Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 56
Würzburg (Unterfranken)

Die Festung Marienberg in Würzburg, Teil (4): Umbau zur Festung, innerer und äußerer Schönbornring


Der Dreißigjährige Krieg und die Eroberung Würzburgs bringen die Trendwende
Nach Julius Echter von Mespelbrunn kamen drei Fürstbischöfe, die allesamt nicht mit ihren Wappen an den Gebäuden der Festung vertreten sind: Johann Gottfried I. von Aschhausen (reg. 1617-1622), Philipp Adolph von Ehrenberg (reg. 1623-1631) und Franz von Hatzfeld (reg. 1631-1642). Diese drei Fürstbischöfe regierten während des Dreißigjährigen Krieges. Die Lust zum prachtvollen Bauen war ihnen durch die Kriegsereignisse vergangen, aber noch keiner von ihnen hatte den Antrieb zum weiteren Ausbau der Befestigungsanlagen. Es war aber schnell offensichtlich, daß nur die beiden unter Julius Echter modernisierten Landesfestungen Marienberg und Königshofen einigermaßen zeitgemäße Verteidigungsanlagen darstellten, aber die Landeshauptstadt Würzburg selbst mit ihren alten Mauern in keiner Weise einem Angriff mit Geschützen widerstehen konnte, also nicht dem Standard der Zeit entsprachen. Einigermaßen zeitgemäß bedeutet, daß auch die Landesfestung Marienberg nicht wirklich verteidigungsstark war, weil man wegen der eingerissen Vorwehr noch 1622 ungehindert bis vor das Echter-Tor kommen konnte.

Einen Höhepunkt konnte Johann Gottfried I. von Aschhausen, der am 19.12.1598 die niederen Weihen von Julius Echter persönlich in der Schloßkirche auf dem Marienberg erhalten hatte, am 22.9.1619 erleben, als Ferdinand II. auf der Rückreise von seiner Krönung zwei Tage in Würzburg Station machte und ihn auf dem Schloß Marienberg mit den Regalien der Hochstifte Würzburg und Bamberg belehnte. Das war die vorletzte persönlich entgegengenommene Belehnung mit dem fränkischen Herzogstitel für einen Würzburger Fürstbischof. Sein Nachfolger, Philipp Adolph von Ehrenberg, blieb fast seine ganze Amtszeit auf dem Marienberg und verließ ihn nur selten. Franz von Hatzfeld wurde dann von der Wucht des Krieges eingeholt. Eiligst in die Wege geleitete Verteidigungsmaßnahmen nützten da auch nichts mehr: Das schwedische Heer König Gustav Adolfs rückte Mitte 1631 an, und im Grunde hatte Würzburg nichts Wirksames dem entgegenzusetzen. Am 10.10.1631 eroberten schwedische Truppen Königshofen, die zweite Landesfestung. Schweinfurt war Fehlanzeige, denn die nur 200 Mann starke kaiserliche Garnison der Stadt zog sich auf die Festung Marienberg zurück. Franz von Hatzfeld war nach Köln geflohen, und die Stadt Würzburg lag schutzlos da mit veralteten Mauern. Entsprechend übernahmen die Schweden die Stadt am 14.10.1631, die angesichts des kläglichen Verteidigungssystems widerstandslos übergeben worden war. Die Landesburg Marienberg wurde berannt, 4 Tage später als die Stadt eingenommen und geplündert, wobei der Oberschultheiß Sigismund Joachim Truchseß von Henneberg und die beiden Garnisonsgeistlichen, die Kapuziner Leopold von Gumppenberg und Pater Simon den Tod fanden. Und es kam noch schlimmer: Axel Oxenstierna, schwedischer Kanzler, gab am 20.6.1633 das aus den Fürstbistümern Würzburg und Bamberg gebildete Herzogtum Franken Bernhard Herzog von Sachsen-Weimar zu Lehen.

