Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2866
Kyllburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm)

Epitaphien in der Stiftskirche Kyllburg

In der Stiftskirche Kyllburg ist das schönste und heraldisch interessanteste Grabdenkmal das Epitaph für Johann von Schönenberg (-1540), Herr zu Hartelstein und Ulmen. Zunächst einmal verwundert es, hier eine Familie anzutreffen, die eher im Hunsrück beheimatet ist (Schönenberg vor dem Saane = Soonwald) und bis dahin gar keine Wurzeln in der Eifel hatte. Das kam durch eine Erbheirat: Godhard von Wiltz, Herr zu Hartelstein, war vermählt mit Johanna von Elter (d'Autel). Ihre Tochter Eva, die Erbin von Wiltz-Hartelstein, heiratete Johann von der Leyen aus einer an der Untermosel beheimateten Familie. Diese hatten zwei Kinder, Wilhelm von der Leyen, der 1516 unverheiratet verstarb, und dessen ältere Schwester Elisabeth von der Leyen. Beim Tod ihrer Eltern waren beide noch minderjährig. Der Vormund war der Onkel mütterlicherseits, Georg/Jorge/ Jörg von der Leyen. Elisabeth von der Leyen wurde 1480 mit Philipp von Schönenberg (-1509) verheiratet (Ehevertrag am Freitag nach Pauli Bekehrung 1479 more Treverensis = 28.1.1480), und mit dieser Ehe begann eine ca. 130 Jahre dauernde Präsenz der Familie von Schönenberg in der Region und mit besonderem Bezug zum Marien-Stift Kyllburg. Zunächst wurde im Ehevertrag festgelegt, daß Elisabeth (Lyse) die Hälfte von Schloß Hartelstein als Mitgift bekommt, die andere Hälfte Wilhelm, leztere aber von Philipp von Schönenberg bis zu Wilhelms Mündigkeit verwaltet wird. Elisabeth (Lyse) sollte die Hälfte von Schloß Schönenberg vor dem Saane als Wittum bekommen. Wilhelm und Elisabeth sollten sich gegenseitig beerben, sollte einer kinderlos bleiben. Elisabeth starb schon 1511, ihr Bruder Wilhelm 1516. Deshalb verglichen sich im gleichen Jahr seine vier Neffen, die Brüder Johann und Dietrich von Schönenberg zu Hartelstein mit den Brüdern Johann und Bartholomäus von der Leyen zu Olbrück, wegen des Erbes, wobei Wilhelms Anteile an die von Schönenberg fielen. Elisabeth und ihre Söhne stifteten am 18.11.1511 im St. Marien-Stift zu Kyllburg zwei Jahrgedächtnisse mit Messen und Vigilien etc. für ihre Familie, und das Stift stellte im Gegenzug eine Verpflichtungsurkunde zum Begräbnisrecht und den Anniversarien aus. Das war die Grundlage der Familiengrablege im Stift, auch wenn sich von Elisabeth kein Grabdenkmal erhalten hat, sondern nur für ihren Sohn Johann.

 

Dieses im Stil der Renaissance gestaltete Grabmal mit sehr feinen und eleganten Details befindet sich neben dem in die nördliche Chorwand eingefügten Sakramentshaus links im Chor der Stiftskirche. Johann von Schönenberg (-1540) wird in ritterlicher Prunkrüstung auf einer Bank kniend dargestellt, wie er sich mit gefalteten Händen in ewiger Anbetung dem Allerheiligsten zuwendet, denn in die Komposition ist die Existenz des älteren Sakramentshauses einbezogen. Den Helm hat Johann neben seinen Füßen abgelegt. In der Gestaltung des Kopfes ist das Bemühen um Portraitähnlichkeit erkennbar. Ganz oben trägt eine wie eine Pergamentrolle gestaltete Schrifttafel folgenden Wortlaut in vier Zeilen: "ANNO 1540 DEN 17. SEPTEMBRIS IST VERSTORBEN DER / EDEL VND E(H)RENVEST IOHAN(N) VON SCHONENBVRGH / HER(R) ZV HARTELSTEIN VND VLM(EN) DEM GOT(T) GNA(E)DICH / VND BARMHERTZIG SEIN WVL(LE) IN EWIGHEIT AMEN".

