Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2912
Würzburg (Unterfranken)

Dom zu Würzburg, Johann Veit von Würtzburg

An einem der südlichen Langhauspfeiler des Würzburger Doms ist mit Blick nach Süden (zum Seitenschiff hin) das bronzene Epitaph für den Würzburger Domherrn Johann Veit von Würtzburg (19.10.1674-9.5.1756) angebracht. Die Inschrift, die das große Zentralfeld vollständig einnimmt, lautet: "STA VIATOR ET LEGE / HOC IN TUMULO / REQUIESCIT / REVERENDISSIMUS AC ILLUSTRISSIMUS DOMINUS DOMINUS / JOANNES VITUS L(IBER) B(ARO) A WURTZBURG / DOMINUS IN MITTWITZ, BURGGRUB ET HAIG / ECCLESIARUM CATHEDRALIS HERBIPOLENSIS DECANUS ET IMPERIALIS BAM/BERGENSIS CAPITULARIS, ECCLESIAE EQUESTRIS COMBURGENSIS / AC INSIGNIS COLLEGIATAE AD S(ANCTUM) JOANNEM EVANGELISTAM IN NOVO / MONASTERIO WIRCEBUR(G)I PRAEPOSITUS EMINENTISSIMI ELECTORIS / MOGUNTINI ET REVERENDISSIMORUM AC CELSISSIMORUM PRINCIPUM BEMBERG/ENSIS ET HERBIPOLENSIS CONSILIARIUS INTIMUS, WIRCEBURGI / LOCUMTENENS NEC NON ALMAE UNIVERSITATIS EOO FRANCICAE / RECTOR MAGNIFICUS ETC. / QUI MUNDO NATUS 1674 DIE 29 OCTOBRIS CANONICATU CATHEDRALIS / ECCLESIAE WIRCEBURGENSIS INSIGNITUS 1688 DIE 10 FEBRUARII, CON/SILIARIIS ECCLESIASTICIS HERBIPOLI ANNUMERATUS 1705 DIE 10 DECEM/BRIS. AD REVERENDISSIMUM ECCLESIAE CATHEDRALIS WIRCEBURGENSIS / CAPITULUM ADMISSUS 1715 DIE 1. IUNII, ECCLESIAE EQUESTRIS COMBURG/ENSIS PRAEPOSITUS RENUNTIATUS 1716 DIE 9 NOVEMBRIS, AC EODEM ANNO / DIE 13 NOVEMBRIS SENATUS SUPERIORIS WIRCEBURGI PRAESES, 1719 DIE 29 NOV/EMBRIS ECCLESIAE CATHEDRALIS HERBIPOLENSIS SCHOLASTICUS, 1720 DIE 28 FEBRUARII SUP/REMUS CONCILII AULICI WIRCEBURGI MODERATOR, EODEMQUE ADHUC ANNO DIE 20 MARTII PRAEFATAE / IAM SAEPIUS ECCLESIAE CATHEDRALIS CELLARIUS SALUTATUS, DENIQUE 1720 DIE 19 APRILIS ECC/LESIAE IMPERIALIS BAMBERGAE CANONICIS ADSCRIPTUS, 1724 DIE 18 DECEMBRIS IN ECCLESIAE CATHE/DRALIS HERBIPOLE(N)SIS DECANUM ELECTUS, 1725 DIE 20 MAII ORDINE SACERDOTALI INI/TIATUS, 1726 ALMAE WIRCEBURGENSIUM UNIVERSITATIS RECTOR MAGNIFICUS / NUNCUPATUS, 1728 DIE 22 MAII IN REVERENDISSIMORUM CAPITULARIUM ECCLESIAE IMPERI(ALIS) BAMBERGENSIS NUMERUM ADSCITUS, 1729 DIE 30 AUGUSTI INSIGNIS ECCLESIAE COLLEGIATAE AD / S(SANCTUM) IOANNEM EVANGELISTAM IN NOVO MONASTERIO WIRCEBURGI CONDECORATUS PRAEPOSITURA / TANDEM SENIO MERITIS MORBIQUE DOLORIBUS GRAVIS ANNO REPARATAE SALUTIS 1756 DIE / 9 MAII CIRCA TERTIUM QUADRANTEM AD OCTAVAM MORIENTIUM SACRAMENTIS MATURE, SAEPIUS AC / SOLENNI ETIAM ECCLESIAE RITU ROBORATUS, UMBRAS TANDEM, UT SPERAMUS, FELICES ADIIT. TU IN/TERIM, PIE LECTOR, SI QUID FORTE ADHUC EX PIANDUM ESSET, QUOTIES HIC TRANSIERIS / VEL IN ARA SACRA FECERIS, BENE PRECARE DEFUNCTO, ET DIC PIE / REQUIECAT IN PACE. "

 

