Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2575
Bayreuth (Oberfranken)

Ellrodt-Gartenportikus, Friedrichstraße 7

Das hier gezeigte Gebäude ist eigentlich nur ein Anbau an das eigentliche Wohnhaus des Bauherrn, ein zweigeschossiges, 1743-1744 erbautes Stadtpalais, Friedrichstraße 9-11. Weil jenes aber ohne heraldischen Schmuck ist, steht der nördlich angrenzende Anbau (Friedrichstraße 7, gegenüber der Einmündung der Dammallee) hier im Vordergrund. Dieses 1759-1760 an der barocken Prachtstraße errichtete, äußerst repräsentative Gebäude gab mit der zentralen Tordurchfahrt Zugang zu der rückwärtig gelegenen Gartenanlage. Dieser Portikus ist ein Entwurf des markgräflichen Hofarchitekten Carl Philipp Christian Gontard (13.1.1731-23.9.1791), der aus einer Hugenotten-Familie stammte und künstlerisch zwischen Rokoko und Klassizismus stand. Zu seinen Werken in Bayreuth gehören Schloßanlagen, die Hofapotheke, das Pfarrhaus der Schloßkirche (früher sein eigenes Wohnhaus) etc. Seine wichtigsten Bauten errichtete er jedoch in Potsdam (Marmorpalais, Brandenburger Tor, Militärwaisenhaus, Freundschaftstempel und Antikentempel in Sanssouci) und Berlin (Türme des Deutschen und des Französischen Domes, Oranienburger Tor, Rosenthaler Tor, Königskolonnaden, Spittelkolonnaden).

Das bauzeitliche Aussehen war etwas anders als heute: Zwei Gartenhäuser waren als zweigeschossige und zweiachsige Pavillons mit Zeltdächern gestaltet und bildeten die symmetrische Einfassung des dazwischen liegenden Tores. Dieses wird durch zwei toskanische Halbsäulen und daneben zwei eingeschossige Säulenvorbauten mit jeweils einem von einer Balusterbrüstung eingefaßten Altan flankiert. Die beiden kleinen Altane tragen auf der Brüstung je zwei weibliche Allegorien aus Sandstein, sie stehen vermutlich für die vier Kardinaltugenden Klugheit, Mäßigkeit, Tapferkeit und Gerechtigkeit. Dieses Thema ist auch beim nahen Liebhardt- bzw. Steingraeber-Palais zur Dekoration verwendet worden. Auch andere Details der Sandstein-Fassade sind mit großer Liebe zum schmückenden Detail ausgeführt, z. B. die Voluten mit Blumen auf den Schlußsteinen der Fenster. Früher war in der Mitte ein rückspringender Balkon über dem Torbogen.

Später wurde die Anlage 1863 umgebaut: Ein Obergeschoß mit drei Fenstern wurde dem eigentlichen Tor aufgesetzt, die Mittel-Balustrade verschwand, und die große Wappenkartusche wurde oben auf die neue Attika hochgesetzt. Das gesamte Obergeschoß bekam ein durchgehendes Walmdach. Damit wurde zwar empfindlich in die ursprüngliche Gestaltung eingegriffen, doch man gewann zusätzlichen Raum, insbesondere für Personal in der Dachebene. Der Hof wurde durch weitere Zubauten geschlossen.

Das Wappen im Aufsatz hoch oben über der Durchfahrt ist das der erloschenen von Ellrodt, genauer von Philipp Andreas Freiherr von Ellrodt (1707-1767). Eine postulierte Abstammung von einem 1269 mit Conrad und Friedrich von Ellroth, Ritter und Reichsministerialen, in Erscheinung tretenden Geschlecht ist unbelegt und ins Reich der Legende zu verweisen: Philipp Andreas Ellrodt war bürgerlicher Herkunft, entstammte einer Pfarrersfamilie und erklomm unter Markgraf Friedrich III. die gesellschaftlichen Stufen allein über seine Verdienste. Die Familie stammte aus Kulmbach, und ihre Mitglieder standen im Dienste des Fürstentums Bayreuth. Die Eltern des Bauherrn waren Magister Dr. Johann Michael Ellrod (1672-1709) und Magdalena Rosine Ortt, Tochter eines Stallmeisters.

