben hatten auf alle Rechte aus der Stiftung verzichtet, so daß das Kloster die gleiche Rechtsstellung genoß wie das Mutterkloster Hirsau. Die Besitzausstattung des Klosters war reich und großzügig, allerdings weit verstreut im gesamten südwestdeutschen Raum bis in die Schweiz und ins Elsaß. Erst war Zwiefalten nur ein Priorat von Hirsau, 1093 wurde es eine selbständige Abtei. Die Stifter behielten zunächst die Schirmherrschaft und die Vogtei über das Eigenkloster für sich, übertrugen es aber 1092 dem Grafen Mangold von Veringen, unter der Bedingung, daß er es in Rom dem Schutz des Papstes unterstellte und die Eigentumsrechte auf den päpstlichen Stuhl übertrug, was 1093 geschah, und Papst Urban II. bestätigte auch die Rechtsstellung des Klosters. Dabei war besonders wichtig, daß die Mönche ihren Abt selbst wählen durften, ihren Vogt selbst bestimmen durften und ihn auch bei schweren Verfehlungen absetzen konnten.

 

An diese Stiftung erinnert das Klosterwappen, in Grün zwei goldene Schrägbalken, begleitet von sieben (2:3:2) goldenen, sechszackigen Sternen. Oft hat es auch die Form mit zwei Teilungen mehr, also in Gold drei grüne Schrägbalken, diese mit insgesamt sieben (2:3:2) goldenen, sechszackigen Sternen belegt, so ist es zweimal im Innern des Münsters zu sehen. Oder man ließ unrichtigerweise die Schrägbalken gleich ganz weg wie in den obigen Abbildungen, oder die künstlerische Freiheit machte daraus ein dünnes filigranes Netz wie in der Abbildung unten. Die Grafen von Achalm sind zu früh ausgestorben (1098), um am sich entwickelnden Wappenwesen teilzuhaben. Ihnen wurde aber posthum durch das Zwiefaltener Wappen eines zuteil. Es handelt sich folglich um ein apokryphes Wappen, mit dem man Persönlichkeiten aus vorheraldischer Zeit in das heraldisch geprägte mittelalterliche kulturelle Paradigma integrierte. Das beschriebene Wappen ist erstmals im "Stuttgarter Wappenbuch" aus dem 15. Jh. überliefert und steht seitdem für die Grafen von Achalm und für das Kloster Zwiefalten.

Das Klosterwappen sehen wir an der 1749 erbauten monumentalen Kirchenfassade gleich zweimal, einmal im schmiedeeisernen Gitter des Oberlichts (Abb. unten), symmetrisch kombiniert mit einem Gegenstück mit Rosen anstelle der Sterne und einem Marien-Monogramm mit Krone, und einmal hoch oben an der Figur des Stifters Kuno (beide Abb. oben). Die großartige Barockfassade erhebt sich auf einem hohen Sockel und enthält drei Portale (siehe letzten Abschnitt). Über dem Mittelteil befindet sich ein antikisierender Giebel mit Statuenschmuck von Johann Joseph Christian. Diese Figur des Stifters Kuno wurde anläßlich einer Restaurierung ersetzt; die originale Figur steht in der westlichen Vorhalle zur Kirche.

Das Kloster legte einen Senkrechtstart hin und erlebte eine ein halbes Jahrhundert währende erste Blütezeit. Am 13.9.1109 konnte die erste Klosterkirche geweiht werden, eine dreischiffige Basilika mit Querschiff und Vierungsturm. Den Entwurf zur Kirche hat der Reformabt Wilhelm von Hirsau persönlich angefertigt. Insgesamt hatte die Anlage große Ähnlichkeiten mit derjenigen in Alpirsbach, auch ein eng mit Hirsau verbundenes Kloster. Noch unter dem ersten Abt konnte Zwiefalten seinerseits Mönche aussenden zur Gründung der Klöster Kladrau (Besiedlung (1115, 1119 und 1130) in Westböhmen und Neresheim. In dieser Zeit wurde außerdem ein Frauenkloster in Zwiefalten gegründet. Die Stiftungen der Klöster hängen eng zusammen: Graf Liutold von Achalm war seinerzeit 1075 Zeuge des Hirsauer Diploms, mit dem Kaiser Heinrich IV. dem Kloster Hirsau die freie Abtswahl und die freie Wahl des Vogtes zusicherte. Diese Rechte galten durch den Bempflinger Vertrag auch für Zwiefalten. Kunos illegitimer Sohn Dietrich oder Theoderich, aus einer Beziehung mit einer Magd auf Kyburg entsprossen, war erst Prior im Kloster Hirsau, dann wurde er ins Kloster Petershausen geschickt für eine Reform, und dort wurde er 1086 Abt. Von Petershausen wiederum besiedelten Mönche 1106 die Neugründung Neresheim. Graf Hartmann von Dillingen-Kyburg, der Stifter von Neresheim, wiederum hatte eine Tochter, und diese Adelheid von Gammertingen, eine Schwester des Konstanzer Bischofs Ulrich, stiftete 1111 das Zwiefaltener Frauenkloster und wurde dort erste Priorin und leitete es 30 Jahre lang. 1138 hatte das Frauenkloster bereits 62 Nonnen. Der erste Abt von Zwiefalten schickte 1119 weitere Mönche nach Neresheim.

