Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 51
Würzburg (Unterfranken)

Kurie Heideck - der Hof des Erhard von Lichtenstein

Die ehemalige Kurie Heideck liegt in der Domerschulstraße 1. Die zweimal leicht geknickte Fassade der zweigeschossigen Vorderseite folgt den Straßen Domerschulstraße und Am Bruderhof. Gegenüber dem hier besonders relevanten Hauptportal liegt die Einmündung der Plattnerstraße. Rückwärtig sind mehrere Flügel angebaut, die einen L-förmigen Innenhof einschließen. Am Südflügel ist vorspringender polygonaler Renaissance-Treppenturm mit Zwiebelhaube angebaut. Es handelt sich um eine ehemalige Domherrenkurie, die im damaligen Kurienviertel eng eingebunden war in die Bebauung mit Höfen geistlicher Herrschaften: Gegenüber liegt der Marmelsteiner Hof auf der anderen Straßenseite, südlich grenzte die Kurie Seebach an, und nördlich die beiden Kurien Tannenberg und Vituli, die bis zur Ebracher Gasse reichten.

Die Bebauung ist eine Mischung aus historischen Trakten und modernen Bauten, denn auch dieser Domherrenhof wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört; das Portal zur Domerschulstraße hin blieb jedoch bei der Bombardierung Würzburgs stehen und ist noch originale Substanz. Beim Wiederaufbau wurde Vieles verändert, die gesamte Kurie ist jetzt Bestandteil der Theresienklinik. In den straßenseitigen Trakten rechts und links des hier beschriebenen Schmuckportals ist eine der drei Würzburger Fachärztlichen Bereitschaftspraxen eingerichtet. 

Die Kurie Heideck hat viele Namen: Es finden sich die lateinische Bezeichnung Curia in qua sita est Cappella sanct(a)e Margareth(a)e. Im Mittelalter besaßen vier Mitglieder der Familie von Trimberg den Hof, der Scholasticus Goswin von Trimberg und der Scholasticus Poppo von Trimberg 1195, der Dompropst und spätere Fürstbischof Poppo III. von Trimberg, und schließlich Berthold von Trimberg. Deshalb wurde das Anwesen bis in die erste Hälfte des 14. Jh. als Kurie Trimberg bezeichnet. In der zweiten Hälfte des 13. Jh. wird das Anwesen nach dem damaligen Besitzer Andreas von Gundelfingen als Kurie Gundelfingen benannt. In dem Testament des Domherren Marquard von Heideck, von dem sich der übliche Name ableitet, datiert vom 12.5.1354, findet sich diese Bezeichnung. Die prägendsten Besitzer kamen aus der Familie von Lichtenstein, die das Anwesen ab der Mitte des 15. Jh. abgesehen von kurzen Unterbrechungen fast zweihundert Jahre lang besaß; die Gebäude wurden 1626 vom Kanoniker Erhard von Lichtenstein erbaut, und auf ihn ist die Heraldik des im Stil des Frühbarocks erbauten Hauptportals zugeschnitten. Danach wird sie als Kurie Lichtenstein bezeichnet. Der Domherr Franz Anton von Reinach-Steinbronn (12.1.1755-1.5.1830), der auch Domherr in Basel und Propst zu Izstein war, bewohnte das Anwesen in der Zeit der Säkularisation. Er wurde am 4.11.1821 erster Würzburger Dompropst nach dem Wiederaufbau der kirchlichen Strukturen. Danach gehörte das Anwesen zeitweise Ende des 19. Jh. Max Freiherr von Zandt, deshalb wird es auch noch als Zandt'scher Hof bezeichnet. Danach folgten sehr unterschiedliche Nutzungen, als Institut der englischen Fräulein, als höhere Töchterschule der Fräulein Thoma, sogar als Reitschule und Fahrradbahn. Das rückwärtig angrenzende Kloster der Töchter vom allerheiligsten Erlöser (sogenannte Ebracher Schwestern) kaufte das Anwesen 1930 und machte es nach dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1953 zum Bestandteil der von ihm betriebenen Theresienklinik.

