Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2852
Frankenthal (Pfalz)

St. Cyriakus in Frankenthal-Eppstein

Die katholische Kirche St. Cyriakus liegt im südwestlichen Stadtteil Eppstein an der Kreuzung der Dürkheimer Straße mit der Johann-Strauß-Straße in einem parkartigen Gelände westlich des Friedhofs. Die barocke Kirche mit eingezogenem Chor und nördlich angebauter Sakristei besitzt im Westen eine Einturmfassade mit schräg nach hinten abknickenden Seitenteilen. Als diese Kirche 1760-1765 neu erbaut wurde, verwendete man den spätmittelalterlichen Turm des Vorgängerbaus. Das führte zu der stilistisch eigenartigen Mischung aus dem wuchtigen Turm mit unregelmäßiger Kantenquaderung einerseits und den dynamisch zurückweichenden, oben geschwungen zugeschnittenen Seitenteilen andererseits. Ein weiterer Kontrast besteht zwischen dem gotischen Spitzbogenportal des Turmes und dem Maßwerkfenster ganz oben einerseits und den beiden Rokoko-Portalen der Seitenflächen andererseits. Der Turm wurde zwischen 1509 (Datierung am Hauptportal) und 1511 (Inschriftenstein oben unter dem Dachansatz: "Anno d(omi)ni m cccc xi debalt steyn schulthe(is)s zew ebsteynn" - im Jahre des Herrn 1511 Schultheiß Theobald Stein zu Eppstein) errichtet.

Wenige Jahrzehnte nach Bau des Turmes wurde die Kirche, die dem Stift Neuhausen bei Worms inkorporiert war, 1556 unter Pfalzgraf Friedrich III. protestantisch und blieb es bis 1705. Dann kam es zur Pfälzischen Kirchenteilung. Der Hintergrund war, daß eigentlich die Kurpfalz an der Reformation teilgenommen hatte und evangelisch geworden war. Doch dann erlosch 1685 die Linie Pfalz-Simmern (evangelisch), und Pfalz-Neuburg (katholisch) übernahm die Kur. Pfalz-Neuburg war gegenreformatorisch gesinnt und holte die Jesuiten ins Land.

Das Erlöschen der Linie Pfalz-Simmern war zugleich der Anlaß für den Pfälzer Erbfolgekrieg, und Frankreich förderte den Katholizismus in den eroberten Territorien. 1698 kam es zu dem Modell der Simultannutzung der protestantischen Kirchen durch alle Konfessionen, während die rein katholischen Kirchen weiter so bleiben sollten. 1705 kam es dann zur Aufhebung der Simultannutzung (bis auf Ausnahmen, in denen eine Trennwand gebaut wurde) und zur Aufteilung der Kirchen im Verhältnis 5 (Reformierte) zu 2 (Katholiken) auf die Konfessionen. St. Cyriakus in Eppstein wurde wieder katholisch.

 

Abb. links: linkes Seitenportal, Abb. rechts: rechtes Seitenportal

Damals befand sich die Kirche baulich in sehr schlechtem Zustand, Ergebnis der Kriegswirren. Ein Dach fehlte, der Raum war zu klein, insbesondere weil das Einzugsgebiet für die katholischen Kirchen nach der Kirchenteilung größer war, und die alte Kirche war baufällig. Die Gemeinde verlangte vom Wormser Fürstbischof Abhilfe. Mehr als Notlösungen gab es zunächst nicht. Doch der Gemeinde war es so ernst, daß sie 1761 drohte, den Kirchenzehnten zu beschlagnahmen, nicht abzuliefern und statt dessen für die Reparatur zu verwenden - und dann kam endlich Bewegung in die Sache. Die Hofkammer des Wormser Fürstbischofs, Rechtsnachfolger des Stifts St. Cyriakus, zu dem die Kirche früher gehört hatte, plante erst einen Umbau durch den Barockbaumeister Hartweck, doch nach einer Bestandsaufnahme wurde schnell klar, daß man wegen der fortschreitenden Baufälligkeit nicht von einem Um-, sondern vielmehr von einem Neubau sprechen mußte. Nur der Turm konnte eingespart werden, denn der war noch ausreichend stabil. Es entstand ein 29,7 m langer und 13,2 m breiter barocker Saalbau mit einem rechteckigen Grundriß und gerundeten Ecken, mit Spiegelgewölbe, mit drei lanzettlichen Fenstern an den Seiten, mit regelmäßiger Pilastergliederung im Inneren und mit angesetztem Chor von ovalem Grundriß.