Aber es gab auch Sand im Getriebe: Die beiden Stifter hatten einen weiteren Bruder, Bischof Werner von Straßburg, der wiederum Parteigänger von Kaiser Heinrich IV. war und 1077 einen Feldzug gegen das Kloster Hirsau führte; er fiel bei Pforzheim. Das bettet die Stiftung ein in den historischen Kontext des Investiturstreites zwischen Kaiser Heinrich IV. (1056-1106) und Papst Gregor VII. (1073-1085). Für irgend jemanden der beiden ergriff jeder irgendwie Partei, und manchmal ging der Riß auch mitten durch die Familien, so auch bei den Grafen von Achalm. Auf Heinrichs Seite standen Bischof Werner und sein Bruder Egino, auf des Papstes Seite standen die Brüder Kuno und Luitold. Erste fanden sich im Kirchenbann wieder, letztere stifteten auf den Rat des Bischofs Adalbert von Würzburg hin das Kloster, damit der Besitz nicht wegen ihrer Kinderlosigkeit an den politischen Gegner fiel.

Zwiefalten entwickelte sich zu einem wichtigen kulturellen und religiösen Zentrum der Region mit eigener Schreibschule. Der Konvent florierte personell und materiell durch Eintritt zahlreicher schwäbischer Adelssprößlinge. 1139 zählte man im Kloster 70 Mönche und 130 Laienbrüder. Das Frauenkloster wird letztmalig 1358 erwähnt und scheint dann aufgegeben worden zu sein; die letzten Nonnen siedelten nach Mariaberg über. Auch über Mariaberg hatte Zwiefalten die Aufsicht. Schenkungen und Zukäufe vergrößerten den Territorialbesitz des Klosters: Mariaberg, Mochental, Oberstetten u. v. a. m. arrondierten den Territorialbesitz mit Schwerpunkt im heutigen Landkreis Reutlingen. Weiterer Klosterbesitz waren die Orte Aichstetten, Aichelau, Attenhöfen, Baach, Bächingen, Daugendorf, Dürrenwaldstetten, Ehrenfels, Eislingen, Emeringen, Ennabeuren, Gauingen, Geisingen, Gossenzugen, Großengstingen, Harthausen bei Feldhausen, Hochberg, Huldstetten, Kettenacker, Lauterach, Möhringen, Mörsingen, Münchingen, Neuhausen an der Erm, Oberstetten, Offingen, Ödenwaldstettens, Pfronstetten, Tigerfeld, Uhlbach, Unlingen, Untertürkheim, Upflamör, Wilsingen, Ober- und Unterwilzingen und Zell. In der Schweiz hatte man Besitz in Dietikon, Maienfeld und Buch am Irchel. Im Elsaß hatte man Besitz in Ebersheim. Pfleghöfe zur Verwaltung entstanden in Reutlingen, Riedlingen und Munderkingen.

Zwiefalten blieb in kirchlicher Hinsicht immer dem Bistum Konstanz eingegliedert, und die Äbte wurden stets vom Konstanzer Fürstbischof geweiht, ebenso die Kirchen. Seit 1459 und dem Abt Johannes III. sind die Äbte von Zwiefalten infuliert, erhielten also die Pontifikalien. Die Schirmvogtei lag 1303-1491 bei den Habsburgern, danach bei den Württembergern. Das Verhältnis zu Württemberg wurde in der Reformationszeit schwierig. 1525 wurde das Kloster vom protestantischen Herzog geplündert. Es bliebt eine Besonderheit, weil es das einzige Kloster in der württembergischen Machtsphäre ist, welches die Reformation überlebte und nicht wie die 14 anderen Männerklöster nach 1534 aufgelöst wurde. Dazu trug der Speyerer Vertrag 1570 bei, in dem Zwiefalten eine selbständige Herrschaft garantiert wurde, während es akzeptierte, daß die Hochgerichtsbarkeit bei Württemberg lag. Tatsache ist aber, daß das Kloster nur dank der Rückendeckung durch Habsburg überleben konnte. Hilfreich war die Rechtslage der Vogtei über das Kloster: Habsburg hatte die Vogtei 1365 den Württembergern als Lehen überlassen, was gegen die vertragliche Vereinbarung von 1303 und damit illegal war. Erst 1491 wurden die Verhältnisse zugunsten Württembergs geklärt. Andererseits behielt Habsburg de jure die Vogtei, Zwiefalten war seit 1422 in der Reichsmatrikel und nicht landsässig in Württemberg. Deshalb war es Württemberg nicht möglich, Zwiefalten so einfach zu "schlucken" wie die anderen Klöster. 1632 nutzte Württemberg die Umstände des Dreißigjährigen Krieges, um das Kloster zu besetzen, denn das Herzogtum hatte Zwiefalten vom schwedischen König Gustav II. Adolf geschenkt bekommen. Die Mönche flohen in andere Klöster im Bodenseeraum. Erst nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 konnten sie zurückkehren und die Gemeinschaft neu aufbauen.

