Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (88)

Exlibris von Nicolai Seul
Dieses von Nicolai Seul gestochene Exlibris (65 x 53 mm, Kupferstich, Warnecke 2045, Bertling 385, Leiningen-Westerburg S. 295, dort auf 1772 datiert) mit der Umschrift "" FR FRANC PAULUS DE SMITMER 17" ist für Franz Paul Ritter von Smitmer (7.3.1741-4.10.1796). Er wurde in Wien als Sproß einer alten Wiener Patrizierfamilie geboren; sein Vater war der Hof- und Kammerjuwelier Franz Michael Smitmer, ab dem 30.6.1740 "Ritter von Smitmer"; er war zusammen mit seinem Bruder Jacob (Josef?) in den Ritterstand erhoben worden. Bereits 1719 war ein anderes Familienmitglkied als "Edler von Smitmer" geadelt worden, der kaiserliche Hofgoldarbeiter und Juwelier Paul Smitmer, zusammen mit seinem Bruder Michael Joseph Smitmer. 

Sohn Franz Paul schlug eine geistliche Laufbahn ein, trat 1760 in den Malteserorden ein, wo er es bis zum Priesterkomtur brachte. Er war außerdem Domherr des Wiener Metropolitan-Kapitels am Dom St. Stephan ab 1776 und wohnte im sogenannten Katharinastifthaus am Stephansplatz 6, später im sogenannten Zwettler Hof in der Wollzeile 4, wo er auch verstarb (heute Zugang zum Dommuseum). Privat engagierte sich Franz Paul Ritter von Smitmer sehr für seine Hobbies Heraldik und Epigraphie. Er sammelte Inschriften, insbesondere Grabinschriften und brachte das 14-bändige Werk "Collectanea historica Austriaca" mit zahlreichen Abschriften von Urkunden und Inschriften heraus. Da er darin auch Adelsgeschlechter und deren Wappen dokumentierte, ist dieses Werk eine äußerst wichtige Quelle für die Stadt- und Landesgeschichte. Weil man etliche, insbesondere zerbrochene Grabdenkmäler später als Baumaterial verwendete, kennen wir manche Inschriften nur aus Franz Paul Smitmers Abschrift des heute verschollenen, um 1630 begonnenen sogenannten Codex Trautsonianus (ÖNB, Cod. series nova 12781). Auch manche sonst nicht belegten Wappen kennen wir nur aus seinen Skizzen. 

Siegel sammelte, katalogisierte und dokumentierte er ebenfalls, so erwarb er 1772 die alte Siegelsammlung des Sartorio Ursato (-1678) aus Padua, deren Erschließung er sich widmete. Und er sammelte weiter und vermehrte die Sammlung. Diese einzigartige Sammlung, die bei seinem eigenen Tode 9000 Exemplare umfaßte, gelangte über Umwege 1818 in den Besitz Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien. Auch die Geschichte der geistlichen Ritterorden, besonders des Malteserordens, war einer seiner Forschungsgegenstände. Postum erschien 1802 sein Werk "Literatur der geistlichen und weltlichen Militär- und Ritter-Orden überhaupt, sowie des Johanniter- und Malteserordens und seine Besitzungen insbesondere". 

Persönlich muß er ein sehr angenehmer Mensch gewesen sein, großmütig, bescheiden, ruhig, freundlich und mit stets offenem Ohr für die Anliegen seiner Mitmenschen und für Bedürftige. Er förderte z. B. Franz Haselmayer, der als Kutsch-Bediensteter bei ihm angefangen hatte und sein wißbegierigster Schüler wurde. Smitmer brachte ihm alles über Bücher und ihre Inhalte bei und verschaffte ihm eine Existenz als Buchhändler, mietete Räumlichkeiten, kümmerte sich um die Lizenz und unterstützte ihn, wo es nur ging, und er dankte es seinem ehemaligen Boss dadurch, daß er ein tüchtiger Antiquar und Münzsammler wurde. Franz Paul Ritter von Smitmer wurde nur 55 Jahre alt. Seine umfangreiche Bibliothek, die damals größte Sammlung von Melitensia (Bücher über den Malteserorden), wurde Bestandteil der Bibliothek der Malteserritter in Prag (Großpriorat Böhmen). Ein Verwandter des Exlibrisbesitzers, Jacob Michael Edler von Smitmer, war Bankier und Wechlser sowie ein bedeutender Bibliophiler in Wien.

Das Wappen ist unter einem roten, mit einem durchgehenden silbernen Balkenkreuz belegten Schildhaupt (Malteserorden) geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein blauer Schrägrechtsbalken, der mit einem sechszackigen goldenen Stern belegt ist, Feld 2 und 3: in Gold aus der unteren Begrenzung wachsend (in andferen Darstellungen auch schwebend möglich) ein schwarzer Mohrenrumpf mit silberner Kopfbinde mit abflatternden Bändern, auf der Herzstelle ohne weitere Begrenzung belegt mit einem silbernen Stockanker (Admiralitätsanker). Dazu wird der Hauptschild unterlegt von einem achtspitzigen silbernen Kreuz (mit angedeutetem Schattenwurf auf dem Hintergrund) mit goldener Perlenkette mit abhängendem silbernen Malteserkreuz. Hier wird das Wappen ohne Oberwappen, aber mit einer Blatt- oder Laubkrone überhöht. Von seinem Verwandten, Jacob Michael Edler von Smitmer, ist eine Darstellung mit zwei gekrönten Helmen bekannt, Helm 1 (rechts): zu blau-silbernen Decken ein silberner Stockanker (Admiralitätsanker) zwischen einem Flug, Helm 2 (links): zu schwarz-goldenen Decken ein schwarzer Mohrenrumpf mit silberner Kopfbinde mit abflatternden Bändern zwischen einem Paar Büffelhörner. 

Literatur, Quellen und Links:
Renate Kohn: Wiener Inschriftensammler vom 17. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert, Dissertation Universität Wien, Wien 1972, S. 78 ff.
Franz Paul Smitmer im Wiener Geschichts-Wiki:
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Franz_Paul_Smitmer
Siegelsammlung: Österreichisches Staatsarchiv AT-OeStA/HHStA Siegelsammlung Smitmer-Löschner
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=1151
Österreichisches Staatsarchiv: Collectanea Historica Austriaca AT-OeStA/HHStA HS W 50/6
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?id=4146533
Eintrag im BLKÖ:
https://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Smitmer,_Franz_Paul_Edler_von
Bibliothek der Prager Malteser:
https://fabian.sub.uni-goettingen.de/fabian?Prag_Malteserrritter
Malteserorden im Historischen Lexikon Bayerns:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Johanniterorden/Malteserorden

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