Abb.: Wappen über dem linken Portal

Abb.: Wappen über dem rechten Portal

Über den beiden Portalen der Seitenflächen der Westfassade ist jeweils ein Wappen des Bauherrn angebracht, das von Fürstbischof Johann Philipp von Walderdorff (reg. 1763-1768). Er hatte zwei Bistümer inne, 1758-1768 Trier, und 1763-1768 Worms. Seine Wappen als Fürstbischof von Worms enthalten folglich immer beide Bistümer. Im Detail ist sein Schild geviert mit Herzschild, Feld 1: in Silber ein rotes, durchgehendes Kreuz, Fürsterzbistum bzw. Kurfürstentum Trier, Feld 2: im schwarzen, mit 8 (2x 4) goldenen Schindeln belegten Feld ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, Fürstbistum Worms, Feld 3: in Rot auf grünem Grund ein silbernes, zurückschauendes, golden nimbiertes Lamm, das ein silbernes Fähnchen mit rotem Kreuz trägt, sog. Prümer Lamm, Fürstabtei Prüm, Feld 4: in Silber zwei rote Balken, Herrschaft und Grafschaft Niederisenburg, Herzschild: in Schwarz ein rot-silbern geteilter doppelschwänziger Löwe, golden gekrönt, über dem Herzschild eine goldene Laubkrone, Stammwappen der Familie von Walderdorff. Über der Rocaille-Rahmung der Kartusche ist ein Kurhut dargestellt. Das Wappen wird von zwei widersehenden Löwen gehalten. Die beiden Portale sind fast gleich und unterscheiden sich nur in der Figurennische zwischen dem Türsturz und den beiden zur Mitte hin hochschwingenden Hälften des Gebälks, über deren schneckenförmig eingerollten mittleren Enden das Wappen angebracht ist. In der südlichen Figurennische sehen wir den hl. Cyriakus, in der nördlichen eine Maria Dolorosa. Über dem Portal befindet sich jeweils ein flaches Ovalfenster, das aber blind ist.

Die Kirche wurde 1925 mit einem Oratorium an der Südostseite erweitert. Kriegseinwirkungen zerstörten die Kirche am 23.9.1943, doch die Innenausstattung konnte gerettet werden. Die Kirche brannte jedoch bis auf die Außenmauern ab. Auch der Turm verlor seinen spitzen Helm durch den Brand. Bis 1949 wurde St. Cyriakus wiederaufgebaut und konnte am 9.10.1949 wieder geweiht werden, vom Bischof von Speyer. Der Turm bekam erst 1953-1954 einen neuen oberen Abschluß; man entschied sich nicht mehr für den zum Turm-Stil passenden spitzen Helm, sondern für einen zum Schiff passenden oberen Turmabschluß mit einer Zwiebelhaube im barocken Stil auf einem achteckigen Glockengeschoß. 1975-1976 erhielt die Kirche eine Außenrenovierung. Ein Kleinod der Ausstattung ist die 1771 vom fränkischen Orgelbaumeister Johann Ignaz Seuffert hergestellte Rokoko-Orgel. Daß es sie noch gibt, verdanken wir dem Umstand, daß sie im 19. Jh. von der Kirchengemeinde nach Einselthum im Zellertal verkauft wurde. Deshalb war sie abwesend, als die Kirche Bombentreffer erhielt. Erst 1997 konnte die mit einem Manual und elf Registern ausgestattete Orgel, technisch eine "Kleine", kunstgeschichtlich eine "Große", zurückerworben werden, und seitdem stellt sie wieder einen Höhepunkt des Innenraumes dar. Aber es hätte nicht viel gefehlt, daß sie auch in Einselthurm untergegangen wäre, denn erst hatten Einbrecher 1924 mehrere Pfeifen geklaut, dann wurde die Orgel 1971 abgebaut und endete in einer Scheune als Trümmerhaufen. Ca. 60% waren noch vorhanden. Der Speyerer Orgelbauer Wolfgang Scherpf entdeckte sie dort per Zufall, und dann wurde sie erworben und bis 1997 von zwei verschiedenen Orgelbauwerkstätten, erst durch Scherpf, dann durch die Orgelmanufaktur Vleugels in Hardheim, ergänzt und restauriert.

Im Innenraum ist ein weiteres Wappen des Wormser Fürstbischofs Johann Philipp von Walderdorff an der Altarvorderseite zu sehen, denn er hatte damals diesen Hochaltar gestiftet. Über dem Eingang zur ehemaligen Sakristei ist ein weiteres Wappen zu finden, das der Hund von Saulheim (in Silber drei (2:1) rote, mit den Spitzen nach rechts gerichtete Mondsicheln, einen schwarzen sechsstrahligen Stern einschließend). Die Familie hatte das Kirchenpatronat inne, und sie hatte den Marienaltar gestiftet, den linken Seitenaltar.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.5089699,8.3323179,19.79z - https://www.google.de/maps/@49.5090203,8.3322855,61m/data=!3m1!1e3
St. Cyriakus bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Cyriakus_(Frankenthal-Eppstein)
Kurpfälzische Kirchenteilung auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pfälzische_Kirchenteilung
Pfarrei hl. Dreifaltigkeit Frankenthal:
https://www.pfarrei-frankenthal.de/
Kirche St. Cyriakus:
https://www.pfarrei-frankenthal.de/kirchen-kapellen/st-cyriakus-eppstein/
Friedhelm Trowe: Kirchen der Pfarrei (7): St. Cyriakus in Eppstein, in: Monatsheft "aktuell" -
https://www.pfarrei-frankenthal.de/fileadmin/user_upload/1-7-3/Dokumente_Formulare/Kirchenbericht_Cyriakus.pdf
Paul Warmbrunn: Frankenthal, Eppstein, Flomersheim, Mörsch und Studernheim von den ersten schriftlichen Erwähnungen bis zum Ende des Mittelalters, in: Frankenthal - die Geschichte einer Stadt, Frankenthal 2013, ISBN 978-3-87707-886-0, S. 305 ff.
Orgel von St. Cyriakus:
https://www.pfarrei-frankenthal.de/fileadmin/user_upload/1-7-3/Kirchenmusik/Orgeln/Orgel_St.Cyriakus.pdf

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