1696 konnte die Abtei ihre Vogtei für sich selbst erwerben, zunächst für 30 Jahre, dann noch einmal 1726 für weitere 40 Jahre. 1750 erreichte das Stift Zwiefalten die Reichsunmittelbarkeit, und nur diese Reichsstandschaft konnte ihre Existenz wirklich sichern. Im Gegenzug machte es ein paar kleinere territoriale Zugeständnisse an Württemberg (Abtretung der Güter im Ermstal und einiger Besitzungen auf der Alb, darunter Großengstingen und Besitz bei Ennabeuren). Die Äbte, die nun als Landesherren über ein geschlossenes Territorium mit 27 Dörfern und 4600 Untertanen herrschten, waren seit 1751 auf der Schwäbischen Prälatenbank im Reichstag vertreten. Nach der Säkularisation wurde das Kloster Zwiefalten am 9.9.1802 durch württembergische Truppen besetzt und als eines der ersten Klöster aufgelöst, bereits am 25.11.1802. Der Reichsdeputationshauptschluß konnte das Ganze nur noch mit einer nachträglichen Scheinlegitimation versehen. Der Territorialbesitz und die Gebäude fielen dadurch an Württemberg, das die Gebäude erst als Kaserne nutzte (mit Pferdestall im Refektorium) und dann hier 1812 eine Nervenheilanstalt einrichtete, die sich zuvor in Ludwigsburg befunden hatte. Bei der Auflösung lebten hier noch 51 Mönche, die von Württemberg um die Hälfte der ihnen nach Reichsdeputationshauptschluß zustehenden Pensionen betrogen wurden. Alle beweglichen Dinge von Wert wurden nach Stuttgart und Ludwigsburg geschafft. Das Münster war 1802-1814 gesperrt und wurde nur auf Druck der Bevölkerung wieder als Pfarrkirche geöffnet.

Die barocke Neubauphase wurde bereits unter Abt Christoph Rassler (reg. 1658-1675) eingeleitet, dem Präses der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation. Er war es, der 1668 den barocken Klosterumbau in Angriff nahm. Zunächst behielt man die alte Klosterkirche bei. Ausgangspunkt der Neugestaltung wurde der 1606-1608 erbaute südwestliche Eckbau, der neueste Bau des ganzen alten Klosters, und davon ausgehend wurde eine symmetrische Anlage geplant. Der barocke Ausbau verlief in mehreren Phasen mit Unterbrechungen. Die erste Bauphase fand 1668-1673 statt, damals entstanden der Westflügel und die Schule. Dann unterbrachen die Kriege des französischen Sonnenkönigs mit ihren Truppendurchzügen und Einquartierungen das Baugeschehen. In einer zweiten Bauphase entstand 1684-1686 der Ostflügel. Auch an der nächsten Unterbrechung ist Ludwig XIV. mit seinen Kriegen schuld, dessen Truppen bei dieser Gelegenheit 1692 das Mutterkloster Hirsau zerstörten. Die dritte Bauphase lieferte den Südflügel und den Zwischentrakt 1693-1700. Dann kam der Spanische Erbfolgekrieg. Und erst in einer vierten und letzten Bauphase entstand das neue Münster mit seiner Rokoko-Ausstattung und ersetzte die bis dahin immer noch in Benutzung gebliebene alte Klosterkirche.

Den Kern der Anlage bildet erst die alte, dann die erst 1739-1753 von Johann Michael Fischer aus München und Michael Feichtmayr erneuerte Klosterkirche, das Münster Zwiefalten, heute katholische Pfarrkirche Maria Geburt. Die gigantischen Ausmaße sind einer Kathedrale würdig: Die Gesamtlänge der Kirche beträgt 99 m. Das Langhaus als Gemeinderaum mißt 30 m in der Länge und 27 m in der Breite. Hinter der annähernd quadratischen Vierung folgt ein 30 m langer, aber nur 14 m breiter Chor, der sich in den Mönchschor und den Hochaltarraum gliedert. Die Vierungskuppel ist eine Pendentifkuppel von 17 m Spannweite und 28 m Höhe. Der Chorabschluß im Osten ist flach. Im Langhaus gibt es auf jeder Längsseite vier Seitenkapellen mit Emporengeschoß darüber. Die Westfassade ist 45 m hoch, die Türme erreichen 94 m Höhe und sind kupferbeschlagenen Kuppel- und Laternenabschlüssen versehen. Allein die beiden Kreuze auf den Türmen sind 6,58 m hoch, die Knöpfe haben 1,70 m lichte Weite.

Die Kirchenfassade ist asymmetrisch integriert in den von Tommaso Comacio (um 1625-1678) aus Roveredo in Misox (Graubünden) erbauten, 126 m langen und dreigeschossigen Westflügel, der die ganze Längsseite des rechteckigen Vorplatzes einnimmt und an den Enden mit zwei kurzen giebelständigen Querflügeln nach Westen vorspringt. Bauherr war Abt Christoph Rassler. In diesem Westflügel befindet sich die 1668-1673 erbaute Prälatur. Der zeitlich gleiche nördliche Eckbau enthält die Großkellerei. Der südliche Eckbau ist der Gastbau; er wurde im Kern schon 1606-1608 errichtet und dann 1668-1673 baulich dem neuen Gesamtkonzept angeglichen. Umgekehrt wurde der nördliche Eckflügel dem bestehenden südlichen angeglichen und bekam den gleichen Spätrenaissance-Volutengiebel. Ein dritter Giebel in der Mitte des Westflügels markiert die optische Mitte der Anlage und den Haupteingang in die Stiftsbauten. Dahinter befindet sich das Haupttreppenhaus. Auch dieser Volutengiebel ist eine stilistische Angleichung an den Ausgangspunkt des Neubaus, dem südwestlichen Eckbau.