Auf dem Kniebänkchen ist ein wie ein Roßstirnschild gestalteter Schild mit dem Wappenbild der von Schönenberg angebracht, in Schwarz drei (2:1) silberne Tatzenkreuze. Die gewählte Schildform greift ein in der italienischen Heraldik übliches Motiv auf, das genauso wie italienische Ornamentik in der Renaissance auch nördlich der Alpen gerne kopiert wurde. An den Seiten befinden sich insgesamt acht Wappen, alle als Vollwappen ausgebildet und auf kleinen, kunstvoll geschlungenen Schriftbändern namentlich zugeordnet. Die vier auf der heraldisch rechten Seite sind die Ahnen von Johann von Schönenberg, die vier auf der anderen Seite diejenigen seiner Frau, denn er hatte Elisabeth Weyer von Nickenich geheiratet. Im einzelnen sehen wir auf der Schwertseite des Epitaphs von oben nach unten folgende Wappen:

 
 

Auf der Spindelseite des Epitaphs sehen wir von oben nach unten folgende Wappen für die Vorfahren der Ehefrau:

 
 

Eine identische Ahnenprobe ist am Ladenburger Bischofshof zu finden für einen Sohn des Paares, den Wormser Fürstbischof Georg von Schönenberg: Von der inhaltlich dem Gesagten entsprechenden, teilweise farbig falsch gefaßten Ahnenprobe sind aber nur sechs Vollwappen erhalten; die beiden obersten sind verloren gegangen. Eine ebenfalls identische, aber auf die vier wichtigsten Wappen reduzierte Ahnenprobe ist am Duisburger Hof im Ruwertal in der Nähe von Trier zu finden für einen anderen Sohn des Paares, Hugo von Schönenberg, nebst einem Ehewappen für einen dritten Sohn Joachim von Schönenberg und dessen Ehefrau Clara von Braunsberg. Und natürlich findet man die gleichen Ahnen auch am Epitaph für den vierten Sohn im Trierer Dom, den Trierer Fürstbischof Johann von Schönenberg.

Würde man die hiesige Ahnenprobe noch um eine weitere Generation ergänzen, kämen auf Johanns Seite die Wappen Stumpf von Simmern, von Eltz, Gulpen von Heddesheim und von Elter/d'Autel hinzu, und auf der Seite der Ehefrau wären zu ergänzen die Wappen der Familien von Pyrmont (nicht die Grafen, sondern die Eifeler Familie!), von Malberg, Faust von Stromberg und von Brandenburg (nicht die Markgrafen, sondern die eifelländisch-luxemburgische Familie). Ein Kupferstich für den Wormser Fürstbischof Georg von Schönenberg aus dem Jahr 1632 zeigt sie alle.

Die Zeit der von Schönenberg in Kyllburg endete 1612 mit dem in jenem Jahr verstorbenen Hugo August von Schönenberg, Enkel des Johann von Schönenberg von diesem Epitaph. Hugo August, dessen Epitaph sich im Kreuzgang befindet, war der Sohn von Joachim von Schönenberg, Herr zu Hartelstein, trierischer Amtmann zu Schönecken, Schönberg an der Our und Hillesheim. Anna, vermutlich eine Tochter Johanns von Schönenberg, hatte Johann Valentin von Wiltberg geheiratet, und durch diese Ehe kam der Besitz der Hartelsteinschen Güter an die von Wiltberg. Die beiden hatten zwei Söhne, Joachim und Anton von Wiltberg. Die Familie erbte nicht nur die Güter, sondern auch die Schulden der Familie von Schönenberg gegenüber dem Stift. Die von Wiltberg tauschten 1708/1712 den Besitz an die von Veyder. Die Familie der von Schönenberg erlosch endgültig 1632 in einer anderen Linie mit Philipp Dietrich von Schönenberg (ein Sohn des 1617 verstorbenen Hans Reichard, dieser ein Sohn des Hans Valentin), vermählt mit Anna Elisabeth Cratz von Scharfenstein, aber kinderlos, seit 1607 Domicellar im Domkapitel von Trier. Sein Bruder Hans Philipp ist bereits 1624 verstorben.