Philipp Andreas Freiherr von Ellrodt studierte die Rechtswissenschaften an den Universitäten von Jena und Halle. Unter Markgraf Georg Friedrich Karl (1726-1735) begann er seine Karriere als Privatsekretär. Er wurde Brandenburg-Kulmbachischer Geheimer Legationsrat und Kreisgesandter. Danach war er Brandenburg-Bayreuther Geheimer Staatsminister. Er wurde einer der engsten Vertrauten des Markgrafen Friedrich III. (1735-1763) und übte de facto bis zu dessen Tod die Regierung aus. Der Markgraf war äußerst baufreudig, und die wichtigste Aufgabe des Staatsministers war es, Geld für die Bauprojekte locker zu machen, Schulden zu machen und neue Geldquellen zu erschließen und das Steueraufkommen einfallsreich zu maximieren. Wer das schaffte, war in Gunst, und das zahlte sich durch die Standeserhebungen und die Aufnahme in den markgräflichen Ritterorden aus. Außerdem war Philipp Andreas Freiherr von Ellrodt in der Freimaurerloge des Markgrafen Mitglied. Ferner war er Gesandter beim ständigen Reichstag, Oberamtmann zu Leipzig, außerdem Landrichter des kaiserlichen Landgerichts des Burggrafentums Nürnberg. Unter Friedrichs Nachfolger war das Einvernehmen weniger gut.

Philipp Andreas Freiherr von Ellrodt war Herr auf Drosenfeld (Neudrossenfeld), nachdem er erst einen Anteil über seine Mutter geerbt und dann 1740-1752 die anderen Anteile hinzugekauft hatte. Er war auch Herr auf Lausnitz, wo er das dortige Schloß besaß. Weiterhin gehörte ihm Lanzendorf, Neunhofen (Kauf 1745) und Reipoltskirchen (1763 Kauf des Anteils der Grafen Levenhaupt an der seit 1628 bestehenden Erbengemeinschaft).

Das Wappen wird in seiner Entwicklung über drei verschiedene Stufen (wir sehen hier am Haus die freiherrliche Stufe) beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 97 Tafel: 95-96 und im Band: Pr Seite: 122 Tafel: 165. Vom Wappen "der von Ellrodt" zu sprechen, ist vielleicht übertrieben, weil das freiherrliche Wappen nur dreieinhalb Jahre Träger hatte und das gräfliche Wappen nur vier Jahre und wenige Monate in Benutzung war, denn der einzige Sohn des Bauherrn war schon vor ihm verstorben. Die hier besprochenen Wappen sind also "heraldische Eintagsfliegen", die über die Generation des Begünstigten hinaus keinen aktiv geführten Fortbestand hatten.

Philipp Andreas Ellrodt wurde am 30.11.1747 per Diplom zu Wien in den Adelsstand erhoben. Das adelige Wappen des Philipp Andreas von Ellrodt zeigt unter einem silbernen Schildhaupt, darin drei rote Rosen, in Blau eine silberne Spitze, belegt mit einem schwarzen Adler und begleitet von zwei goldenen, einwärts gekehrten Löwen. Auf dem rot-silbern-blau-golden bewulsteten Helm wird zu rechts rot-silbernen und links blau-goldenen Decken ein wachsender, goldener und rotgezungter Löwe geführt. Das adelige Wappen ist beispielsweise farbig in der Ellrodt-Loge der Dreigfaltigkeitskirche (sic) in Neudrossenfeld an der Decke zu sehen. In dieser Kirche befindet sich auch die Familiengruft.

Philipp Andreas von Ellrodt wurde am 16.1.1759 zu Wien per Diplom in den Reichsfrei- und Panierherrenstand erhoben. Das freiherrliche Wappen von 1759 ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzer Adler, Feld 2 und 3: fünfmal blau-silbern (so nach der Abb., nach dem Text rot-silbern, ein Fehler) geteilt, Herzschild: in Rot ein silberner, mit drei roten Rosen belegter Schrägbalken. Dazu werden drei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender goldener Löwe, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer Flug, beiderseits belegt mit einem mit drei roten Rosen belegten Schrägbalken, rechts schräglinks, links schrägrechts, Helm 3 (links): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Paar fünfmal blau-silbern geteilter Büffelhörner. Hier wird das Wappen mit siebenperliger Rangkrone (die beiden äußersten Perlen sind hinter den Löwenköpfen zu ergänzen) und zwei wiedersehenden Löwen als Schildhalter geführt.