Den rechteckigen Vorplatz durchfließt von Norden nach Süden die Zwiefalter Ach in ihrem künstlich begradigten Bett, von kleinen Brücken überspannt. Parallel zum Westflügel begrenzt eine Abschlußmauer im Westen den Vorhof, in deren Mitte das 1681 von Michael Thumb (1640-1690) aus Au in Vorarlberg erbaute Peterstor steht (Abb. oben rechts im Bild), in der Mittelachse, die gerade auf den mittleren Giebel der Stiftsgebäude zuführt. Im Tor befindet sich heute ein Museum zur Klostergeschichte. Weiter im Westen gab es in genau dieser optischen Achse früher noch das Jägertor (auch: Oberes Tor), das wurde jedoch 1832 abgebrochen.

 

Die eigentlichen Stiftsgebäude gruppieren sich um zwei rechteckige Höfe südlich der Stiftskirche. Der Ostflügel wurde von Heinrich Mayer und Michael Thumb 1684-1688 erbaut und folgt dem gleichen Aufbauschema wie der Westflügel, nur in geringerer Längenausdehnung; er bringt es nur auf 82 m. Bauherr war der Abt Johann Martin Gleutz (reg. 1675-1692). Der Mittelteil ist der Gartenbau; die Mitte wird durch einen fünfachsigen Mittelrisaliten betont. Der nördliche Eckflügel direkt neben dem Chor der Kirche enthält den zweigeschossigen prächtigen Kapitelsaal im unteren Teil und darüber die Bibliothek, und der südliche Eckflügel enthält das Priorat. Der mit Stuck von Melchior Paulus (1669-1745) aus Ellwangen ausgestattete Kapitelsaal, eigentlich als 1688 geweihter Raum die Kapitelskapelle, wird seit der Säkularisation als evangelische Kirche genutzt, nur so blieb er erhalten. Der Bibliotheksraum ist hinsichtlich seiner einstigen Innenausstattung völlig zerstört; alle Bücher von Wert wurden von Württemberg abtransportiert und in andere Bestände eingegliedert. Für beide Eckbauten wurde wiederum exakt der eigentlich veraltete Standard der Volutengiebel aufgegriffen, so daß der südwestliche Eckbau nun bereits zum dritten Mal geklont wurde. Um so weit nach Osten bauen zu können, mußte der östliche Arm der Zwiefalter Ach verlegt werden. Weiter nach Osten erstreckt sich der Klosterpark mit dem Konventsgraben, dem neuen Bachbett.

Das Wappen des für diese Bauphase verantwortlichen Abtes Johann Martin Gleutz (reg. 1675-1692) finden wir über dem Mitteleingang des Westflügels, inschriftlich bezeichnet mit "IMAZ 1680" - Johannes Martin Abt von Zwiefalten 1680. Es ist gespalten, rechts das gewendete Klosterwappen, hier in der Form eines sechsmal golden-grün schräggeteilten Schildes mit sieben (2:3:2) goldenen sechszackigen Sternen in den grünen Plätzen, links in Silber auf einem grünen Dreiberg ein aufspringender roter Löwe, der in den Vorderpranken einen grünen Pfauenstoß mit goldenen Augen hält. Johann Martin Gleuz/Gluizius (1620-11.3.1692) stammte aus Riedlingen und wurde 1665 Prior. Seine Wahl zum 41. Abt erfolgte am 4.4.1675. Aus der gleichen Familie hat es vorher noch einen anderen Abt gegeben, Ulrich IV. Gleuz/Gleiz (-3.12.1658), aus Daugendorf, dieser amtierte als 39. Abt 1635-1658 und war der Vorvorgänger des hier mit seinem Wappen vertretenen Abtes. Über der runden, mit eingerollten Schnecken geschmückten Kartusche ist eine Mitra mit seitlich wegfliegenden Infuln dargestellt, schrägrechts dahinter lehnt der Abtsstab mit nach rechts abflatterndem Sudarium, das zwischen den beiden Spitzen der Mitra hindurchgezogen ist. Dieses Wappen markiert den Abschluß der ersten barocken Bauphase von Gastbau und Prälatur sowie den Beginn der zweiten mit Priorat und Kapitelsaal.

Der Südflügel der Stiftsbauten wurde von Franz Beer II. (1660-1726) aus Au in Vorarlberg 1693-1700 als letztes eingefügt, zeitgleich mit dem Zwischentrakt. Der Bauherr war nun Abt Ulrich Rothheusler (reg. 1692-1699). Als Klostermaurer war Benedikt Schneider tätig. Im Südflügel lagen das Refektorium und im Erdgeschoß die Küche; deswegen wird er auch Refektbau genannt. Der Zwischentrakt wird auch als Fraterbau bezeichnet. Die Südfront der Anlage springt leicht zurück zwischen den beiden vorgesetzten, aber parallel stehenden Eckflügeln, links der Gastbau, rechts das Priorat, und dieses architektonische Konzept erinnert an Obermarchtal, was nicht verwundert bei den gleichen Baumeistern: Tommaso Comacio, Michael Thumb und Franz Beer II. Damit war im Jahre 1700 der Klosterneubau nach 32 Jahren und zwei Kriegen vollendet und auch im letzten Trakt bezugsbereit.

