Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 3094
Parz (zu Grieskirchen, Bezirk Grieskirchen, Oberösterreich)

Landschloß Parz bei Grieskirchen

Heutiges Erscheinungsbild
Die Schlösser Parz liegen östlich des Grieskirchener Stadtzentrums an der Straße nach Kickendorf. "Die Schlösser" ist Plural, weil es sich um ein Wasserschloß und ein Landschloß handelt. Das Wasserschloß ist eine 34 m tiefe und an der Südfront 28 m breite Anlage in Insellage in einem ca. 75 m x 100 m messenden See. Der Zugang erfolgt von Süden über eine 18 m lange Brücke. Eine zweite Verbindung zum Ufer besteht auf der Westseite, wo die Außenlinie um 5 m zurückspringt. Die dortige Stahlbrücke mit neuem Zugang wurde erst 2012 gebaut. Die Gebäudetrakte gruppieren sich um einen größeren und einen kleineren Innenhof, beide sehr schmal. Die Dachform ist dadurch ein niedriges, dreiteiliges Grabendach. Die Fassaden besitzen eine feine und zurückhaltende Putzgliederung.

Südlich davon liegt das Landschloß Parz. Dieses besteht aus drei Flügeln, die das Wasserschloß und den Hof quasi zu umarmen scheinen, je einem ca. 32 m messenden, kurzen und ca. 14 m breiten Flügel im Westen und im Osten, wo sich der Zugang befindet, und einem ca. 10 m schmalen, aber ca. 92 m langen Flügel mit nicht ganz mittig gesetztem, hofseitigen Treppenturm, in dem 144 Stufen bis zum obersten Zimmer führen. Seine obersten vier Etagen bilden eine in sich geschlossene Wohneinheit, deren Etagen durch Wendeltreppen miteinander verbunden sind. Im Ostflügel liegt im Obergeschoß der prächtige Festsaal mit großen Bogenfenstern. Südlich des Landschlosses wurde ein 85 m x 38 m messender Renaissancegarten neu angelegt, der mit einer hohen Hecke zur Parzer Höhenstraße hin abschließt. Auf der Westseite des Schlosses liegt eine Parkanlage, so daß das Schloß idyllisch in gepflegte Natur eingebettet ist. Hofseitig befinden sich am West- und am Südflügel auf drei Ebenen Arkadengalerien, wobei die oberste Reihe doppelt so viele Arkaden hat wie die beiden unteren Reihen. Die Bögen werden von toskanischen Säulen getragen; die Laubengänge sind mit Kreuzgratgewölben eingewölbt. Das Landschloß Parz ist eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser Oberösterreichs, das vor allem wegen seiner Fassadenmalereien an der völlig ungegliederten Südfassade aus der Zeit um 1580 berühmt ist, die die Weltsicht eines humanistisch-protestantischen Adeligen in der Zeit der Glaubensauseinandersetzungen widerspiegeln. Allegorien der Tugenden und antike Götter sind humanistisches Programm, Bibelszenen sind protestantisches Programm. Die Südseite ist mit 21 Fensterachsen versehen, und einige der nachträglich gebrochenen Fenster kollidieren mit den Malereien. Zu den Nebengebäuden gehören ein mit Steinsäulen und schönen Gewölben ausgestatteter Pferdestall, eine historische Brauerei und der ehemalige Meierhof.

Geschichte der Schlösser Parz
Das ältere Schloß war das Parzer Wasserschloß, genauer dessen Vorgänger. Bereits in der ersten Hälfte des 14. Jh. wird Parz in Dokumenten erwähnt. Die Wasserburg entstand aber schon früher; wann sie genau errichtet wurde, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Zuerst gehörte diese Burg den von Lerbühl. Es handelte sich mehr um ein befestigtes Haus auf einer Insel im Sumpfgebiet. Die Lerbühler waren Ministerialen der Schaunberger. Dietmar von Lerbühl besaß 1331 Parz als freies Eigengut. 1337 wird die Wasserburg in Zusammenhang mit Diemut von Lerbühl erwähnt, der Gattin von Helmhard IV. Jörger (durch sie kam Tollet an die Jörger). Göschel von Lerbühl mußte 1379 Parz Herzog Albrecht III. zu Lehen auftragen. Leutold von Lerbühl, der letzte der Familie, verkaufte die Burg 1400 an Hans Oberheimer. Eigentlich hatte er sie aber vorher bereits 1393 seinem Cousin Hans Jörger für den Fall seines Ablebens vermacht, der durch diesen Verkauf betrogen wurde. Herzog Albrecht IV. belehnte dennoch Hans Oberheimer, weil er ein verläßlicher Parteigänger der Habsburger war. Außerdem war dem Herzog die aufsteigende Macht der Jörger suspekt, das wollte er nicht fördern. Hans Oberheimer stieg hingegen zum Verweser der Landeshauptmannschaft auf. Nach seinem Tod wurden seine beiden Söhne mit der Herrschaft Parz belehnt. Diese Nachkommen bauten die Wasserburg aus.

Das umfangreiche Erbe wurde nach und nach verkauft. Parz kam von Koloman II. Oberheimer zeitweise an die von Pirching (Pürching). 1514 folgte ein erneuter Besitzerwechsel: Parz wurde von Hanns von Pirching an Siegmund Ludwig von Polheim aus der Welser Linie verkauft. Damals bestand der Herrensitz immer noch nur aus der Wasserburg. Siegmund Ludwig von Polheim ließ seine in der Nähe (rund 2 km im Nordosten bei Schlüßlberg, ein Lehen des Klosters Mondsee) gelegene Feste Tegernbach, die seit 1398 in Familienbesitz war, abbrechen und aus dem gewonnenen Baumaterial ab 1515 mit der Bewilligung Kaiser Maximilians I. das Landschloß errichten, zunächst nur den Teil, der heute den Westflügel bildet. Ausschlaggebend für die Wahl war wohl die räumliche Nähe zu dem namengebenden oberösterreichischen Stammsitz der Familie. Die mit Tegernbach verbundenen Herrschaftsrechte (Gericht, Vogtei, Lehen, Fischerei, Jagd) und die Verwaltung und das Gericht des Marktes Grieskirchen wurden in das neue Schloß verlegt. Übrigens war das Landgericht Tegernbach ein Lehen der Schaunberger, das Gericht des Marktes Grieskirchen aber ein landesfürstliches Lehen. Das neue Schloß wurde sogar zu Anfang als Neu-Tegernbach bezeichnet. Erst später ging der Name der angrenzenden Ortschaft Parz auf das neue Schloß über. Der Künstler der Fresken ist nicht bekannt.