Das Hauptportal der Kurie Heideck ist in Fugenschnitt-Rustika mit radialen Fugen um das bogenförmige Portal und mit zwei Lisenen an den Seiten und reichlich Wappenschmuck ist eine Arbeit des Bildhauers Michael Kern d. J. Der Keilstein trägt eine groteske Maske. Über dem kräftig profierten, im Bereich der beiden Pilaster verkröpften Gesims erhebt sich ein Aufsatz, dessen rechteckige untere Zone eine von zwei schneckenförmig eingerollten Voluten flankierte Inschrift des Wortlauts "ERHARDVS A LIECHTENSTEIN / CANONIC(VS) SENIOR, SCOLASTIC(VS) & IVBILAE(VS) F(IERI) F(ECIT) / M D C XXVI" trägt. Der Aufsatz wird mit einem gesprengten Giebel abgeschlossen, dessen bogenförmige Teilstücke ebenfalls zur Mitte hin schneckenförmig eingerollt sind. Auf den beiden Giebelteilstücken lagern geflügelte Putten, die ein bogenförmig gespanntes dickes Fruchtgebinde halten und beide den Blick nach rechts gedreht haben. Im Zwischenraum schaut ein geflügelter und gelockter Engelskopf den Betrachter frontal an; er fügt sich in den Bogen des Frucht-Festons. Über dem mittleren Engel ist das plastische Vollwappen von Erhard von Lichtenstein angebracht, der von Knorpelwerk gerahmte ovale Schild ist von Rot und Silber im Zackenschnitt geviert, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken werden zwei rote Büffelhörner geführt, die außen mit je einer Reihe Straußenfedern besteckt sind. Über den Pilastern erheben sich seitlich zwei Obelisken auf Podesten.

Die Familie von Lichtenstein, zu den alten Reichsrittergeschlechtern Frankens gehörig, trägt ihren Namen nach der Burg Lichtenstein in den Haßbergen. Der erste urkundlich bewiesene Vertreter des Geschlechtes ist Apel von Lichtenstein 1336. Die Familie hatte ihre meisten Güter als Würzburgisches Lehen im Ritterkanton Baunach. Neben Würzburger suchten die Herren von Lichtenstein auch Bamberger Dienste, später auch die der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth und der Herzöge von Sachsen-Coburg. Auch der Deutsche Orden hat Lichtensteiner in seinen Reihen, mit Konrad von Lichtenstein auch einen Großkomtur in Preußen. Im Ritterkanton Baunach stellte die Familie mit Veit von Lichtenstein, Adam Heinrich Gottlieb von Lichtenstein und Friedrich Karl von Lichtenstein mehrere Ritterhauptleute. Mit dem Deutschen Orden verbreitete sich die Familie auch in Ostpreußen. In Franken aber, dem Hauptsiedlungsgebiet der Herren von Lichtenstein, spaltete sie sich in viele Linien auf. Das Geschlecht, das erst 1827 den Freiherrentitel annahm, starb 1908 mit Robert von Lichtenstein aus.

Der hier als Bauherr auftretende Erhard von Lichtenstein (5.5.1558-23.12.1632) wurde am 29.11.1566 Domherr (Domizellar) auf der Präbende, die zuvor Johann Adam von Grumbach innegehabt hatte. 1574 ist er an der Universität Dillingen immatrikuliert, 1576 an der Universität Ingolstadt. Die Subdiakonsweihe erfährt er am 9.6.1582. Im Jahre 1581 wurde er ins Domkapitel aufgenommen. Er wurde 1584 Domkustos und 1610 Domscholaster, schließlich 1611 Jubiläus. Neben diesen Positionen am Domstift war er auch noch von seiner Wahl am 13.2.1599 an bis zu seinem Tod 1632 Propst am Ritterstift St. Burkard, wo er seit 1598 ein Kanonikat innehatte, und von seiner Wahl am 16.5.1608 an ebenfalls bis zu seinem Tod Propst am Neumünsterstift Würzburg. Außerdem wurde er 1684 Landrichter des Herzogtums in Ostfranken und blieb es bis 1609. Außerhalb Würzburgs sah man ihn seit dem 22.5.1558 bis 1608 auch als Domherrn in Bamberg. Erhard von Lichtenstein starb durch Kriegseinwirkungen während des 30jährigen Krieges; er war der einzige Domherr, der zur Zeit der schwedischen Besatzung in der Stadt Würzburg geblieben war, während alle anderen das Weite gesucht hatten, und diese Treue bezahlte er mit seinem Leben. Sein Grabstein ist im Würzburger Domkreuzgang zu finden.