Im Süden waren früher noch weitere Bauten vorgelagert, die aber alle 1877 abgebrochen wurden. In der Mittelachse stand dort das Kastnertor, durch das die Anlieferung für die Küche erfolgte. Es wurde flankiert von einem Gebäude für die Schneiderei und die Schusterei links und einem für die Apotheke rechts. Aber all das existiert nicht mehr, sondern wurde durch einen neuen zweistöckigen Flügel der Münsterklinik ersetzt, der aber in etwa dem alten Grundriß folgt. Jenseits der Straße im südlichen Klosterbereich lagen gegenüber den beschriebenen Strukturen im Westen das um 1720 errichtete und noch existierende Brauhaus, heute Gasthof Klosterbräu, hinter dem die Zwiefalter Ach quert und sich mit dem Kesselbach vereinigt, dann folgten weiter östlich Pfistermühle, Bäckerei und Fruchtkasten, 1612 erbaut und 1878 abgerissen. Im Südosten markierte das Baachertor (oder: Unteres Tor) das Ende des Klosterbezirkes. Es wurde 1826 abgerissen. In Richtung Fluß steht noch ein Wasserturm von 1668 für die Frischwasserversorgung; ein Brunnenturm in nächster Nachbarschaft wurde abgerissen. Jenseits des Tores stehen entlang der nach Südosten führenden Straße noch das 1662 erbaute Klosterwirtshaus, der heutige Gasthof "zur Post", und die 1571 anstelle einer ehemaligen Frauenklosterkirche erbaute Liebfrauenkapelle beim Friedhof. Von dem ganzen südlichen Gebäudekomplex sind also nur noch vier Gebäude vorhanden: Brauhaus, Wasserturm, Wirtshaus und Kapelle.

Auch im Norden der Klosterkirche gab es einen ausgedehnten Nebengebäude-Bereich des Klosters. Den heutigen Marktplatz umschloß die Meierei mit einem Nord-, einem Ost und einem kurzen Südflügel. Sie wurde 1708 von Franz Beer II. und Benedikt Schneider errichtet. Davon ist nur der Nordflügel erhalten; in ihm befindet sich heute das Rathaus der Stadt Zwiefalten. In Flucht der Durchfahrt des Nordflügels liegt das 1673 von Tommaso Comacio errichtete Klosterschulhaus, 14 Fensterachsen lang und drei Geschosse hoch, ein imposanter Bau, der es damals möglich machte, das Schulwesen mit den ganzen externen Schülern aus dem eigentlichen Kloster auszulagern. Im Westen liegt jenseits der Zwiefalter Ach und nördlich des Vorhofes das 1688 von Michael Thumb erbaute Amtshaus, das heute als Pfarrhaus dient. Am Fluß befindet sich die Säge- und Ölmühle. Und die 1521 erbaute Pfarrkirche wurde 1812 (in dem Jahr wurde das Münster zur Pfarrkirche) profaniert und ihres Turmes beraubt; sie beherbergt heute eine Bäckerei und das Restaurant "Zum Münsterwirt".

 

Als letztes kehren wir wieder zum Herzstück der Anlage zurück, zur Stiftskirche. Sie ist der jüngste und letzte Bau der Anlage, denn bis 1739 hatte man mit der alten Stiftskirche gelebt. Erst 1680-1689 hatte man im Süden eine Erweiterung mit sechs Kapellen und genauso vielen Altären angebaut. 1709 hatte Franz Beer II. einen Plan geliefert, um einen eventuellen Chorneubau zu diskutieren. Und noch bis 1735 glaubte man, die Situation mit Umbauten retten zu können, ehe man sich zum radikalen Neubau entschloß und einen der großartigsten Räume des oberschwäbischen Rokoko schuf. Das Umdenken fand 1738 statt, weil der Abt Augustin Stegmüller (reg. 1725-1744) einerseits sehr angetan war von der Idee eines neuen Chores mit zwei Chortürmen, andererseits alle Entwürfe durch die bestehende Dreischiffigkeit der bestehenden Bausubstanz gebunden waren, was einen wirklich großen Wurf durch ein neues Raumkonzept verhinderte. Bis 1739 mußte noch das Kapitel überzeugt werden, und dann endlich nach einem zweiten Kapitelbeschluß am 10.3.1739 konnte die Spitzhacke an der alten Basilika angesetzt werden und mit den Fundamentierungen für die neue begonnen werden. Stegmüller brachte den Neubau ins Rollen, aber er konnte ihn nicht vollenden, denn er war schon fast 72 Jahre alt, als er den ersten Beschluß zum Neubau im Kapitel durchsetzen konnte. Die erste Planung stammte von den Brüdern Joseph Benedikt Schneider (1689-1763) und Hans Martin Schneider (1692-1768). Doch als bereits die Fundamente für die Chortürme und die Langhauswände gesetzt waren, übernahm 1741 Johann Michael Fischer aus Burglengenfeld den angefangenen Bau. Der Grund für den Wechsel des Hauptarchitekten war, daß die Brüder Schneider nicht die hellsten Sterne am Firmament des Gewölbebaus waren: Sie wollten am liebsten die neue Kuppel aus Holz ausführen lassen, weil das billig, leicht und sicher war. Doch das Kapitel wollte eine Kuppel aus Stein haben, woanders ging das ja schließlich auch. Man wollte keine provinzielle Holzkuppel. Man holte den Schottenmönch Bernhard Stuart als Sachverständigen, Emmeraner Benediktiner und Salzburger Hof- und Augsburger Stadtbaumeister. Vielleicht war er es, der dem Stift Fischer empfahl, der zuvor in Ochsenhausen gezeigt hatte, was er konnte.