Siegmund Ludwig dachte noch nicht an ein Renaissance-Schloß, er war noch im Spätmittelter verwurzelt und baute auch so. Siegmund Ludwig wohnte auch nicht ständig hier, sondern blieb auf seinem Hauptsitz in Wels, denn er kaufte dort den anderen Linien ihre Anteile ab, brachte so das ganze Schloß in seine Hand und ließ es auch noch ausbauen. In Parz ließ er einen Pfleger die Dinge regeln. Erst der Sohn, Siegmund von Polheim, das letzte, herausragendste und strahlendste Familienmitglied aus der Welser Linie, sollte daraus ab 1572 einen baulichen Festschmaus der Renaissance machen. Unter ihm entstand die dreiflügelige und dreigeschossige Schloßanlage in ihrer heutigen Form. Als Baumeister engagierte er den oberitalienischen Meister Mert (Martin) Capran (Khäpran). Die Wasserburg bestand parallel weiter, durch eine Brücke mit dem Hof des Neubaus verbunden, der sogar mit seinen drei Flügeln auf den Altbestand ausgerichtet war. Weitere beteiligte Künstler waren Jörg Pettenkhofer aus Wels für die Malerarbeiten und die Meister Moriz Grunling und Jörg Schmidt aus Grieskirchen für die Schlosser- und Schmiedearbeiten.

Die Familie von Polheim
Ihre Wurzeln hat die Familie der von Polheim im östlichen Bayern, wo der Stammsitz westlich des Inns vermutet wird. Sie kamen an die Burg Polheim auf dem Pollhamerberg bei Grieskirchen und nannten sich daraufhin nach dieser Burg. Sie gehörten zum freien Adel, stiegen aber aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Lage zunächst in die Ministerialität des Klosters Lambach ab. Unter Ulrich II. von Polheim trat die Familie in die Dienste der Schaunberger, der neuen aufstrebenden Macht im Hausruckviertel. Ulrichs Sohn Albero III. trat schließlich in die Dienste der österreichischen Herzöge und gelangte zu Einfluß. Albero heiratete eine Tochter von Otto von Rohr und erwarb dadurch wichtigen Besitz in Wels, wo er die Stadtburg der Familie erbaute. Um 1300 konnte die Familie teils durch Kauf, teils durch günstige Heirat, umfangreichen Besitz erwerben, Steinhaus, Scharnstein, Wartenburg, Seisenburg und Rechberg bei Kremsmünster, alles in Oberösterreich gelegen, weiterhin in Niederösterreich Laxenburg und Rohr bei Baden. Bis in die Mitte des 15. Jh. war die Familie im wesentlichen mit der Akquirierung und Konsolidierung ihres Besitzes und ihrer wirtschaftlichen Grundlage beschäftigt, dann wandte sich das Interesse den Hofdiensten und Ämtern zu. Unter den Kaisern Friedrich III. und Maximilian I. wurden Familienmitglieder der von Polheim mit wichtigen Hofämtern betraut und wurden zu engen Vertrauten insbesondere von Maximilian. Zwei Familienmitglieder wurden in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen, Martin von Polheim, oberster Hofmeister von Maria von Burgund und späterer Burghauptmann von Steyr, im Jahre 1481, und sein Cousin Wolfgang von Polheim im Jahr 1501. Kurz darauf schaffte die Familie die Erhebung in den Freiherrenstand. Im Laufe des 16. Jh. kam es zu einer abermaligen Umpositionierung der Familie. Die Hinwendung zum Protestantismus brachte eine unterschwellige Distanz zu den Habsburgern mit sich. Die Nachkommen wurden zur Ausbildung nicht mehr nach Wien geschickt, sondern an auswärtige Höfe, nach Italien oder an protestantische Höfe in Deutschland, Sachsen, Thüringen. Natürlich übernahm man auch weiterhin Hofämter und Funktionen im Staat oder engagierte sich in Standesorganisationen, doch der ganz enge Schulterschluß mit dem Kaiserhaus wie unter Maximilian I. war es nicht mehr. Unter Erzherzog Ferdinand wurde es zunehmend kritisch. Der päpstliche Nuntius stufte dessen Rat und Landeshauptmann ob der Enns, Cyriak von Polheim aus der Wartenburger Linie, als gefährlich ein. Zwei Vettern kämpften sogar im Schmalkaldischen Krieg gegen den Kaiser. Die wirtschaftliche Lage war durch die zahlreichen Grundherrschaften gut genug, daß man sich diese Haltung leisten konnte. Das war der Hintergrund, vor dem die beiden Bauherren des Landschlosses Parz agierten.

Als Stammvater der für Parz relevanten Linie gilt Gottfried von Polheim (1307-1371) zu Seusenberg und Schärnstein, Herr zu Lichtenegg und Parz, vermählt mit Brigitta von Marspach. Von diesem stammt in der Enkel-Generation Sigmund Ludwig I. von Polheim ab, der 1519 zu Wels einen Erbeinigungsvertrag mit Cyriak von Polheim aus der Wartenburger Linie schloß und der 1521 Anna von Eckartsau heiratete, die Tochter von Wilhelm von Eckartsau, des Letzten dieser Familie. Durch diese Ehe kam Siegmund Ludwig I. nicht nur an die Herrschaft Bockflüss, sondern Kaiser Maximilian II. gewährte seinen fünf Söhnen am 15.12.1573 zu Wien die Erweiterung des Stammwappens um das mütterliche Wappen der von Eckartsau, wie wir es hier in Parz sehen können.