Das dritte und letzte Wappen ist das gräfliche. Philipp Andreas Freiherr von Ellrodt wurde am 1.10.1762 zu Wien in den Reichsgrafenstand als "Graf Ellrodt von Reipolzkirchen" erhoben. Der Hauptschild ist einmal geteilt und dreimal gespalten, Feld 1 und 8: in Silber ein roter Wellenschrägbalken, Feld 2 und 7: in Silber ein schwarzer Adler, Feld 3 und 6: fünfmal blau-silbern geteilt, Feld 4 und 5: in Rot auf grünem Boden eine silberne Kirche, Turm an der rechten Seite. Auf dem Schild ruht eine neunperlige gräfliche Rangkrone. Dazu werden drei gekrönte Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen Decken ein wachsender goldener Löwe, golden gekrönt, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Adler, Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer Flug, beiderseits belegt mit einem mit drei roten Rosen belegten Schrägbalken, rechts schräglinks, links schrägrechts. Dazu werden als Prunkstücke zwei goldene Löwen als Schildhalter geführt.

Um das Wappen des Philipp Andreas Freiherr von Ellrodt liegt das Ordensband des Roten Adlerordens: An einem roten Band wird das Ordenskreuz getragen, ein silbernes, golden gesäumtes Tatzenkreuz mit kreisförmiger Mitte, diese belegt mit dem brandenburgischen roten Adler auf weißem Untergrund. Das Kreuz wird überhöht von einem Fürstenhut mit goldenen Bügeln, rotem Futter und Hermelin-Aufschlag.

Da der Bauherr dieses Anwesens Mitglied im Roten Adlerorden war, ist sein Wappen auch in der Ordenskirche St. Georgen zu finden. Der an der Brüstung befestigte Schild für Philipp Andreas Freiherr von Ellrodt ist auf 1756 datiert, der optisch rechts daneben für seinen Sohn Friedrich Freiherr von Ellrodt mit identischem Wappen auf das Jahr 1759. Friedrich, eigentlich Friedrich Wilhelm Graf von Ellrodt (1737-1765), Gesandter der Markgrafen am Wiener Hof, war seit 1763 mit Christina Wilhelmina Sofia Louise Gräfin von Lewenhaupt (4.8.1742-26.4.1813) vermählt, hatte aber keine Nachkommen, weil er schon knapp 18 Monate nach der Hochzeit an einer Brustkrankheit im Alter von 28 Jahren starb. Für diesen Sohn und seine Ehefrau sollte das Schloß Neudrossenfeld als Herrschaftssitz ausgebaut und erweitert werden, und auch hierfür engagierte man den Architekten Carl von Gontard. Im Zuge des Ausbaus entstanden in der neuen Dreigfaltigkeitskirche die Ellrodt-Familiengruft und ein Herrschaftsstand, ein neues Pfarrhaus, ausgedehnte Gartenanlagen und das neue Dorf Lerchenfeld.

Philipp Andreas Reichsgraf von Ellrodt starb am 1.1.1767, und mit ihm erlosch die erst freiherrliche, dann gräfliche Linie. Seine Frau, Gräfin Anna Marie Sophie von Ellrodt, überlebte ihren Gatten um 20 Jahre und starb 1787. Die Familie war dennoch nicht gänzlich erloschen, sondern wurde über den Bruder des Bauherrn fortgesetzt: Wolfgang Friedrich Ellrodt (1704-) war fürstlich-brandenburg-Bayreuther Geheimer Regierungsrat und Konsistorialpräsident. Am 29.10.1762 (andere Angaben: Diplom 1764) wurde er von Kaiser Franz zu Wien geadelt. Das Wappen ist identisch mit dem seines Bruders im Diplom des Jahres 1747. Diese Linie ist mit Oberst Frhr. von Ellrodt am 1.12.1844 erloschen; er war seit 1815 Mitglied der Bürgervertretung in Frankfurt am Main und Kommandant der Stadt- und Landwehr. Ein weiterer Bruder des Bauherrn war Germann August Ellrod (1709-1760): Er blieb bürgerlich und verzichtete auf die auch ihm angebotene Adelserhebung. Er wurde der erste Theologieprofessor der Universität Erlangen. Bürgerlich gebliebene Nachfahren der aus Kulmbach stammenden Ellrodt aus den nichtadeligen Zweigen gibt es jedoch weiterhin.