 

Fischer, der Baumeister von 32 Kirchen und 23 Klöstern, plante neu, größer, länger und natürlich besser. Künstlerische Großartigkeit statt Provinzialität! Zwiefalten wurde Fischers größter und bedeutendster Sakralbau, den er je baute. Der Grundtyp ist der einer einschiffigen spätbarocken Wandpfeilerkirche mit Querhaus und ebenfalls einschiffigem Chor. Das Querhaus wurde nach Osten an die Türme gerückt, und der Chor wurde nach Osten hinausgeschoben, bis die Neuplanung 25 m länger war als das ursprüngliche Konzept. Nur so und mit seinen herausragenden Fähigkeiten im Gewölbebau konnte der 80 m lange Festsaal entstehen, der heute die Einzigartigkeit der Kirche ausmacht. Die tragenden Pfeiler des Langhauses erhalten Doppelsäulen aus farbigem Stuckmarmor mit vergoldeten Basen und Kapitellen, und dazwischen schwingen die seitlichen Emporen rund in den Raum hinein, so entsteht ein Rhythmus aus Kontraktion und Expansion, eine gefaßte Bewegtheit und eine festliche Eleganz. Aus dem Vorarlberger Münsterschema ist durch die ausrundende Überformung und die dynamischen Linien des Spätbarocks etwas Neues, Einzigartiges geworden, wie ein Wellenschlag der Architektur in der rhythmischen Kurvatur der Linien. Die tragende Konstruktion, die eigentlich mächtigen Wandpfeiler, werden durch diese Konstruktion in der Wahrnehmung auf die Säulenpaare reduziert, und durch die weiße Leere der großen Kämpfer scheint die farbige Decke gleichsam über den Säulenpaaren zu schweben, was dem Raum eine großartige Leichtigkeit verleiht. Und gleichzeitig wird aus dem Langhaus eine Triumphstraße in Richtung Hochaltar. Bis 1746 wurden die wesentlichen Kompartimente eingewölbt, und 1747 begann man mit der Stukkierung durch den Wessobrunner Stukkateur Johann Michael Feichtmayr (1696-1772) und Ausmalung durch den Maler und Freskanten Franz Joseph Spiegler (1691-1757). Das große Deckenfresko im Langhaus, das sich über vier Joche erstreckt, stellt innerhalb eines Wolkenstrudels die Verehrung Mariens durch die Benediktinerheiligen dar. Im Chor fertigte der aus Riedlingen stammende Bildhauer Johann Joseph Christian (1706-1777) das Gestühl und den Orgelprospekt an, danach schuf er die Stuckplastiken im Langhaus, die Kanzel und den Ezechiel-Baldachin (der Prophet Ezechiel, über dem Gottvater im Wolkenkranz schwebt) gegenüber und entwickelte sich im Laufe der Arbeiten zu einem der besten Stuckplastiker Süddeutschlands. Malerei und Plastik verbünden sich in Zwiefalten auf grandiose Weise in ihrem Bestreben, die Tektonik des Raumes vergessen zu machen, und die Statuen tragen das Ihrige zum Eindruck von Schwerelosigkeit bei..

Der Bauherr in der Ausschmückungsphase ist Abt Benedikt Mauz (7.4.1690-18.7.1765, reg. 1744-1765), deshalb finden wir im Deckenstuck am westlichen Scheitel des Langhausfreskos neben dem Klosterwappen mit den Schrägbalken und den Sternen auch sein Wappen wieder, in Blau ein silberner Löwe mit einer goldenen Kaufmanns-Balkenwaage in den Vorderpranken. Vermutlich wurde dieses Wappen um 1752 von Johann Georg Messmer gemalt. Wenn man genau hinschaut, erkennt man in der leichteren Waagschale ein schwarzes Buch und in der schwereren ein rot-golden brennendes rotes Herz, so als ob der Maler sagen wollte, daß die glaubende Herzensliebe zu Gott schwerer wöge als die Schriftgläubigkeit. So ganz objektiv ist der Wägevorgang jedoch nicht, wenn man die kräftig nachhelfende Tatze des Löwen betrachtet, die die Herzensschale nah unten drückt. Zwischen den beiden Kartuschen hält unten ein fliegender Putto die fast senkrecht in den Raum gedrehte Mitra. Hinter den beiden Kartuschen ragen Krummstab und Schwert empor.

Dieser Abt stammte aus Radolfzell, war seit 1701 Klosterschüler in Zwiefalten, legte 1707 Profeß ab und feierte 1714 seine Primiz. 1715-1726 war er Lehrer und Professor für Grammatik, Rhetorik und Philosophie am Lyzeum in Ehingen an der Donau und im Kloster. In Zwiefalten war er Novizenmeister, Hausexhortator, Instruktor der Laienbrüder, Custos sacrarii und Inspector infirmariae. Von 1734 bis 1742 leitete er wieder in Ehingen als Superiors die klostereigene Schule. 1742-1744 war er Statthalter des Zwiefaltener Außenpostens Neuhausen an der Erms. Am 21.4.1744 wählte ihn das Kapitel zum 46. Abt; dieses Amt übte er 1744-1765 aus. Er schaffte zwei große Leistungen, zum einen die vollständige Ablösung von Württemberg mit der 1750 erlangten Reichsunmittelbarkeit, was ihn zum ersten Reichsabt machte. Er führte deshalb als erster das Schwert zum Wappen. Benedikt Mauz war zum anderen die treibende Kraft, der Spiritus Rector für den Münsterneubau, und von ihm stammt das ikonographische Programm der Innenraumgestaltung. Eine weitere Wappendarstellung ist im Scheitel des östlichen Vierungsbogens zu finden. Er erlebte die Fertigstellung und Einweihung aber gerade nicht mehr: Die Einweihung der Kirche erfolgte 1765. Unter seinem Nachfolger, dem Abt Nikolaus II. Schmidler (reg. 1765-1787), entstanden die Altarblätter im Langhaus sowie die Fresken in den Feldern über den Seitenkapellen und den Emporen.