Siegmund von Polheim
Sigmund von Polheim wurde noch in Wels auf dem dortigen Schloß Polheim geboren. Seine Mutter starb, als das jüngste Kind, eben dieser Siegmund, erst 3 Jahre alt war. Die Mutter starb im Kindbett des zehnten Kindes - typisches damaliges Frauenschicksal: Gebären, bis einen der Tod im Kindbett ereilt. Und zehn Jahre danach verlor Siegmund seinen Vater, so war er mit 13 Jahren Vollwaise. Seine Verwandten und Vormünder schickten ihn erst einmal nach Nancy an den Hof der Herzöge von Lothringen. Das war nicht ganz einfach, Lothringen war ein katholischer Hof, und Siegmund war streng protestantisch erzogen. Durch die Familie der von Polheim ging der Riß der Konfessionen mitten hindurch: Sein Großonkel Wolfgang von Polheim war ein sehr enger Vertrauter des späteren Kaisers Maximilian I. und leistete diesem unschätzbare Dienste bei der Anbahnung seiner ersten beiden Ehen, bei der Ehe mit Anne de Bretagne stand er sogar als Stellvertreter Maximilians am Traualtar. Diese enge Verbindung zwischen den von Polheim und den Habsburgern machte auch möglich, daß Siegmunds Erziehung am lothringischen Hofe erfolgen konnte.

1550 kam Siegmund zurück nach Wels, und 1557 heiratete er. Seine Frau teilte mit ihm den protestantischen Glauben. Nun hatte er einen eigenen Hausstand gegründet, und die Familie brauchte eine eigene Wohnung. Sein älterer Bruder, Andreas von Polheim (15.1.1528 -21.8.1589), gab ihm Schloß Parz. Erstmals zog ein Teil der Familie hier ein. Und dieses wurde von ihm nach neuester Mode umgebaut und verschönert, und unter ihm wurde daraus ein Schloß der Renaissance.

Mit Sigmund von Polheim (28.2.1531-16.9.1598) endete diese Linie schon wieder. Er hatte zwar einen einzigen Sohn, Georg Reinprecht von Polheim (21.4.1558-12.7.1608), der 1585 Christine Strein heiratete, die Herrin von Schwartzenau. Er blieb aber ohne Nachkommen. Genau genommen war das Problem mit Georg noch ein bißchen größer, denn er litt an einer Geisteskrankheit und wurde in einem Zimmer des Parzer Schlosses unter Verschluß gehalten, damals typischer Umgang mit solchen Krankheiten mangels anderer Mittel. Woran er genau litt, ist nicht überliefert. Er erlangte nie die Herrschaft und starb im Wahnsinn.

Die Wappen am äußeren Tor
In Stein gemeißelte Wappen begegnen uns außen am Tor, das durch den kurzen straßenseitigen Flügel in den Hof führt. Dieses breit gelagerte Renaissance-Tor besitzt in der Mitte eine Rundbogendurchfahrt für Wagen (etwas asymmetrisch, weil nur rechts der unterste Stein als Prallstein ausgerundet in die Öffnung hineinragt, links offensichtlich nachträglich begradigt) und seitlich zwei symmetrisch angelegte Fußgängerpforten, letztere mit einem vergitterten rechteckigen Oberlicht. Über allen drei Durchlässen ist ein schlichtes Horizontalgesims als Abschluß gesetzt; der Versatz zum höheren Gesims in der Mitte wird durch zwei toskanische Pilaster überbrückt. Graue Wandmalereien mildern den gestuften Aufbau durch Bögen und Voluten. Über dem Mittelgesims ist ein von zwei goldenen Löwen gehaltenes rechteckiges Inschriftenfeld aufgemalt mit dem Wortlaut: "Kaiser Maximilian der Groß / hat Parz diesen Schloß / Seinen Namen verwandt / und das Schloß neu Tegernbach genannt / That das aus Verdienst gnädig / vom Polham Herrn Siegmund Ludwig / Der das Schloß zu Tegernbach / Daherbracht und abbrach / Im tausendfünfhundertfünfze(h)nten Jahr / Nachdem Gott Mensch geboren war." Dieses Inschriftenfeld, das zu einem unbekannten Zeitpunkt, aber deutlich nach 1515 eingefügt worden ist, wird seitlich von zwei weiteren Pilastern flankiert. An diesem Tor befinden sich insgesamt vier Wappen, jeweils zwei für den Ehemann und Bauherrn und jeweils zwei für dessen Ehefrau. In den beiden Zwickeln der zentralen Torduchfahrt sind es jeweils Vollwappen, auf den Scheitelsteinen der beiden Personendurchgänge sind es jeweils Rollwerkkartuschen nur mit dem Schildinhalt.

Das Wappen des Ehemannes gehört zu Siegmund Freiherr von Polheim (28.2.1531-16.9.1598) aus der Welser Linie, Herr zu Polheim, Parz und Steinhaus, Verordneter des Herrenstandes in Oberösterreich, dem Sohn von Siegmund Ludwig I. Freiherr von Polheim (1494-14.6.1544), Herr zu Polheim in Wels und Steinhaus, und Anna von Eckartsau (-7.2.1535). Seine Großeltern waren väterlicherseits Martin von Polheim (-2.6.1498) und Regina von Liechtenstein sowie mütterlicherseits Wilhelm von Eckartsau (-1507) und Rosa von Polheim (1471-1537) aus der Leibnitzschen Linie.