Im Gebälk unterhalb des Hauptgesimses befindet sich eine aus insgesamt acht Wappenschilden bestehende Ahnenprobe für Erhard von Lichtenstein. Die Reihenfolge ist keine logische mehr, die Schilde wurden bei der Wiederherstellung in einer unlogischen Abfolge angebracht. Die Eltern sind nämlich Philipp von Lichtenstein zu Lahm (1) und Anna Felicitas von Sternberg (2). Diese beiden müßten eigentlich entweder auf äquivalenten, also symmetrischen Plätzen angeordnet sein oder benachbart oder sonstwie in eine Beziehung gesetzt werden, daß ihr unmittelbarer Zusammenhang klar und deutlich wird. Die Großeltern sind Erhard von Lichtenstein zu Lahm (1), Anna von Hutten zu Frankenberg (3), Hans von Sternberg (2) und Anna von Eyb (4). Und die auf der Ebene einer 8er-Ahnenprobe relevanten Urgroßeltern sind Martin von Lichtenstein (1), Felicitas von Rotenhan (5), Bartholomäus von Hutten (3), Anna von Steinau gen. von Steinrück (7), Friedrich von Sternberg (2), Felicitas von Egloffstein (6), Georg Ludwig von Eyb (4) und Katharina Stiebar von Buttenheim (8). Eine logische Reihenfolge wäre 7-5-3-1 // 2-4-6-8 oder 1-3-5-7 // 8-6-4-2, oder 1-3-5-7 // 2-4-6-8 oder zur Not auch 1-2-3-4 // 5-6-7-8, was die Linkswendung der Wappen 2 und 3 erklären würde. Hier sehen wir jedoch die Reihenfolge 1-8-3-2 // 4-7-5-6, was erratisch ist, vermutlich hat man die Wappen bei der Restaurierung so aufgehängt, wie sie gerade in die Hände genommen wurden. Dabei gibt es einen Vergleichsstein, wo die 4er-Ahnenprobe richtig und korrekt anhand der Wappenreihenfolge auf Großelternebene nachvollziehbar ist, die genannte Grabplatte im Würzburger Domkreuzgang, nur 200 m Luftlinie entfernt.

Im Detail schauen wir uns die Wappen also in der falschen Reihenfolge von optisch links nach rechts an, erst die linke Gruppe, dann die rechte: Der erste Schild wiederholt das bereits zuvor beschriebene Lichtenstein-Wappen und steht für den Vater, Philipp von Lichtenstein, sowie für den Großvater väterlicherseits, Erhard von Lichtenstein, und dessen Vater Martin von Lichtenstein. Der zweite Schild trägt das Wappen der von Stiebar zu Buttenheim, silbern-schwarz geteilt mit einer aus der Teilung emporwachsenden roten Saufeder mit goldener Parierstange, und steht für die Urgroßmutter Katharina Stiebar von Buttenheim. Der dritte Schild zeigt das linksgewendete Wappen der von Hutten, in Rot zwei goldene Schrägbalken, und steht für die Großmutter Anna von Hutten zu Frankenberg und den Urgroßvater Bartholomäus von Hutten. Der vierte und letzte Schild der linken Gruppe zeigt das linksgewendete Wappen der bei Königshofen beheimateten von Sternberg, in Blau ein silberner Schrägbalken, und steht für die Mutter, Anna Felicitas von Sternberg, für den Großvater mütterlicherseits, Hans von Sternberg, und für dessen Vater Friedrich von Sternberg.

In der rechten Gruppe zeigt der fünfte Schild das Wappen der von Eyb, in Silber drei (2:1) rote Jakobs- oder Pilgermuscheln; er steht für die Großmutter mütterlicherseits, Anna von Eyb, und ihren Vater Georg Ludwig von Eyb. Der sechste Schild zeigt das Wappen der von Steinau gen. Steinrück, in Silber drei (2:1) schwarze Wagenräder, und steht für die Urgroßmutter Anna von Steinau gen. von Steinrück. Der siebte Schild trägt das Wappenbild der von Rotenhan, in Silber ein roter Wellenschrägbalken, im linken Obereck ein roter, sechsstrahliger Stern. Hier steht er für die Urgroßmutter Felicitas von Rotenhan, Ehefrau von Martin von Lichtenstein. Der achte und allerletzte Schild dieser Reihe trägt das Wappen der von Egloffstein, in Silber Kopf und Hals eines schwarzen Bären mit roter Zunge, und steht für die Urgroßmutter Felicitas von Egloffstein, die Ehefrau von Friedrich von Sternberg.