Hier noch einmal alle Informationen über den Lebenslauf, die sich aus der Inschrift ergeben: Der spätere Domdekan Johann Veit Freiherr von Würtzburg (19.10.1674-9.5.1756) wurde in Mitwitz geboren, wo die Familie ein Wasserschloß besaß. Weiterhin nennt die Inschrift Burggrub und Haig als Besitzungen. Am 10.2.1688 wurde er Domicellar und bekam die Präbende des verstorbenen Franz Reinhard von Elter ("CANONICATU CATHEDRALIS / ECCLESIAE WIRCEBURGENSIS INSIGNITUS 1688 DIE 10 FEBRUARII"). Er studierte in Würzburg und Salzburg. Die Diakonsweihe empfing er 1709. Am 1.6.1715 wurde er Kapitelmitglied ("AD REVERENDISSIMUM ECCLESIAE CATHEDRALIS WIRCEBURGENSIS / CAPITULUM ADMISSUS 1715 DIE 1. IUNII"), am 29.11.1719 Domscholaster ("1719 DIE 29 NOV/EMBRIS ECCLESIAE CATHEDRALIS HERBIPOLENSIS SCHOLASTICUS"), am 20.3.1720 Cellarius ("EODEMQUE ADHUC ANNO DIE 20 MARTII PRAEFATAE / IAM SAEPIUS ECCLESIAE CATHEDRALIS CELLARIUS SALUTATUS") und am 18.12.1724 Domdekan ("1724 DIE 18 DECEMBRIS IN ECCLESIAE CATHE/DRALIS HERBIPOLE(N)SIS DECANUM ELECTUS"). Erst am 20.5.1725 hat er sich zum Priester weihen lassen ("1725 DIE 20 MAII ORDINE SACERDOTALI INI/TIATUS"). Es war nicht sein einziges Eisen im Feuer: Am 19.4.1720 bekam er in Bamberg eine Präbende am Domstift ("DENIQUE 1720 DIE 19 APRILIS ECC/LESIAE IMPERIALIS BAMBERGAE CANONICIS ADSCRIPTUS"), und am 22.5.1728 ging er in Bamberg zu Kapitel ("1728 DIE 22 MAII IN REVERENDISSIMORUM CAPITULARIUM ECCLESIAE IMPERI(ALIS) BAMBERGENSIS NUMERUM ADSCITUS"). Am 9.11.1716 wurde er Propst des adeligen Ritterstifts Comburg ("ECCLESIAE EQUESTRIS COMBURG/ENSIS PRAEPOSITUS RENUNTIATUS 1716 DIE 9 NOVEMBRIS"). Und am 30.8.1729 wurde er noch Propst des Kollegiatstifts Neumünster ("1729 DIE 30 AUGUSTI INSIGNIS ECCLESIAE COLLEGIATAE AD / S(SANCTUM) IOANNEM EVANGELISTAM IN NOVO MONASTERIO WIRCEBURGI CONDECORATUS PRAEPOSITURA"). Er war außerdem kurfürstlich-mainzischer und hochfürstlich-würzburgischer und -bambergischer Geheimer Rat ("CON/SILIARIIS ECCLESIASTICIS HERBIPOLI ANNUMERATUS 1705 DIE 10 DECEM/BRIS", "EMINENTISSIMI ELECTORIS / MOGUNTINI ET REVERENDISSIMORUM AC CELSISSIMORUM PRINCIPUM BEMBERG/ENSIS ET HERBIPOLENSIS CONSILIARIUS INTIMUS"), er wurde fürstbischöflicher Statthalter ("WIRCEBURGI / LOCUMTENENS") und 1725-1729 und 1736-1745 Rector Magnificus der Universität Würzburg ("NEC NON ALMAE UNIVERSITATIS EOO FRANCICAE / RECTOR MAGNIFICUS", "1726 ALMAE WIRCEBURGENSIUM UNIVERSITATIS RECTOR MAGNIFICUS / NUNCUPATUS"), und am 28.2.1720 wurde er Regierungspräsident ("1720 DIE 28 FEBRUARII SUP/REMUS CONCILII AULICI WIRCEBURGI MODERATOR", "AC EODEM ANNO / DIE 13 NOVEMBRIS SENATUS SUPERIORIS WIRCEBURGI PRAESES"). Dieser Domherr war übrigens ein Parteigänger der Familie Schönborn. Der Rest der Inschrift ist den Todesumständen und den Segenswünschen für ihn gewidmet. Es gibt beim Geburtsdatum eine Diskrepanz zwischen dem allgemein zu findendem Datum 19.10., das auch bei Hotzelt nachzulesen ist, und dem hier angegebenen 29.10., welches die Inschrift nennt. Auch Salver nennt als Geburtsdatum den 19.10., liest die Inschrift korrekt mit dem 29.10. ab. Uns bleibt nur, die Diskrepanz zur Kenntnis zu nehmen, bis verläßliche Dokumente auftauchen. Auch im entsprechenden Band von Germania Sacra werden alternativ beide Daten angegeben, das ist wohl ungeklärt.