 

Das Stammwappen der von Polheim, hier komplett gewendet, ist silbern-rot siebenmal schräggeteilt (meistens schrägrechtsgeteilt, kommt aber auch in Gegenrichtung vor), auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein Flug, beiderseits silbern-rot mehrfach schräggeteilt, rechts schräglinks, links schrägrechts (die Darstellung ist großen Variationen unterworfen, sowohl hinsichtlich Anzahl der Schrägteilungen als auch hinsichtlich ihrer Richtung).

Das Wappen der Ehefrau gehört zu Potentiana von Hohenfeld (1537-18.10.1582), der Tochter von Achaz von Hohenfeld (1491-1545) und Esther von Albertsham (1517-1557). Die Großeltern waren väterlicherseits Leonhard von Hohenfeld und Petronella von Purgstall sowie mütterlicherseits Wolfgang von Albertsham und Dorothea Schifer. Potentiana und Siegmund hatten am 30.5.1557 in Wels geheiratet. Das Paar hatte acht Kinder, einen Sohn, Georg Reinprecht von Polheim (21.4.1558-12.7.1608), und sieben Töchter. Der Sohn heiratete 1585 Christine Strein von Schwartzenau, hatte aber keine Nachkommen.

 

Das Wappen der seit 1484 im Herrenstand befindlichen, seit 1652 freiherrlichen, seit 1669 bzw. 1714 gräflichen Familie von Hohenfeld ist geviert: Feld 1 und 4: in Schwarz zwei mit dem Rücken zueinander und mit den Mundstücken nach oben gekehrte silberne, golden beschlagene Jagdhörner (Hifthörner, Trinkhörner) mit roten Bändern (Wappen der abgestorbenen von Symanning), Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Balken, belegt mit einer roten Rose (Stammwappen der von Hohenfeld). Zu diesem Wappen werden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): zwei mit dem Rücken zueinander und mit den Mundstücken nach oben gekehrte silberne, golden beschlagene Jagdhörner (Hifthörner, Trinkhörner) mit roten Bändern, Helmdecken je nach Quelle schwarz-silbern (naheliegender) oder schwarz-golden (vermutlich richtiger), (Kleinod Symanning), Helm 2 (links): zu blau-silbernen Decken ein blauer Flug, belegt mit einem silbernen Balken, dieser belegt mit einer roten Rose (Stammkleinod der von Hohenfeld). Korrekter wäre es freilich im Schild und im Oberwappen genau anders herum, dem Stammwappen und dem Stammhelm jeweils den Vorzug auf den "besseren" Plätzen gebend.

Wappenfresken im Innenhof des Landschlosses
Im Hof des Schlosses sind weitere Polheim-Wappen am kurzen westlichen Flügel auf die Wandzwickel der Arkadenbogenstellungen des ersten Obergeschosses aufgemalt. Im Grunde sind es fünf Wappen, doch von dem Wappen ganz rechts ist außer einem Helm nichts mehr zu erkennen, und von dem Wappen ganz links sind sogar nur die Halspartie des Helmes und die Spitze des unteren Schildrandes zu sehen. Das linke und das mittlere der drei besser erhaltenen Wappen ist das Stammwappen der von Polheim wie zuvor am Tor beschrieben; sämtliche Schildteilungen sind aber schräglinks ausgeführt.

Das rechte der drei gemalten Wappen ist das spannendere, denn die Linie der von Polheim in Wels und in Parz führte ein geviertes Wappen, Feld 1 und 4: silbern-rot siebenmal schräggeteilt, hier ebenfalls schräglinks (Stammwappen), Feld 2 und 3: in Schwarz ein gekrönter, silberner Löwe mit goldenem Halsband und von diesem rückwärts abhängender goldener Kette (Eckartsau). Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (rechts): Stammhelm wie oben beschrieben, Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken wachsend ein gekrönter, silberner Löwe mit goldenem Halsband und von diesem rückwärts abhängender goldener Kette (Eckartsau). Diese Wappen sind der letzte Rest einer prächtigen Ausmalung der gesamten Hoffassaden.

Weitere Wappen dieses Bauherrenpaares
Dieses Wappenpaar für die beiden Eheleute kann man auch in der Stadtpfarrkirche Grieskirchen am an der Nordwand des Chores aufgestellten Epitaph für Siegmund Polheim sehen, als vergleichsweise kleinformatige Malerei im Zentralfeld der unteren, der Hauptebene. Das Polheim-Wappen besitzt dort die gevierte Form.

Ein weiteres Mal kann man diese Wappenkombination im Wasserschloß sehen, dort gibt es zwei weitere, auf 1590 datierte Reliefsteine aus rotem Adneter Kalk für Siegmund und Potentiana, es sind die besten Wappenreliefs der beiden Schlösser (innen, daher ohne Abb.). Das Polheim-Wappen hat die gevierte Form (s. u.), das Hohenfeld-Wappen ist geviert mit Herzschild und drei Helmen, eine ganz seltene Version. Der Hauptschild ist wie beschrieben, aber diesem wird ein goldener Herzschild mit einem schwarzen Greif aufgelegt. Die beiden äußeren Helme sind wie zuvor beschrieben, der neue mittlere Helm ist gekrönt und besitzt schwarz-goldene Decken, das Kleinod ist ein schwarzer, golden bewehrter Greif (Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 475 Tafel: 232). Diese neue Komponente steht für Albertsham (siehe oben, Potentiana stammte aus der Aistersheimer Linie der von Hohenfeld und war die Tochter von Esther von Albertsham, und das war die Erbtochter von Wolfgang von Albertsham auf Wesen), und so ist das Wappen auch in der niederösterreichischen Herrenstandsmatrikel eingetragen. Potentianas Eltern wurden beide in der Pfarrkirche Aistersheim begraben. Da Potentianas Brüder Peter und Markus noch vor ihrem Vater starben, und ansonsten nur noch eine Schwester Susanna existierte, die in Peuerbach begraben ist, ist die Verwendung dieses äußerst seltenen vermehrten Wappens auf einen ganz kleinen Personenkreis innerhalb der weitläufig verzweigten Familie der von Hohenfeld limitiert. Auch an Schloß Peuerbach ist das Ehewappen für besagte Schwester Susanna mit diesem Herzschild ausgestattet.