1750-1573 wurde die Kirche bis an die Westfassade des Westflügels verlängert, damit die Fassaden eine Flucht bilden. Was war der Grund? Bisher war die Kirche in den Westtrakt quasi integriert und quasi "blind" eingebaut. Auffällig ist die zeitliche Koinzidenz mit dem frisch erworbenen Status als Reichsabtei durch Ablösung der Vogteirechte. Es liegt nahe zu vermuten, daß man als frischgebackene Reichsabtei eine repräsentativere Kirchenfassade haben wollte und schon einmal damit begann, als sich der Erfolg in dieser Sache abzuzeichnen begann. 1749 riß man die entsprechenden Teile des Westflügels ein und legte 1750 die Fundamente für das neue Gesicht nach Westen. 1751 entstanden die Gesimse und Säulen.

Den Übergang zum Langhaus bildet die 1752 erbaute Westvorhalle, die von der Musikempore überfangen ist. Zwei Paare eingestellter Freisäulen teilen die Vorhalle in drei Schiffe und zwei Joche ein. Die dynamisch bewegte, 45 m hohe Westfassade wurde von den Brüdern Schneider und dem Bildhauers Johann Joseph Christian gestaltet. Die Spannung wird erzeugt durch einen Hauptgiebel mit konkaver Grundlinie, dem ein konvex vorschwingendes Mittelstück vorgesetzt wird. Am Mittelstück rahmt ein doppelter Dreier-Rhythmus aus je einem Pilaster und zwei Säulen die Mittelachse mit dem Hauptportal. Zwei große Figuren stehen über den Pilastern des Hauptgiebels, zwei weitere auf den beiden Teilen des gesprengten Dreiecksgiebels des vorschwingenden Mittelteils. Sie stellen die beiden je 3 m hohen Hauptpatrone Aurelius und Stephanus und die beiden Stifter dar, Liutold im Mönchsgewand und Kuno als Ritter. Über dem Portal steht der 1,70 m hohe Benedikt als Ordensgründer, flankiert von zwei Putten und ganz außen, noch tiefer, von zwei Vasen. In der Nische des Hauptgiebels ist noch eine 5,40 m hohe Marienfigur zu sehen. Allein deren Dimension veranschaulicht die Monumentalität dieser Fassade. Die große Inschrift hat den Wortlaut: "D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) / MARIAE / VIRGINI DEIPARAE / DIVISQUE / TUTELARIBUS / ZWIFULDA SERVATA / D(EDIT) D(ONAVIT) D(EDICAVIT)" und widmet damit das Gebäude dem besten und größten Gott und der gottesgebärenden Jungfrau Maria und den Schutzheiligen. Eine weitere Inschrift datiert die Fassade auf "MDCC / LIII", 1753. Die Monumentalität der Fassade wird einem erst richtig bewußt, wenn man bemerkt, daß der Sockel erst am Oberlicht der Seitenportale und am Sturz des Hauptportals endet. Was an der Fassade jedoch völlig fehlt, ist ein stolzes Wappen des Reichsklosters.

1906/1907 wurde das Naturstein-Mauerwerk der Kirchen-Westfassade freigelegt. 1964 wurde der Platz vor der Westfassade modern gestaltet. 1969/1976 wurden mehrere Statuen der Westfassade durch den Tübinger Künstler Gerhard Halbritter erneuert. Die gesamte Kirche wurde 1975-1984 unter Leitung des Staatlichen Hochbauamtes Reutlingen innen und außen komplett renoviert, die erste Renovierung nach ihrer Errichtung.