Ein weiteres Wappen für diesen Domherrn Erhard von Lichtenstein finden auf der Innenseite des Straßengebäudes (Westflügel), eine Muschelnische zwischen zwei Türen deckend. Im gesprengten Segmentbogengiebel trägt eine Inschriftentafel mit dem Wortlaut "ERHARDVS A / LICHTENSTEIN / CANONIC(VS) SENIOR / SCOLASTIC(VS) ET / IVBILAE(VS) FIERI FECIT / ANNO MDCXXV" auf ihrem Abschlußgesims das aufwendige Vollwappen. Auch hier sehen wir insgesamt drei geflügelte Putten, zwei an den Seiten vollständig als Kartuschenhalter und einer oben in der Mitte nur als Engelskopf.

 

Links vom Portal ist ein zweiter Wappenstein eingemauert. Er ist deutlich älter als das Portal und stammt noch vom Vorgängerbau. Er hat die Form einer kleinen Aedikula, mit einer zentralen Wappenzone, einer unten abgesetzten Inschriftenzone ("Johann von Liechtenstein Domher(r) / zu Wirczberg und Landrichter des / Herzogthums zu Francken / 15 .."), zwei seitlichen Pilastern und einem mit einer Muschelrosette ausgefüllten Bogenaufsatz. Bogen und Pilaster werden oben je mit einer Kugel abgeschlossen. In den vier Ecken befinden sich insgesamt vier Ahnenwappenschilde, die mit einem kleinen Schriftband den Familien zugeordnet sind, was heute z. T. nur noch schwer lesbar ist. Johann von Lichtenstein führt das zentrale Vollwappen wie oben beschrieben. Er bekam 1490 eine Dompräbende, wurde 1505 Landrichter und Domkustos, und 1535 wurde er Jubiläus. Verstorben ist er am 20.11.1538.

 

Seine Eltern waren nach Salver Heinz von Lichtenstein (heraldisch oben rechts, "LIECHTE STEI", wie beschrieben) und eine Frau von Wallenrode (heraldisch oben links, "WALN ROT", in Rot eine silberne, lilienartig verzierte, viereckige, auf die Ecke gestellte Gürtelschnalle mit durchgezogenem bzw. durchgestecktem Dorn). Die vier Großeltern waren nach Salver ein Herr von Lichtenstein und eine Frau Hund von Wenkheim sowie ein Herr von Wallenrode und eine Frau von Raveneck.

Salver bildet eine Grabplatte ab, auf der drei Wappen mit der hiesigen Wappenaedikula übereinstimmen, das vierte und letzte Wappen heraldisch unten links allerdings in seiner Zeichnung einen schwarzen Schrägbalken in silbernem Feld hat. Hier ist das vierte Wappen identisch mit dem dritten und zeigt auch das Wappen der von Wenkheim. Hier irrt Salver, denn er bildet das Wappen der von Wenkheim (2 Flügel) ab, nennt aber die Hund von Wenkheim (Pferdekopf) als Familie. Auf der Wappen-Aedikula der Kurie ist jedenfalls das Wappen der von Wenkheim ("WENK HAIM", schlecht lesbar, eher wie WEST HAIM) heraldisch rechts unten angebracht, in Gold ein rechts schwarzer, links roter Adlerflug. Und links unten sieht man es ebenso mit der gleichen Inschrift. Biedermanns Angaben sind noch weniger hilfreich, denn er gibt (Baunach, Tafel 106) als Mutter Walburga von Grumbach an, was anhand der Befunde sicher ausgeschlossen ist.

   

Rechts vom Portal ist ein dritter Wappenstein eingemauert. Auch er ist Aedikula-förmig mit einer Muschelrosette im bogenförmigen Giebel, aber es gibt mehrere Unterschiede. So sind hier die drei abschließenden Kugeln gerippt und mit einem "Äquator" umlegt, in der Muschelrosette ist ein Medaillon eingefügt, und die Ahnenprobe besteht aus acht Schilden. Die Inschrift lautet: "Michel Vom Lichtenstein Thumbhe(rr) / Propst Des Stiffts Neuen müns/ter Landrichter Und Scholastic(us) 1556". Michael von Lichtenstein wurde nach Salver am 3.12.1532 als Domherr aufgenommen und resignierte wieder am 10.12.1533, vermutlich eine Verwechslung mit einem gleichnamigen Verwandten, denn dann könnte er nicht in der Inschrift als Domherr bezeichnet werden. Nach Wendehorst jedenfalls wurde er am 16.3.1532 in Bamberg tonsuriert und am 10.12.1533 in Würzburg als Domizellar aufgenommen. Er studierte in Heidelberg und in Ingolstadt. Am 14./15.6.1549 empfing er in Würzburg die niederen Weihen. 1550 wurde er Domkapitular. Von 1555 bis 1574 war er Propst am Neumünster. Die Diakonsweihe erhielt er am 13.4.1566 in Bamberg. Im Jahre 1555 wurde er Landrichter. 1555-1564 war er Domscholaster in Würzburg. Er hatte außerdem noch ein Kanonikat in Bamberg und war dort ab 1561 Dompropst. Er verstarb am 28.3.1574 in Bamberg und wurde in der Nagelkapelle des Bamberger Doms bestattet.