Exkurs: Fassadenmalereien
Die Fassadenmalereien der über 90 m langen Südfassade sind ein Höhepunkt österreichischer Renaissancekunst. Insgesamt 600 m2 wurden mit Allegorien, antiken Göttern, biblischen und mythologischen Szenen bemalt. Die 1986 von Graf Spiegelfeld-Schneeberg wiederentdeckten und in den nachfolgenden Jahren freigelegten Fresken sind um 1580 entstanden. Was sie so einzigartig macht, ist nicht nur die Qualität ihrer Erhaltung und ihre gute Restaurierung, sondern auch die riesige Dimension des Bildprogramms und die Ikonographie, denn sie sind mit ihren manchmal provozierenden Details ein Spiegel der Weltanschauung eines humanistisch gebildeten und protestantischen Landadeligen im Spannungsfeld der Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen. Eine Schlüsselszene ist das Konfessionsbild, wo das protestantische Gottesvolk vom Pharao in Gestalt des Papstes verfolgt wird, und in Gesellschaft des Papstes befinden sich alle Gegner der Protestanten: Bischof, Kardinal, Türken und Franzosen. Die moralische Überlegenheit des Protestantismus wird in solchen Szenen deutlich gemacht. Fast 450 Jahre nach ihrer Entstehung beeindrucken diese Fresken noch durch ihre Farbigkeit und ihren phantasievollen Detailreichtum, anhand dessen man die Mode und das Leben zu jener Zeit gut studieren kann.

Eine von Siegmunds ersten Maßnahmen nach Übernahme der Herrschaft Parz war, da die Familie auch die Vogtei über die Pfarrkirche in Grieskirchen hatte, dort mit unverblümtem Druck den Pfarrvikar Kolman Kuenringer zum Wechsel zur lutherischen Lehre zu bewegen. Das war eine Kampfansage an das katholische Establishment, denn die Pfarre Grieskirchen war im Besitz des Passauer Augustinerchorherrenstifts St. Nikola. Das war der erste Paukenschlag. Dieses Stift setzte nun einen eigenen Pfarrer ein. Siegmund nahm diesen einfach gefangen und legte ihn in Eisen. Das war der zweite Paukenschlag. Siegmund schaffte Tatsachen und setzte seinen eigenen Pfarrer ein, hatte also de facto dem Stift die Pfarre entrissen. Das war gegen geltendes Recht, aber erfolgreich. Die Bürger von Grieskirchen hatte er auf seiner Seite, denn er sparte nicht an Lehrern für die Schulen, an Förderung der Ausbildung, an Stiftungen, an Unterstützung der Armen. So kam es, daß er die einzige Rechtfertigung für sich in Anspruch nehmen konnte, die es gibt, nämlich zu gewinnen. Der dritte Paukenschlag war die öffentlich inszenierte Erniedrigung von Papst und Kirche an der Schloßfassade.

Als die Gegenreformation durch das Land fegte und alle protestantische Opposition tilgte, überdeckte man wenige Jahrzehnte nach ihrer Entstehung die aufrührerischen Fresken mit Putz, um das Volk nicht vom rechten Weg abzulenken. Weder ein im Roten Meer ersaufender Papst noch antike Götter waren der neuen, von oben verordneten Katholizität förderlich. Die Wiederbefreiung der Fresken unter der Putzschicht und ihre Restaurierung haben nicht nur ein bedeutendes Kunstwerk der Renaissance zu Tage gefördert, sondern auch ein Zeugnis des Widerstands gegen autoritäre Strukturen, ein Sinnbild des selbstbestimmten Lebens und ein Symbol für das Recht jedes Menschen, in Freiheit seinen eigenen Weg zur Erlösung zu suchen und zu finden.

 

Abb. links: Ausschnitt aus der Szene "Untergang des Pharao": Und tschüß! Abb. rechts: der prächtige Gott Sol mit der Strahlensonne in der Hand.

Abb.: Offenbarung des Johannes, Engel der Apokalypse und zwei der "vier Wesen". Rechts unten ein Engel mit dem "Buch des Lebens".

 

Abb. links: Ausschnitt der Daniel-Szene: Daniel vergiftet den Drachen. Abb. rechts: die Göttin Luna mit der goldenen Mondsichel in der Hand.

Abb.: Szene "Untergang des Pharao", linker Teil, wo das auserwählte Volk der Protestanten sicher am Ufer ankommt, während rechts der Papst mit seinen Begleitern als Pharao den Untergang in den Wellen findet (außerhalb des Ausschnitts).

 

Abb. links: Allegorie der Patientia = Geduld, an der Wand angekettet. Abb. rechts: die Liebesgöttin Venus mit dem flammenden Herz in der Hand.

Abb.: Allegorie der Veritas = Wahrheit.

 

Abb. links: Allegorie der Justitia mit Waage und Schwert. Abb. rechts: Allegorie der Misericordia = Barmherzigkeit mit der Armenspende.

Abb.: die Zuschauer der Hiob-Szene.

 

Beide Abb.: der Gott Apollo mit Detailausschnitt. Er spielt Arion zu.

 

Abb. links: Teil der Paulus-Szene. Abb. rechts: Arion mit Harfe. Er spielt Apollo zu.

Links: der prächtige Gott Sol mit der Strahlensonne in der Hand. Mitte: die Liebesgöttin Venus mit dem flammenden Herz in der Hand. Rechts: der Gott Merkur.

