Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2914
Würzburg (Unterfranken)

Dom zu Würzburg, Johann Philipp Ludwig Ignaz von Franckenstein

An der nördlichen Innenwand des nördlichen Seitenschiffs des Würzburger Doms ist an sehr dunkler Stelle ein Epitaph für den Würzburger Domherrn Johann Philipp Ludwig Ignatius Freiherr von Franckenstein (28.7.1700-14.4.1780) angebracht, das stilistisch vom Klassizismus geprägt ist. Der Sockel ist aus schwarzem Marmor angefertigt und trägt seitlich je zwei Kanneluren. In der Mitte wird die Inschrift, deren Inhalt stark zerstört und kaum zusammenhängend lesbar ist, von einer ovalen Laubgirlande umrahmt. Oben ist eine einzelne Zierschnecke angebracht, unten Vergänglichkeitssymbole. Diese Zierelemente sind aus cremefarbenem Marmor. Ganz anders im Gegensatz zu diesem strengen Unterbau ist der Aufsatz gestaltet: Asymmetrisch und voller Bewegung. Ein mittig gesetzter Sockel trägt die Büste des Verstorbenen aus cremefarbenem Marmor, er blickt über seine rechte Schulter nach oben zu einem geflügelten Engel, der das bärtige Antlitz eines alten Mannes hat und der mit beiden Händen ein Tuch wie eine Zudecke über die Büste zu legen im Begriffe ist. Hinter der Büste erhebt sich eine Säule aus schwarzem Marmor, die ganz oben das Wappen der Herren von Franckenstein trägt, rechts, unten und links von einer Laubgirlande mit herabhängenden Enden umgeben.

Dieses Franckenstein-Wappen ist gespalten und zweimal geteilt und trägt einen Herzschild: Feld 1 und 6: in Gold drei mit den Stielen dreipaßförmig zusammengestellte Kleeblätter oder herzförmige Blätter (von Klee, von Cleen), Feld 2 und 5: in Blau ein silberner Helm, Helmzier ein silberner Schwan mit ausgebreiteten Flügeln, die jeweils mit einer zweisprossigen schwarzen Leiter belegt sind, alternativ rote Flügel, mit zwei schwarzen Pfählen belegt, diese von zwei goldenen Balken bedeckt, manchmal wird dieses Detail auch ganz weggelassen (vermehrtes Wappen der von Sachsenhausen), Feld 3 und 4: in Gold ein roter Balken, oben von drei roten Rosen mit goldenem Butzen begleitet (von Sachsenhausen), Herzschild: in Gold ein schräglinksgestelltes rotes Axteisen mit quergestellter Stielöffnung, aber ohne Stiel (von Franckenstein).

 

Johann Philipp Ludwig Ignatius von Franckenstein (28.7.1700-14.4.1780) bekam am 22.2.1713 die Präbende des verstorbenen Johann Heribert Kämmerer von Worms gen. von Dalberg und wurde somit Domizellar. Er bekam am 6.3.1729 die niederen Weihen und am 12.3.1729 die Subdiakonsweihe. Am 1.8.1729 wurde er Mitglied des Würzburger Domkapitels. Im Jahre 1737 wurde er hochfürstlich-würzburgischer Geheimer Rat, außerdem Präsident des Polizei-Gerichts und Präsident des würzburgischen Oberen Rats. Er war seit 1752 auch Propst von Wechterswinkel, und er war Cancellarius perpetuus der Universität Würzburg. Schließlich wurde er am 13.4.1757 zum Dompropst gewählt. Auch in Bamberg besaß der Domherr seit dem 2.5.1730 eine Präbende, ging auch dort zu Kapitel und wurde dort Domcustos. Und ebenso war er hochfürstlich-bambergischer Geheimer Rat. Aufgrund einer diplomatischen Mission an den kaiserlichen Hof machte ihn der Kaiser zu seinem Geheimen Rat, die dritte dieser Würden.