Nach Salver waren seine Eltern Valentin von Lichtenstein (1) und Felicitas Förtsch von Thurnau (2), dito bei Wendehorst. Die Großeltern waren Heinz von Lichtenstein (1) und Walburg von Grumbach (3) väterlicherseits sowie Martin Förtsch von Thurnau (2) und Margareth Stein vom Altenstein (4) mütterlicherseits. Die acht Urgroßeltern waren Peter von Lichtenstein (1), Barbara von Heßberg (5), Eberhard von Grumbach zu Rimpar (3), Margareth Zollner von der Hallburg (7), Albrecht Förtsch von Thurnau (2), Agnes von Künsberg (6), Wilhelm Stein vom Altenstein (4) und Anna Zöllner von Rotenstein (8). Hier ist die Anordnung nicht rechts 1-3-5-7 und links 2-4-6-8, sondern links 1-3-7-5 und rechts 2-4-X-6, wobei aber als Nr. 8 hier das Wappen der von Grumbach auftaucht, nicht das Wappen der Zöllner von Rotenstein nach Salvers Ahnenangabe. Biedermanns Angaben (Baunach Tafel 106-107) sind teilweise übereinstimmend mit denen bei Salver, widersprechen aber an anderer Stelle der Wappentafel (statt Stein vom Altenstein irrig von Schaumberg, Margaretha von Stein zum Altenstein mit anderem Ehemann). Mit diesem Michael von Lichtenstein zu Hohenstein und Waßmuthshausen starb diese Linie lt. Biedermann aus.

Jedenfalls sehen wir auf dem Wappenstein in der Mitte das große Vollwappen der von Lichtenstein, oben begleitet von den Abzeichen zweier ritterlicher Orden, und an den Seiten folgende Einzelschilde: heraldisch rechte Seite, von oben nach unten: von Lichtenstein ("Lichdestei", wie oben) von Grumbach ("Grubach", gewendet, in Gold ein schreitender nackter schwarzer Mohr, in der ausgestreckten Rechten drei gestielte rote Rosen haltend), Zollner von der Hallburg ("Halburg", in Rot ein silberner Rüdenkopf mit goldenem Halsband mit Ring, gewendet) und von Heßberg ("Hessberg", gespalten, rechts in Silber drei rote Rosen pfahlweise, links fünfmal silbern-rot geteilt). Auf der heraldisch linken Seite sehen wir von oben nach unten die Einzelschilde der Förtsch von Thurnau ("Fortsch", im Zackenschnitt von Rot und Silber schräggeteilt, hier abweichend schräglinks), der Stein vom Altenstein ("Altestei", in Rot drei (2:1) silberne Streithämmer), von Grumbach ("Grubach", wie oben, nur nicht gewendet) und von Künsberg ("Künsperg", in Blau eine eingebogene silberne Spitze).

Die beiden Ordensabzeichen stehen für zwei typische Kreuzritterorden, bei denen man auf Pilgerreisen ins Heilige Land eine Mitgliedschaft erwarb. Das eine Symbol steht für den Ritterorden vom Hl. Grab, ein rotes Krückenkreuz, welches von vier kleinen roten griechischen Kreuzen bewinkelt ist, das am höchsten angesehene Abzeichen, das man nach dem Besuch des Heiligen Grabes erwerben konnte. Das andere Symbol mit dem halben Rad steht für den St. Katharinen-Orden der Pilger zum Katharinenkloster auf dem Sinai. Michael von Lichtenstein hat diese Pilgerreise im Jahre 1551 unternommen und ist danach wieder heil nach Würzburg zurückgekehrt.