 

Abb. links: ein fröhlicher draller nackter Bacchus, Gott des Weines und des blühenden Lebens. Abb. rechts: Allegorie der Temperantia = Mäßigung, beim Abmessen eines Getränks.

Abb.: Teil der Paulus-Szene: rechts liegt der gestürzte Paulus am Boden.

 

Abb. links: eine Bogenschützin, Göttin Diana. Abb. rechts: Abb.: Teil der Paulus-Szene

Abb.: Allegorie der Justitia mit Waage und Schwert. Groteske Maskarons über den Fenstern und unter dem Dachansatz.

 

Beide Abb.: Ausschnitte aus der Hiob-Szene. Diese Personen schauen fasziniert zu, wie Hiob vom Teufel mit Aussatz geschlagen wird.

 

Abb. links: Ausschnitt aus der Offenbarung des Johannes, ein Engel der Apokalypse. Abb. rechts: Figur rechts oberhalb der Hiob-Szene.

Abb.: Daniel-Szene: Daniel vergiftet den Drachen. Das Volk von Babylon betet derweil die Statue des Götzen Bel an.

 

Abb.: Harfenspieler, mit Detailausschnitt.

Parz geht an Siegmunds Neffen
Siegmunds Vater Sigmund Ludwig I. von Polheim hatte außer ihm noch weitere Nachkommen, die die Familie fortsetzten, darunter Andreas von Polheim (15.1.1528 -21.8.1589), Landrat in Oberösterreich, vermählt mit Maria Salome Schiferin und in zweiter Ehe mit Margareta von Puchheim. Dessen Sohn aus erster Ehe war Sigmund Ludwig II. Freiherr von Polheim (26.11.1558-16.2.1622), Landeshauptmann in Oberösterreich, Protestant und Parteigänger von Erzherzog Matthias gegen den Kaiser. Ein weiterer Sohn von Sigmund Ludwig I. von Polheim war Ludwig II. von Polheim (13.10.1529-6.1.1608), nacheinander vermählt mit Elisabeth von Starhemberg, Maria Magdalena von Losenstein und Anna von Prag.

Da Siegmund absehen konnte, daß das mit seinem Sohn Georg nichts mehr werden würde, adoptierte er einen Sohn Ludwigs aus dessen erster Ehe, Gundacker von Polheim (4.4.1575-8.1.1644), späterer Reichshofrat und Verordneter zum Herrenstand von Niederösterreich, der am 8.7.1599 in Wien Barbara von Pranckh geheiratet hatte und die Familie fortsetzte. Schon in jungen Jahren hatte Siegmund diesen Neffen Gundacker als Nachfolger aufgebaut und ihn auf seine erstklassig mit Lehrpersonal ausgestattete Schule in Grieskirchen geschickt. Siegmund lebte 16 Jahre im Witwenstand und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens mit Siechtum, die Ärzte wurden eines großen Geschwürs am Rücken nicht Herr. Dieses Geschwür zwang ihn schließlich zur Bettlägerigkeit, bis er im Alter von nur 67 Jahren daran starb.

Gundacker von Polheim war das letzte bedeutende Familienmitglied in Oberösterreich. Gundacker von Polheim blieb der protestantischen Linie treu, andererseits blieb er dem Herrscherhaus treu ergeben. Er erreichte einiges zum Wohle von Grieskirchen: Der bisherige Markt wurde 1613 von Kaiser Matthias zur Stadt erhoben. Die Schule in Grieskirchen wurde zum Gymnasium erhoben. Die Gebäude von Spital und Schule wurden renoviert. Die 1564 von seinem Onkel erlassene Marktordnung ersetzte er 1623 durch eine angepaßte Stadtordnung. Das Dorf Kematen am Innbach wurde 1620 von Kaiser Ferdinand II. zum Markt erhoben.

Er selber wurde mit wichtigen Positionen im Reich bedacht, wurde kaiserlicher Kämmerer und Reichshofrat. Er diente den drei Kaisern Rudolf II., Matthias und Ferdinand II. als Rat und Hofkämmerer und wurde mit zahlreichen diplomatischen Missionen betraut. Und dennoch wurde er Opfer der "Dankbarkeit großer Herren": Er hatte mehrere diplomatische Missionen vorfinanziert, aber das Geld nie vom Kaiser bekommen. Wie in vielen anderen Fällen blieb auch Gundacker von Polheim auf den im Vertrauen auf Erstattung getätigten Ausgaben sitzen, die nun in voller Höhe zu Schulden wurden, die er und seine Erben abzutragen hatten. Dem Kaiser war hinter vorgehaltener Hand die finanzielle Schwächung der Familie ganz recht, abgesehen von den gesparten Ausgaben. Die finanzielle Lage der Familie wurde immer prekärer, wozu auch Mißwirtschaft einiger Familienmitglieder beigetragen hatte. Kern der Misere war aber im Vertrauen auf Erstattung getätigte Bevorschussung diplomatischer Missionen, die nie vom Kaiserhaus beglichen wurde.

Die Krida war nicht mehr abzuwenden, und bei der Welser Linie begann der Ausverkauf der Güter. Nach und nach mußten die Herrschaften der von Polheim verkauft werden. 1623 mußte die Parzer Schloßbibliothek verkauft werden, sie ging an die Franziskaner in Pupping. 1628 wurden die Herrschaft Wels und das Schloß in Wels verkauft, 1630 wurde Irnharting veräußert, 1632 folgte Steinhaus und 1642 schließlich Lichtenegg. Die Stadt Grieskirchen und der Markt Kematen wurden um 1640 an Paul Graf Palffy verkauft. Auch die Wartenburger Linie mußte bluten: 1626 wurde Puchheim durch von Adam Graf von Herberstorff konfisziert, und 1639 mußte der Stammsitz Wartenburg verkauft werden. Schließlich mußte auch die Herrschaft Parz, die letzte ihnen verbliebene Herrschaft in Oberösterreich, verkauft werden. Sie ging 1662 an David Graf Ungnad von Weissenwolff (1604-1672), einem Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Nach dessen Verkauf zog sich die Familie kridabedingt auf die ihnen in Niederösterreich verbliebenen Besitzungen zurück. Die Welser Linie erlosch 1710 zu St. Pölten. Die Wartenburger Linie erlosch erst 1900 zu Wien im Mannesstamm.