Von der optisch linken Seite dieses großen Wappens ausgehend zieht sich nun eine S-förmige Girlande mit daran befestigten Ahnenwappen den schwarzen Schaft querend zur anderen Seite, um dort an einer girlandengeschmückten Urne mit einer kreisrunden Reliefdarstellung der Auferstehung aus dem Grabe zu enden. Alle sieben sichtbaren Schilde dieser Ahnenprobe sind mit zweiteiligen Schriftbändern namentlich zugeordnet. In der Kühnheit und Leichtigkeit dieser Anordnung hat diese Ahnenprobe nicht ihresgleichen im Dom. Die Abfolge der Ahnenwappen ist so gestaltet, daß zuerst alle Ahnen väterlicherseits, dann alle Ahnen mütterlicherseits kommen, bis auf den unsichtbaren letzten Schild. In klassischer Durchnummerierung der Vorfahren sind auf der Girlande von oben nach unten die Urgroßeltern in der Abfolge 1 - 3 - 5 - 7 - 2 - 4 - 6 - (8) angebracht.

 

Zum Verständnis dieser Ahnenprobe ein Blick auf die Vorfahren des Domherrn: Johann Philipp Ludwig Ignatius Freiherr von Franckenstein (28.7.1700-14.4.1780) war der Sohn von Johann Friedrich Adolf Freiherr von Franckenstein (-1702), würzburgischer Oberamtmann, und Maria Margaretha Franziska von Eyb. Seine Großeltern väterlicherseits waren Johann Friedrich Freiherr von Franckenstein (1618-1691) und Anna Margaretha Voit von Salzburg. Letztere war die zweite Ehefrau von dreien, cave, die dritte hieß wie die zweite, hatte aber andere Eltern. Die Großeltern mütterlicherseits waren Marquard Franz von Eyb und Sophia Katharina Schenk von Stauffenberg. Die vier Urgroßeltern väterlicherseits waren Johann Eustachius von Franckenstein (-1632) und Anna Margaretha Brendel von Homburg (-1651) sowie Adolf Georg Voit von Salzburg und Maria Magdalena Fuchs von Dornheim. Die vier Urgroßeltern mütterlicherseits waren Heinrich Konrad von Eyb und Martha von Sandizell sowie Hans Sigismund Schenk von Stauffenberg und Margarete Ursula Schenk von Geyern.

Entsprechend der logischen Abfolge der Ahnen nach dem Rang ihrer Bedeutung folgen von oben nach unten aufeinander die Wappenschilde der von Franckenstein (wie oben beschrieben), der Voit von Salzburg (in Silber ein schwarzer Zickzackbalken), der Brendel von Homburg (in Gold ein roter Zickzackbalken), der Fuchs von Dornheim (in Gold ein aufspringender roter Fuchs), der von Eyb (in Silber drei (2:1) rote Jakobsmuscheln bzw. Pilgermuscheln), der Schenk von Stauffenberg (in Silber ein roter Balken, oben und unten begleitet von einem blauen, rotgezungten Löwen) und der von Sandizell (in Gold ein schwarzer Kalbskopf (Büffelkopf) mit schwarzen Hörnern und roter Zunge). Der achte und letzte Schild mit dem Wappen der Schenk von Geyern (schwarz-silbern geteilt) ist durch die Urne verborgen und nicht sichtbar, denn es soll so aussehen, als würde die ganze Kette der Vorfahren sukzessive aus der Urne hervorgezogen werden, und um diesen Vorgang als solchen zu illustrieren, ist das letzte Wappen noch verborgen. Auch dieses schafft Dynamik in die Szene

Literatur, Links und Quellen:
Bistum Würzburg: https://www.bistum-wuerzburg.de/
St. Kilians-Dom:
https://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Beschreibung dieses Domherrn in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 685-686, auch unter https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0006/bsb00065646/images/
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Elke Riemann: Die Franckensteiner in Dieburg und Umgebung, S. 26 mit Genealogie
Der Domherr in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Philipp_Ludwig_Ignaz_von_Frankenstein

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