Nach dem Tod von Philipp Andreas Reichsgraf von Ellrodt löste sich der ganze Besitz recht schnell wieder auf: Der Ausbau von Schloß Neudrossenfeld kam abrupt zum Stillstand. Die Bauschulden betrugen 230000 fl., und die Witwe mußte damit fertig werden. Erben und Gläubiger stürzten sich auf den Besitz und prozessierten; der Besitz wurde Stück für Stück verkauft. Das Rittergut Lanzendorf ging an Kammerrat Johann Wolfgang Gromann und dessen Erben. Das Rittergut Voita wurde verkauft. Der Anteil an der Herrschaft Reipoltskirchen ging durch Verkauf 1773 an Herzog Christian IV. von Zweibrücken, was aber später annulliert wurde, dann durch erneuten Verkauf an Prinzessin Karoline vermählte von Isenburg, Tochter von Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz. Neudrossenfeld wurde 1775 an Georg Christoph Freiherr von Reitzenstein verkauft, und damit war alles wieder zerronnen.

Der Gartenportikus des Ellrodtschen Anwesens wurde mehrfach umgebaut. 1856 war hier eine Handlung für Spiegel, Glasperlen und Perlspielzeug, Produkte aus den Glashütten des Fichtelgebirges, des Bayerischen Walds und des Böhmerwalds. Der erste Inhaber war Heinrich Scharrer; die Firma hieß ab 1864 H. Scharrer & Koch. 1909 wurde die Firma samt Immobilie an Theo Köhler verkauft, der hier Modeschmuck und Spielwaren herstellte und vertrieb. Dessen Enkelin Sigrid Gottstein übernahm 1968 die Firma und gründete das Spielwarenlabel Sigikid. Nach dem Umzug der Firma nach Mistelbach wurde der Portikus schließlich in ein Wohnhaus umgewandelt. 2000-2005 stand das Gebäude leer und verfiel. 2005 wurde es renoviert, und seitdem wird es für Wohnungen und gewerbliche Mieter genutzt.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.9420803,11.5742279,20.2z - https://www.google.de/maps/@49.942057,11.5743098,61m/data=!3m1!1e3
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Bayreuther Friedrichstraße auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrichstraße_(Bayreuth)
Ellrodtscher Gartenportikus auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ellrodtscher_Gartenportikus
Kurt Herterich: Im historischen Bayreuth, S. 69 ff.
Familie Ellrodt (von Ellrodt) auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ellrodt_(Adelsgeschlecht)
Martin Riedelbauch: Der Aufstieg, das Wirken und der Niedergang des Reichsgrafen von Ellrodt, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken, 39. Bd., Bayreuth 1959, S. 292-302
Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Bd. 3, Friedrich Voigt's Buchhandlung, Leipzig 1861, S. 86-87
https://books.google.de/books?id=usgEAAAAIAAJ
Ernst Heinrich Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien, Bd. 3, T. O. Weigel, Leipzig 1856, S. 121-122
https://books.google.de/books?id=7a1AAAAAcAAJ
Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues preussisches Adelslexicon, Bd, 2, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 123
https://books.google.de/books?id=HdkEAAAAIAAJ
Prachtbauten in der Friedrichstraße:
https://www.markgrafenkultur.de/prachtbauten/bayreuth-friedrichstrasse/ - Karla Fohrbeck, Eva Rundholz: Friedrichstraße 7-11: https://www.markgrafenkultur.de/portfolio-items/bayreuth-friedrichstrasse-nr-7/?portfolioCats=135
Carl Philipp Christian Gontard:
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Gontard
Horst Drescher: Carl v. Gontard, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 643 f. -
https://www.deutsche-biographie.de/gnd119014807.html#ndbcontent - http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016322/images/index.html?seite=657

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