Schicksal von Schloß Parz nach den von Polheim
Die Ungnad von Weissenwolf erloschen 1917 im Mannesstamm: Nikolaus Gregor Graf Ungnad von Weissenwolff (11.8.1895-29.9.1917) starb in Prag an einer mißlungenen Blinddarmoperation. Schloß Parz kam nun an seine Schwester, Irene Sophie Hedwig Maria Magna Ungnad Gräfin von Weissenwolff (6.9.1880-1.3.1969), vermählt am 6.10.1910 in Steyregg mit dem ungarischen Grafen László János Alajos Antal Mária Gróf Szápáry (16.5.1864-12.10.1939). Das Paar hatte keine Nachkommen. 1943 kam Parz an Irenes Schwester, Henriette Gabriele Hedwig Sophie Maria Ungnad Gräfin von Weissenwolff (19.9.1883-28.4.1962). Diese hatte am 6.6.1905 auf Schloß Steyregg Prinz Hugo Lamoral Joseph Hermann von Thurn und Taxis (1.9.1873-6.9.1915) geheiratet, kam aber bei einem Autounfall ums Leben, zusammen mit einer ihrer drei Töchter. Parz ging an ihre überlebende älteste Tochter, Prinzessin Maria Immakulata Antonie Henriette Hedwig Leo von Thurn und Taxis (11.4.1906-16.12.1980), die am 22.8.1943 im böhmischen Kopidlno (Kopidelau) Karl Friedrich Maria Johann Graf von Mensdorff-Pouilly (28.3.1894-2.11.1981) geheiratet hatte. Die zweite überlebende Tochter, Prinzessin Irene Marie Clothilde von Thurn und Taxis (3.6.1911-15.5.1960, hatte in Wien Niklas Maria Joseph Franz Erich Sigmund August Ignatius Altgraf zu Salm-Reifferscheidt-Raitz (25.12.1904-12.4.1970) geheiratet. Niklas Altgraf zu Salm-Reifferscheidt-Raitz führte den Namen Ungnad Weissenwolff durch Adoption weiter. So kam Parz an die Familien von Mensdorff-Pouilly und von Salm-Reifferscheidt. Lauter klingende Namen, aber keiner hatte Interesse am Erhalt von Schloß Parz, keiner rührte auch nur einen Finger zum Erhalt, sie ließen beide Schlösser vielmehr vor sich hin vergammeln: Die Schlösser verfielen zusehends, die Dächer wurden undicht, die Fassaden bröckelten, im Keller stand der Schlamm. Erst durch den Verkauf an Georg Graf von Spiegelfeld-Schneeburg konnten die Schlösser gerettet werden.

Renovierung und Revitalisierung
Schloß Parz wurde im Zuge der Oberösterreichischen Landesausstellung 2010, dessen Zentrum es werden sollte, von 2009 bis 2010 innen und außen komplett renoviert und revitalisiert. Treibende Kraft war der Jurist, Bauträger und Unternehmer Dr. Georg Graf von Spiegelfeld-Schneeburg (1.6.1957-), der mit Leidenschaft für Denkmalpflege mehrere historische Gebäude und alte Anwesen saniert und vermarktet, darunter auch Schloß Tollet, Schloß Aurolzmünster und Schloß Tillysburg. Seit 1985 (Landschloß) bzw. 1989 (Wasserschloß) waren beide Schlösser Parz in seinem Besitz. Bei der Renovierung des Landschlosses Parz mußten die völlig verwitterten Fassaden  im Innenhof und am Ostflügel komplett saniert werden. Die Fresken auf der Südseite wurden 1986 unter einer Putzschicht entdeckt, freigelegt und anschließend restauriert. Die beiden Festsäle bekamen neue Böden und Decken aus Holz, weil die alten völlig heruntergekommen waren und die Schäden substantiell waren. Vermauerte Fenster der Säle wurden wieder mit passenden Öffnungen versehen. Nach Befund malte man die Scheinarchitektur der Fensterumrandungen neu auf. Der Festsaal bekam eine neue Freitreppe. Und vor allem wurde der Turm nach einem Vischer-Stich von 1674 rekonstruiert: Als die Wasserburg 1822 brannte, riß man beim Aufräumen auch gleich den oberen Teil des Turms mit ab, weil er baufällig geworden war. Somit stand Schloß Parz über 170 Jahre als Torso ohne seinen Turm, bis Graf Spiegelberg ihm sein Wahrzeichen und seinen Kontrapunkt zur Pfarrkirche Grieskirchen wiedergab. Die Einrichtung einer Wohnung in den obersten Stockwerken ist eine moderne Idee. Auch der Garten im Stil der Renaissance wurde komplett neu angelegt, wegen des leichten Gefälles mit Sandsteinmauern terrassiert und mit achteckigen Rasenfeldern, Buchsbaumhecken, Apfelbäumen und alten Rosensorten bepflanzt. Ein mehrfach abknickender Arkadengang aus Rotbuchen bildet den westlichen Abschluß.