Liste der Äbte (Auszug, vom Ende des 14. Jh. bis zur Auflösung)
Äbte mit Amtszeiten, Äbte mit hier gezeigtem Wappen, Lebensdaten, Blasonierung des persönlichen Wappens und Wappen-Fundstellen. Nur wenige Äbte entstammen regionalen Adelsgeschlechtern und tragen echte Familienwappen ihres Geschlechts, so wie die Äbte aus den Familien von Ehrenfels oder von Stein. Die Mehrzahl der Äbte jedoch entstammt dem bürgerlichen städtischen oder ländlichen Milieu und nicht dem Adel, und deshalb konnte nicht auf ein echtes Familienwappen zurückgegriffen werden. Die gewählten persönlichen Wappen sind aus heraldischer Sicht keine große Kunst, sondern eher schlichte, bisweilen sogar seltsame inhaltliche und graphische Konzepte, die angesichts der klaren Form und Gestaltung adeliger Wappen als persönliche heraldische Zeichen befremden. Ferner sind die Abtswappen schlecht hinsichtlich der korrekten Tinkturen und sehr schlecht hinsichtlich möglicher Oberwappen dokumentiert, sofern diese überhaupt angelegt waren. Oft findet man redende Wappen, in denen der Familienname des Abtes bildlich umgesetzt wird, so wie bei Fischer, Sommerberger, Stegmüller, Rothheusler, Weinemer etc.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@48.2319089,9.4610991,18.5z - https://www.google.de/maps/@48.232132,9.4614144,208m/data=!3m1!1e3
Hubert Hosch: Süddeutscher Barock, Rokoko und Klassizismus in Vergangenheit und Gegenwart - Zwiefalten
https://www.freieskunstforum.de/hosch_2012_barock_rokoko_klassizismus_2_zwiefalten.pdf
Zwiefalten auf Leo-BW:
https://www.leo-bw.de/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/16028/Zwiefalten+-+Altgemeinde~Teilort - https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/16017/Zwiefalten
Kloster Zwiefalten auf Leo-BW:
https://www.leo-bw.de/detail-gis/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_kloester/534/Benediktinerabtei+Zwiefalten
Kloster Zwiefalten auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Zwiefalten
Kloster Zwiefalten im Klosterlexikon Baden-Württembergs, Artikel von Hermann Josef Pretsch:
https://www.kloester-bw.de/klostertexte.php?kreis=&bistum=&alle=&ungeteilt=&art=&orden=&orte=&buchstabe=&nr=534&thema=Geschichte
Dreidimensionales Modell des Klosters:
https://sketchfab.com/3d-models/kloster-zwiefalten-4951fb69951b447998dd4eafb840c281
Hubert Hosch: Teil 1: Äbtebildnisse von Zwiefalten im Kontext der Selbstdarstellung in schwäbischen Klöstern:
https://www.freieskunstforum.de/hosch_2017_aebtegalerie_1.pdf
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Hubert Hosch für wertvolle Hinweise und Photos aus der Äbtegalerie.
Karl Holzherr: Geschichte der ehemaligen Benediktiner- und Reichs-Abtei Zwiefalten in Oberschwaben, Kohlhammer, Stuttgart, 1887
Hermann Josef Pretsch: Benediktinerabtei Zwiefalten - Geschichte, in: Klöster in Baden-Württemberg
https://www.kloester-bw.de/klostertexte.php?kreis=&bistum=&alle=&ungeteilt=&art=&orden=&orte=&buchstabe=&nr=534&thema=Geschichte
Pius Bieri: Klosteranlage Zwiefalten, im Projekt Süddeutscher Barock:
https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/s-z/Zwiefalten1.html
Pius Bieri: Ehemalige Stiftskirche und Münster Unserer Lieben Frau in Zwiefalten, im Projekt Süddeutscher Barock:
https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Werke/s-z/Zwiefalten2.html
Pius Bieri: Christoph Rassler (1615-1675)
https://www.sueddeutscher-barock.ch/PDF_Bio_BH/Zwiefalten_Rassler.pdf
Christoph Rassler auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Raßler
Pius Bieri: Abt OSB Johann Martin Gleutz (1620-1692) von Zwiefalten
https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/s-z/Zwiefalten_Gleutz.html
Pius Bieri: Abt OSB Ulrich V. Rothheusler (1653-1699) von Zwiefalten
https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/s-z/Zwiefalten_Rothaeusler.html
Pius Bieri: Wolfgang Schmid (1655-1715)
https://www.sueddeutscher-barock.ch/PDF_Bio_BH/Zwiefalten_Schmid.pdf
Pius Bieri: Abt OSB Augustin Stegmüller (1666-1744) von Zwiefalten
https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/s-z/Zwiefalten_Stegmueller.html
Pius Bieri: Reichsabt OSB Benedikt Mauz (1690-1765) von Zwiefalten
https://www.sueddeutscher-barock.ch/In-Bauherr/s-z/Zwiefalten_Mauz.html
Gregor Weinemer, in: Biographia Benedictina (Benedictine Biography),
http://www.benediktinerlexikon.de/wiki/Weinemer,_Gregor
Kloster Zwiefalten, hrsg. von der Vereinigung von Freunden der Geschichte Zwiefaltens, seines Münsters und Klosters e. V., Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm, 1986, ISBN: 3-88294-090-5
Gebhard Spahr: Oberschwäbische Barockstraße I, Ulm bis Tettnang, Geschichte, Kultur, Kunst, Verlag Isa Beerbaum, Weingarten, 2. Auflage 1979, S. 62-77
Sylvelyn Hähner-Rombach: Pflicht, die zweckmäßige Behandlung der Gemüths- und Geisteskranken wahrzunehmen... der Ausbau des Medizinalwesens nach 1803 am Beispiel des Klosters Zwiefalten, in:
Volker Himmelein (Hrsg.), Hans U. Rudolf (Hrsg.): Alte Klöster, neue Herren - die Säkularisation im deutschen Südwesten 1803, 2 Bde. in 3 Teilbdn., 2000 S., Jan Thorbecke Verlag, 1. Auflage 2003, ISBN-10: 3799502130, ISBN-13: 978-3799502139, S. 1145-1158
Hermann Josef Pretsch: Klösterliche Dorfschulen - Kirche und Gesellschaft, das Beispiel des Reichsstifts Zwiefalten, in:
Volker Himmelein (Hrsg.), Hans U. Rudolf (Hrsg.): Alte Klöster, neue Herren - die Säkularisation im deutschen Südwesten 1803, 2 Bde. in 3 Teilbdn., 2000 S., Jan Thorbecke Verlag, 1. Auflage 2003, ISBN-10: 3799502130, ISBN-13: 978-3799502139, S. S. 317-324
Karl-Heinz Schömig: Münster Zwiefalten, hrsg. vom Münsterpfarramt Zwiefalten, 31 S.

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