Wenn man den Innenhof des Geländes betritt, findet man zwei weitere Wappensteine aus der späteren Besitzgeschichte des Anwesens. Am Ostflügel ist in einem gesprengten Dreiecksgiebel ein auf das Jahr 1675 datierter Wappenstein aus Sandstein für den Domdekan Franz Christoph von Rosenbach (8.9.1630-23.3.1687) angebracht. Die Inschrift auf dem zweimal gefalteten Schriftband lautet: "FRA: CHR: A: ROSENBACH DEC:". Dieser in Rheinfelden geborene Domherr war der Sohn von Dieterich Melchior von Rosenbach, Kommandant zu Rheinfelden, und dessen Ehefrau Maria von Rhein. Seine Großeltern väterlicherseits waren Adam Hector von Rosenbach (17.4.1563-16.7.1633) und dessen Frau, Esther von Schönau.

 

Das Wappen der Herren von Rosenbach ist von Silber und Schwarz geteilt, oben aus der Teilung hervorkommend ein schwarzer, rotgezungter, golden gekrönter und doppelschwänziger Löwe, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken zwischen zwei silbern-schwarz geteilten Büffelhörnern ein wachsender, schwarzer, rotgezungter, golden gekrönter Löwe. 

Am Gartenhaus ist ein weiterer Wappenstein über einer vermauerten Tür zu finden. Das auf 1681 datierte Wappen des Domdekans Franz Christoph von Rosenbach ist über dem Eingang dieses zweigeschossigen Giebelbaus angebracht (wie zuvor beschrieben). Die in erhabenen Buchstaben angebrachte Inschrift lautet: "FRANTZ CHRISTOPH VON / ROSENBACH DOMBDECHANDT / VND BEEDER NEBEN STIFF/TER ZV HAVG VND NEVEN/MVNSTER PROPST 1681". Er wurde am 20.9.1639 Domizellar in Würzburg. Dann studierte er in Freiburg im Breisgau und in Würzburg. Am 6.10.1651 trat er auf Empfehlung des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn in Rom in das Collegium Germanicum ein, wo er bis 1653 blieb und es am 7.10. als Diakon verließ. 1654 wurde er Domkapitular in Würzburg. Daneben war er auch noch ab 1655 Kapitular auf der Großcomburg und hatte dort ab 1663 eine Kustodie. Die Inschrift gibt an, daß er nicht nur Domdekan (28.3.1673-1687), sondern auch Propst sowohl von Stift Haug (1672-1687) als auch vom Neumünsterstift (18.2.1672-1687) war. Alle Ämter und Pfründen hatte er bis zuletzt inne. Er wurde im Würzburger Dom bestattet.

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.7922703,9.9322408,20z - https://www.google.de/maps/@49.7922703,9.9322408,84m/data=!3m1!1e3
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Kurie Heideck im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Kurie_Heideck
Jörg Lusin: Die Baugeschichte der Würzburger Domherrnhöfe, hrsg. vom Verein Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V. Würzburg / Würzburger Diözesangeschichtsverein, Würzburg 1984
Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 470-471, S. 327-328, S. 397-399
Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Baunach
http://books.google.de/books?id=ayZRAAAAcAAJ
Genealogie: http://wwperson.informatik.uni-erlangen.de/cgi-bin/l1/LANG=fran/INDEX=I561222 ff.
Alfred Wendehorst, Germania sacra, NF 40 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 6, die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg, Berlin/New York 2001, S. 217 und 276. Online:
http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F, http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F/NF%2040%20Wendehorst%20St.%20Burkhard.pdf, http://personendatenbank.germania-sacra.de/books/view/54
Alfred Wendehorst, Germania sacra, NF 26 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 4, Das Stift Neumünster in Würzburg, Berlin/New York 1989, S. 320, online:
http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B und http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B/NF%2026%20Wendehorst%20Stift%20Neum%c3%bcnster%20W%c3%bcrzburg.pdf
Franz Christoph von Rosenbach im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Franz_Christoph_von_Rosenbach
Felix Mader: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern Dritter Band, Die Kunstdenkmäler von Unterfranken & Aschaffenburg, 12. Teil, Stadt Würzburg, Oldenbourg Verlag, München 1915, 709 S., S. 575, Anmerkung 1 mit weiterem Literaturverweis
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Peter Kolb für wertvolle Hinweise zu den Pilgerabzeichen

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