Die Renovierung wurde von der Münchner Messerschmitt-Stiftung und vom Land Oberösterreich und vom Staat finanziert. Natürlich wurde auch den Bedürfnissen zukünftiger Nutzung Rechnung getragen, so wurden neue sanitäre Einrichtungen, Heizungen (weite Teile der Räumlichkeiten waren noch ohne) und ein Aufzug eingebaut. Dem einst verfallenen Schloß wurde neues Leben als Kulturschloß eingehaucht: Einerseits stehen die größeren Räume wie der große und der kleine Festsaal und das Schloßgewölbe mit seinen wuchtigen Steinsäulen für Veranstaltungen aller Art zur Verfügung, für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und für private und geschäftliche Feiern und Zusammenkünfte, wie z. B. für Seminare, Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen etc. Im Schloßhof finden im Sommer open-air-Veranstaltungen statt. Weiterhin werden die historischen Räumlichkeiten in den oberen Etagen als Büroflächen und als Privatwohnungen vermietet. Während der erfolgreichen Sanierung wurde das Schloß 2009 an die Messerschmitt-Stiftung Vaduz verkauft, die die Räumlichkeiten heute vermarktet. Es gibt keinen regelmäßigen Besichtigungsbetrieb, der Garten und damit die Fresken können nur im Rahmen einer vorab vereinbarten Führung besichtigt werden. Der Innenhof ist von April bis Oktober frei zugänglich.

Das Wasserschloß
Erst nach einem Brand der alten Wasserburg im Jahre 1822 wurde unter der Herrschaft von Johann Ungnad von Weissenwolff auf den Resten ein klassizistisches Schloß auf der Insel erbaut. Man nutzte geschickt, was noch vorhanden war, Mauern und Stützbögen und auch der "Yachthafen" im Kellergeschoß wurden in den Neubau integriert. So wurde der Ball der baulichen Erneuerung wieder zurückgespielt: Erst war gegenüber der mittelalterlichen Burg ein neues Schloß nach allerneuester Mode erbaut worden, das die Burg ganz überholt aussehen ließ, nun schlug das Wasserschloß mit seiner Neugestaltung als großzügige klassizistische Villa zurück. Das Schloß wurde nach Fertigstellung als Beamtenwohnung genutzt. Zwischen 1946 und 1963 stand es leer und verfiel zur Ruine. Eine Künstlergruppe um Hans Hoffmann-Ybbs entdeckte das verfallene Schloß, mietete es an und richtete es sich als Künstlerzentrum her. Gemeinsam mit den Eigentümern wurden erstmals wieder längst überfällige Maßnahmen zum Erhalt der Gebäude ergriffen. 1998 war Schluß mit der idealistischen, bunten Künstlerkolonie; sie wurde aufgelöst. Dr. Georg Graf von Spiegelfeld-Schneeburg, Präsident des Vereins Denkmalpflege Oberösterreich, kaufte 1989 auch das marode Wasserschloß, ließ es sanieren und vermietete es einerseits an ein Restaurant (bis 2011, Geschäftsaufgabe wegen Streits um die Nutzung der Parkplätze) und andererseits an eine Kunstgalerie in Nachfolge der alten Künstlerkolonie. 2010 wurde das Wasserschloß erneut zum Verkauf angeboten, bislang ist es ohne neuen Eigentümer geblieben. 2012 wurde der 42 m lange Steg von Westen her als Stahlkonstruktion als separater Zugang gebaut, aus dem Material des abgerissenen, 150 Jahre alten Lehar-Stegs in Bad Ischl (ehemaliger Traunsteg). Auch die Räume im Wasserschloß werden vom Eigentümer für Veranstaltungen vermietet.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps:
https://www.google.de/maps/@48.2342144,13.8452252,18z?entry=ttu - https://www.google.de/maps/@48.2342066,13.8451614,188m/data=!3m1!1e3?entry=ttu
Schloß Parz auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Parz
Wasserschloß Parz auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserschloss_Parz
Schloß Parz auf Burgen-Austria:
http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1445
Walter Aspernig: Geschichte des Schlosses Parz bei Grieskirchen, in: Das Kulturerbe im Spannungsfeld zwischen privatem Engagement und öffentlichem Auftrag, ARX-Schriftenreihe, Band 2
Alexander Ritzinger: Schlösser Parz, Sigmund von Polheim und der ersäufte Papst, Kulturgut Oberösterreich Band 1, hrsg. vom Südtiroler Burgeninstitut in Bozen und vom Verein Denkmalpflege Oberösterreich in Linz, 1. Auflage 2010, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, ISBN: 978-3-7954-2327-8
Thomas Danzl: Die protestantische Fassadenmalerei von Schloß Parz bei Grieskirchen in Oberösterreich, Dissertation, Universität Regensburg, Regensburg 1997, 336 S.
Die Familie von Polheim auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Polheim_(Adelsgeschlecht)
Walter Aspernig: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich - Band 15. IV, hrsg. von der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, S. 1108-1113,
https://adw-goe.de/digitale-bibliothek/hoefe-und-residenzen-im-spaetmittelalterlichen-reich/id/rf15_IV-3288/?cHash=84d20a1e0169e9033055e7ebb059163f, https://adw-goe.de/digitale-bibliothek/hoefe-und-residenzen-im-spaetmittelalterlichen-reich/id/rf15_IV-3296/?tx_find_find%5BunderlyingQuery%5D%5Bq%5D%5Bdefault%5D=Polheim&tx_find_find%5BunderlyingQuery%5D%5Bposition%5D=3, pdf: https://adw-goe.de/fileadmin/forschungsprojekte/resikom/dokumente/pdfs/HBIV/A_B_C_Polheim.pdf
Genealogie auf Geni.com:
https://www.geni.com/people/Achaz-von-Hohenfeld/6000000074784266034 - https://www.geni.com/people/Esther-von-Albertsham/6000000074784524864 - https://www.geni.com/people/Potentiana-von-Hohenfeld/6000000073715284128 - https://www.geni.com/people/Siegmund-von-Polheim/6000000073715359010 und abhängige Seiten
Webseite des Landschlosses Parz:
https://www.landschloss-parz.at/ und abhängige Seiten
Georg Graf von Spiegelfeld-Schneeburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Spiegelfeld-Schneeburg
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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