 

Rechts neben der Kanzel steht eine Gruppe von fünf weiteren Grabdenkmälern. Diese ganz rechts aufgestellte Platte (200 cm x 84 cm) ist für den um 1370 verstorbenen Johann von Brandscheid. Die außen auf dem Rand umlaufende Inschrift beginnt auf dem oberen Rand in der Mitte und lautet: "MILES DE BRANTSCH(E)IT JO(ANNES) NOBIL(IS) HIC REQUIESCIT MORTUUS ... IN KILBURG ET OPPIDI HUIUS. SI (EI)US SPES SIBI VIDET ... QUI ... ET M DUOBIS X DAG IBI MORTEM AM(EN).". Ein Kielbogen bildet eine Nische, deren Rand mit mehreren vierblättrigen Rosetten verziert ist. Nach innen ragen seitlich zwei Blendmaßwerkspitzen hinein. Die Ritterfigur blickt den Betrachter frontal an; sie hat die Hände in etwas steifer Pose zum Gebet flach parallel vor der Brust zusammengelegt. An tief sitzendem Hüftgurt werden rechts der Dolch und links das Schwert getragen. Die Rüstung ist ein taillierter Lentner oder Lendner, körperbetont mit diagonal gesteppter Lederweste über der Panzerung. Kopf und Hals werden von einer Kettenhaube und einem oben spitzen Helm geschützt, dessen Visier am oben mittig angebrachten Scharnier hochgeklappt ist. In den beiden oberen Ecken der Rotsandsteinplatte sind zwei einwärts geneigte Wappenschilde angebracht, heraldisch rechts das Wappen der von Brandscheid (in Rot drei (2:1) silberne Doppelhaken (Wolfsangeln), vgl. Rietstap, Siebmacher Band: Lot Seite: 18 Tafel: 13, Oberwappen nach Gruber: Roter Turnierhut mit silbernem Stulp, darin zwei silberne Wolfsangeln (Doppelhaken), Helmdecken rot-silbern) und der von Ließem (drei (2:1) Löwen unbekannter Tinktur, vgl. Zobel: Liesheim, desgleichen Gruber: Liesheim mit drei gekrönten Löwen, nicht im Siebmacher, nicht im Rietstap), möglicherweise für seine Frau Gutta.

Die Familie der Herren von Brandscheid hat ihren Stammsitz ca. 8 km westlich von Prüm in der Nähe von Bleialf. Von ihrem Burghaus ist nichts mehr vorhanden. Die Familienmitglieder waren vermutlich zunächst Dienstmannen der Abtei Prüm. Später traten sie in die Dienste der Fürstbischöfe von Trier und hatten Stellungen als Burgmannen und Amtmänner. Als Amtmänner kamen sie nach Kyllburg, und auf der Burg Kyllburg dienten sie als Burgmannen und dann Burggrafen ihrem Landesherrn. Ein Johann von Brandscheid war Burgmann zu Schönecken und Amtmann zu Kyllburg. Ein Johann tritt 1361 als Stifter einer Vikarie (die erste und damit älteste) und 1363 von mehreren Jahrgedächtnissen in der Stiftskirche auf, die fortan zur Familiengrablege wurde. Welcher Johann es genau jeweils war, ist nicht eindeutig, weil mindestens drei Generationen den Vornamen Johann verwendeten. Weibliche Familienmitglieder treten als Äbtissinnen von St. Thomas auf.

   

Das ganz links innerhalb der genannten Gruppe aufgestellte Grabdenkmal (220 cm x 110 cm) ist für den 1438 verstorbenen Konrad von Brandscheid. Die Rahmung der Ritterfigur besteht aus einem auf Halbsäulen mit schlichten Kapitellen ruhenden Kielbogen mit Krabben und abschließender Kreuzblume. Seitlich akzentuieren zwei Fialen die Kanten der Platte, neben denen der außen umlaufende Inschriftenrand abgeschrägt ist. Die Ritterfigur blickt den Betrachter frontal an; sie hat die Hände zum Gebet flach parallel vor der Brust zusammengelegt. Über dem Kettenhemd trägt er ein weit geschnittenes Oberteil, darüber Kettenhaube und Helm mit hochgeklapptem Visier, ganz ähnlich der zuvor beschriebenen Figur, aber insgesamt etwas weniger steif und statisch wirkend als jene. Bewaffnet ist der Ritter mit Schwert und Dolch. Unter dem Ritter liegen zwei nach außen gewendete Löwen. Die nur an den beiden Längsseiten verlaufende Inschrift lautet: "ANNO DOMINI M CCCCXXX OCTAVO ... KILLBURG O(BIIT) MI(LES) D(IGNUS) CONRADUS D(E) BRANDSCHEIT CUIUS ANIMA REQUIESCAT IN PACE AMEN". In den beiden Bogenzwickeln sind insgesamt vier Wappenschilde angeordnet, je zwei übereinander auf beiden Seiten der Bogenspitze. Heraldisch links oben erkennt man den Schild der von Brandscheid (in Rot drei (2:1) silberne Doppelhaken (Wolfsangeln)). Darunter befindet sich der Schild der Schmeich von Lissingen (geteilt, oben golden und ledig, unten in Silber drei (2:1) rote Seeblätter. Helmzier nach Gruber: Ein rotes Seeblatt zwischen einem silbernen Flug, Decken rot-silbern). Heraldisch rechts oben befindet sich ein geteilter Schild mit zwei Pfählen oben (in den Kdm. zugeordnet als Antweiler, ohne Beleg; Zobel: geteilt, oben drei Pfähle, ohne Tinkturen, 1334, nicht im Rietstap, nicht im Gruber, nicht im Siebmacher), darunter ein Schild mit einem Balken, links oben begleitet von einem sechszackigen Stern (in den Kdm. zugeordnet als Ringsheim, ohne Beleg; Zobel: nur der Balken, ohne Tinkturen, nicht im Rietstap, nicht im Gruber, nicht im Siebmacher). Konrad war vermutlich ein Sohn von Johann von Brandscheid und Sara Schmeich von Lissingen.