Das Wappen der von Würtzburg, ganz oben angebracht, zeigt in Gold das Brustbild eines bärtigen Mannes (hier linksgewendet, Courtoisie dem Hochaltar gegenüber, der rechts vom Epitaph steht), schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag, auf dem Kopf eine spitze, nach hinten umgebogene schwarze Mütze mit silbernem Aufschlag, an der Spitze ein roter sechszackiger Stern, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken aus einer Krone ein Stoß Pfauenfedern, außen je zwei besonders tingierte umgebogene Hahnenfedern oder Straußenfedern: rechts golden und schwarz, links schwarz und golden.

An den beiden Seiten des Epitaphs ist eine 8er Ahnenprobe angelegt. Alle ovalen Schildkartuschen sind mit kleinen Inschriftenbändern namentlich zugeordnet. Auf der optisch linken Seite fehlen zwei Schilde. Die Ahnenprobe (beide Abb. unten) müßte logischerweise beginnen mit dem Schild der von Würtzburg (wie oben beschrieben, fehlt hier, nur zwei Befestigungslöcher sind zu sehen), dann folgt der Schild der Groß gen. Pfersfelder (von Silber und Blau gespalten und von einem roten Balken überdeckt), der Schild der von Ebeleben (silbern-rot geteilt), dann fehlt wiederum der Schild der Groß von Trockau (wäre von Silber und Blau gespalten und von einem roten Balken überdeckt). Salver bildet die beiden fehlenden Wappenschilde noch ab.

 

Die Eltern des Domherrn waren Freiherr Hans Veit IV. von Würtzburg (21.12.1638-7.4.1703) und Maria Cordula von Redwitz-Wildenroth (-7.2.1696). Seine Großeltern waren Freiherr Hans Veit III. von Würtzburg (1609-1647) und Sophie Magdalene Groß-Pfersfelder (-23.8.1645) väterlicherseits sowie Georg Reinhard von Redwitz-Wildenroth (-1.2.1661) und Barbara Eva von Schaumberg mütterlicherseits. Die acht Urgroßeltern, für diese acht Schilde der Ahnenprobe stehen, waren Freiherr Hans Veit I. von Würtzburg (1561-4.1.1610) und Margarethe von Ebeleben (-4.2.1639), Georg Dietrich Groß-Pfersfelder und Christina Brigitta Groß von Trockau, Wilhelm von Redwitz-Wildenroth (-29.11.1629) und Dorothea Catherina von Aufseß (-20.10.1626) sowie Hans Otto von Schaumberg auf Mupperg (-1632) und Euphemia von Sparenberg (-28.5.1663).

 

Auf der anderen, optisch rechten Seite sind die Schilde vollzählig (beide Abb. oben), ganz oben beginnt die Reihe mit dem Schild der von Redwitz (in silbern-blau siebenmal geteiltem Schild ein roter Wellenschrägbalken, hier ungewohnt schräglinks), gefolgt vom Schild der von Schaumberg (geviert, Feld 1 und 4: gespalten, rechts in Gold eine schwarze Schafschere, links in Rot ein silberner Sparren, Feld 2 und 3: von Rot, Silber und Blau halbgespalten und geteilt), dann folgt der Schild der von Aufseß (in Blau ein silberner, mit einer roten Rose belegter Balken), und zuletzt schließt ganz unten der Schild der von Sparenberg (rot-silbern-schwarz zweimal geteilt) die Reihe ab.

Die gleiche Ahnenprobe, aber vollständig, kann man in Würzburg noch zweimal finden, an zwei von dem Probanden bewohnten Immobilien, einmal im Innenhof des Hofes Neulobde(n)burg im Stadtzentrum zwischen Dom und Residenz, und einmal über dem Portal des Palais Würtzburg in der Turmgasse 11. Des Domherrn Wappen ist auch am Dietricher Spital (Marktplatz 36) angebracht, dort nicht als Eigentümer, sondern in seiner Funktion als Domdekan, dort ohne Ahnenprobe und ohne Oberwappen. Die Ahnenprobe seines Epitaphs besitzt eine Teilüberschneidung mit der Grabplatte für den mit ihm verwandten Johann Joseph Heinrich Ernst von Würtzburg im Domkreuzgang.

Literatur, Links und Quellen:
Bistum Würzburg: https://www.bistum-wuerzburg.de/
St. Kilians-Dom:
https://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 659-661, auch unter https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0006/bsb00065646/images/ (Inschrift nicht präzise übertragen)
Domdekan Johann Veit Freiherr von Würtzburg im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Johann_Veit_von_Würtzburg
Alfred Wendehorst: Das Bistum Würzburg 4: Das Stift Neumünster in Würzburg, Germania Sacra Neue Folge 26, Verlag Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/New York, 1989, DOI:
https://doi.org/10.26015/adwdocs-94, ISBN: 978-3-11-087397-9, online: https://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B - https://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B/NF%2026%20Wendehorst%20Stift%20Neum%c3%bcnster%20W%c3%bcrzburg.pdf?sequence=1&isAllowed=y, S. 323 f.
Genealogie:
https://www.von-wuertzburg.de/p2.htm#i1301
Adelsfamilie von Würtzburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Würtzburg
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Dr. Wilhelm Hotzelt, Familiengeschichte der von Würtzburg, 1931, S. 520-537

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