Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2790
Sigmaringen (Landkreis Sigmaringen)

Das ehemalige "Museum"

Am südlichen Donauufer liegt östlich der Altstadt jenseits der Bahnlinie und etwas abseits von den fürstlichen Repräsentationsbauten an der Karlstraße das Sparkassen-Dienstleistungszentrum Hofgarten (Fürst-Wilhelm-Straße 12). In dem Gebäude befindet sich die LBS; seitlich sind an ein historisches Kerngebäude zwei moderne Erweiterungsflügel angebaut, die eine Art modernen Ehrenhof mit geometrisch angelegten Rasenflächen bilden. In seiner gegenwärtigen Form wurde das Ensemble 1997 eröffnet. Bei diesem historischen Gebäude, das den heutigen Mittelbau bildet, handelte es sich ursprünglich um das Museum, das Fürst Leopold von Hohenzollern 1890 in neobarockem Stil erbauen ließ. Zu der damaligen Zeit war die Sigmaringer Museumsgesellschaft eine gesellschaftliche Institution, die die Honoratioren der Stadt als eine Art Club zusammenbrachte. Ursprünglich war das eine Lesegesellschaft des Bildungsbürgertums, die aber auch ein reges geselliges Leben organisierte. Diese Gesellschaft hatte bis 1935 ihren Sitz in dem Museum, mit einem prächtigen Fest- und Ballsaal im ersten Obergeschoß, mit einem Tennisplatz vor dem Gebäude, und Gesellschaftsräumen im Erdgeschoß, sogar mit einer Schänke und einer Kegelbahn. Hier traf sich, wer Geld, Rang und Namen in der Stadt hatte, und pflegte vor dem Hintergrund des kulturellen Interesses eine fröhliche gesellschaftliche Freizeitgestaltung.

Vier Kolossalpilaster teilen die Fassade in drei gleichbreite Abschnitte ein, zu je zwei Achsen. Die Fenster im mit Fugenrustika versehenen Erdgeschoß sind schlicht und rechteckig, die im hohen Obergeschoß aufwändig mit geschwungenen Verdachungen. Der mittlere Abschnitt ist anders gestaltet, hier ist das Hauptgesims durchbrochen, um einem unten offenen Segmentbogengiebel darüber Raum zu geben. Im Obergeschoß gibt es nur ein einziges Fenster in der Mittellinie, mit Balkon, eingebettet in ein der Wand vorgelegtes Palladio-Motiv. Dessen Horizontalen setzen sich auf den beiden Seitenteilen fort, eine kleine Attika nach oben abtrennend. Auf der rechten Seite gibt es einen Anbau von einer Fensterachse Breite. An den fürstlichen Bauherrn erinnert das Wappen in der Mittellinie unter dem Giebelbogen, eine ovale Kartusche mit der silbern-schwarzen Hohenzollern-Vierung, oben mit Rangkrone. Darunter sind in einem Schmuckprofilrahmen zwei verschlungene Initialen angebracht, L und A. Das L steht für Leopold Stefan Karl Anton Gustav Eduard Tassilo von Hohenzollern (22.9.1835-8.6.1905), der 1885-1905 Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen war. Das A steht für seine Frau, Antonia Maria von Portugal (1845-1913). In der kath. Pfarrkirche St. Johann befindet sich ein Wappenpaar für die beiden in einer Fensterscheibe, im dortigen Kapitel mehr dazu.

Am 11.10.1944 nahm die in Sigmaringen untergebrachte Vichy-Regierung das nicht mehr von der Museumsgesellschaft genutzte Gebäude als Unterkunft der der französischen Miliz in Anspruch, die den Wachdienst im Bereich des Schlosses übernahm. Die Museumsgaststätte "Zum Schatten" existierte bis 1948. Danach gab es hier ab 1952 eine Spitzenfabrik, dann stieg das Gebäude ganz ab und wurde ab 1970 Tanzbar. Nach wie vor war das Fürstenhaus Eigentümer der Immobilie. Erst 1994 entsann man sich der historischen Bausubstanz und beschloß, mehr daraus zu machen. Eine Renovierung gab dem Bau den alten Glanz zurück und stellte auch den Festsaal wieder her, und mit den Flügelbauten als Erweiterung und einem neuen Nutzungskonzept als Dienstleistungszentrum der Sparkassen-Finanzgruppe wurde die Immobilie wieder erheblich aufgewertet.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@48.0887278,9.2191422,19z - https://www.google.de/maps/@48.088734,9.2190349,62m/data=!3m1!1e3
Otto H. Becker, Hohenzollerischer Geschichtsverein e. V.: Das frühere Museum, heute 'Dienstleistungszentrum Hofgarten' (Miliz)(Fürst-Wilhelm-Straße 12)
https://www.erinnerungsort-sigmaringen.de/parcours/23-museum/37-das-frühere-museum,-heute-dienstleistungszentrum-hofgarten-miliz-fürst-wilhelm-straße-12
Fürst Leopold von Hohenzollern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_von_Hohenzollern
Antonia Maria von Portugal:
https://de.wikipedia.org/wiki/Antonia_Maria_von_Braganza
Andreas Zekorn: Die Museumsgesellschaft und der Bürgerverein in Sigmaringen: die Entwicklung zweier Lesegesellschaften im 19. Jh., in: Zeitschrift für hohenzollerische Geschichte, 23., 1987, S. 53-146

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright bzw. Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2021
Impressum