 

Konrad von Brandscheid war der Letzte im Mannesstamm der Stammlinie. Neben dieser gab es noch eine Seitenlinie von Brandscheid genannt Geburgin in der Stammheimat bei Prüm, die um 1440 im Mannesstamm erloschen ist. Konrad von Brandscheid hatte zwei Töchter, Sara von Brandscheid wurde die zweite Frau von Godhard von Wiltz, und Anna von Brandscheid heiratete Johann Hurt von Schönecken, so daß das Erbe an diese beiden Familien ging. Durch die erste Ehe ging das Kollationsrecht an der Kyllburger Vikarie auf die von Wiltz zu Hartelstein über. Von den von Wiltz ging das Brandscheid-Erbe zusammen mit Hartelstein an die von der Leyen, und von denen an die von Schönenberg, dann an die von Wiltberg. Godhard von Wiltz kam über seine zweite Frau Sara von Brandscheid an das Erbe, vererbte es aber an seine Tochter Eva aus seiner ersten Ehe mit Anna von Elter/d'Autel. Eva heiratete Johann von der Leyen, und für diesen war es die zweite Ehe. Deshalb ist die Frau von Elter relevant für die Genealogie und die Ahnenprobe, die Frau von Brandscheid aber für den Erbgang hinsichtlich Kyllburg (das wird bei F.-J. Heyen nicht differenziert).

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@50.0358841,6.5883583,19.33z - https://www.google.de/maps/@50.0358841,6.5883583,161m/data=!3m1!1e3
Stiftskirche Kyllburg und Pfarrei Kyllburg:
http://stiftskirche.kyllburg.net/
Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier:
https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=44182 - https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=46019 - https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=44180
Epitaph für Johann von Schönenberg in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Epitaph_für_Johann_von_Schönenberg
Die Webseite von Christian Schmidt gibt wieder: Josef Brück, ca. 1950: Kulturgeschichtlich wertvolle Grabmale alt-eifler Adelsgeschlechter in der Kyllburger Stiftskirche:
https://schmino.de/kulturgeschichtlich-wertvolle-grabmale-alt-eifler-adelsgeschlechter-in-der-kyllburger-stiftskirche/ (leider mit ausschweifend phantasievollen Fehlinterpretationen und zahlreichen Irrtümern, allen voran der haarsträubende Unfug über den Orden vom Goldenen Vlies und über Heroldsfiguren)
Heraldische Ahnenprobe auf einem Portrait des Georg von Schönenberg:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e3/Georg_von_Schönenberg.jpg Germania Sacra, hrsg. vom Max-Planck-Institut für Geschichte, Neue Folge 48, die Bistümer der Kirchenprovinz Trier, das Erzbistum Trier 11, das St. Marien-Stift in Kyllburg, bearb. von Franz-Josef Heyen, Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN: 978-11-019472-2 (die dort angegebene Genealogie widerspricht in Bezug auf die Unterschlagung von Elter/d'Autel den heraldischen Belegen)
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus der Pfarrkirche mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Klaus Bender vom 27.7.2007
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S. - online: Wappen in Rheinland-Pfalz: http://heraldik-wiki.de/index.php?title=Kategorie:Familienwappen_in_Rheinland-Pfalz

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