Das Kriegsglück der Schweden wendete sich 1634, denn sie erlitten in der Schlacht bei Nördlingen eine vernichtende Niederlage. Am 14.10.1634 konnte die Stadt Würzburg von der kaiserlich-katholischen Seite zurückerobert werden, erst einmal nur die Stadt. Franz von Hatzfeld betrat am 23.12.1634 wieder die Stadt, der Marienberg war aber noch in schwedisch-sächsischer Hand. Albert IV. von Törring, der dort gefangengehaltene Regensburger Bischof, vermittelte am 15.1.1635 einen Akkord zur gewaltlosen Übergabe des Marienberges an die katholisch-kaiserliche Seite und zum Abzug der Garnison. Zurück blieb ein verwüstetes Schloß, so daß der Fürstbischof und sein Hof in der Stadt residieren mußten. Es ist nicht klar, wo genau sich der Hof befand, eventuell im Juliusspital oder in einem der Domherrenhöfe. Diese traumatische Erfahrung für das geistliche Fürstentum, die Eroberung Würzburgs und die kurzfristige Umwandlung in ein weltliches Herzogtum, brachte die Wende im Denken, einen Richtungswechsel im Bewußtsein und in den Staatszielen: Definierte sich bisher die Herrschaft über das Hochstift vorrangig konfessionalistisch, traten nun das Kriegswesen und das militärstaatliche Element an oberster Stelle hinzu. Der Staat widmete sich fortan mit aller Kraft dem Ausbau der Landesfestungen Königshofen im Grabfeld und Marienberg und der Würzburger Stadtbefestigung, wobei erbeutete schwedische Pläne eine hilfreiche Grundlage waren, um die aktuellen Prinzipien der Festungsarchitektur der Zeit auf sich selbst anzuwenden. Der Marienberg wurde nun mit einem barocken Bastionssystem versehen, mit fünfeckigen, spitz zulaufenden Bastionen und Kurtinen dazwischen. Geschickt wurde die Böschung des Geländes in die neue Architektur einbezogen. Aber nicht nur die Festungsarchitektur wurde damit auf eine ganz neue Grundlage gestellt, sondern auch die Organisation des Heeres bis hin zur dauerhaften Armierung wurde auf eine ganz neue Grundlage gestellt. Der erste Fürstbischof, der sich mit Eifer in die Verwirklichung dieses neuen Staatsziels stürzte, war Johann Philipp I. von Schönborn (reg. 1642-1673), und deshalb ist sein Wappen an den barocken Befestigungsanlagen omnipräsent. In den nachfolgenden Abschnitten begleiten wir ihn bei seinem Festungsausbau.


Eine Übersicht über die barocken Befestigungen und Bastionen
Das Rechteck des Hochschlosses zusammen mit seinen beiden Vorburgen wird von einem System mit insgesamt sechs Bastionen eingefaßt, die mit den dazwischen liegenden Mauerzügen ein geschlossenes System bilden, den inneren Schönbornring. Im Nordosten liegt die Bastion St. Johann Nepomuk, im Südosten die Bastion St. Johann Baptist. Im Nordwesten liegt die Bastion Bellona, und im Südwesten liegt die Bastion Mars, beide pfeilförmig vorspringend. Dazwischen liegt in der Mitte der Südflanke die Bastion St. Nikolaus, und auf der Nordseite ist es etwas komplizierter, denn hier liegt das Schönborntor, einziger mit Wagen befahrbarer Zugang, flankiert von der Bastion Werda mit einem Wachhaus aus dem 18. Jh., heute Schänke zur Alten Wache mit Biergarten, westlich und der Bastion Caesar östlich. Die Breite des Schönborntors innen zwischen den Prallsteinen beträgt 2,80 m, die Torhöhe bis zum Bogenscheitel 3,85 m. Es gibt noch eine zweite Passiermöglichkeit durch diesen Befestigungsgürtel, das ist die Untere Schönbornsche Ausfallpforte, die in der Mitte des Ostteiles der Nordflanke den Weg von der Oberen Schönbornschen Ausfallpforte weiterleitet ins Vorfeld.

Die nächstäußere Zwiebelschale ergänzt auf unregelmäßige Weise das innere Bastionssystem. Am einfachsten sind die Außenverstärkungen an der Südostecke: Von der Bastion St. Johann Baptist aus läuft eine aus zwei parallelen Mauern bestehende Befestigung den Hang hinunter bis zu einer fünfeckigen Eckbastion, dem Höllenschlund. Ein Wege führt durch die Weinberge unter der Verbindungsbefestigung hindurch. Bastion St. Nikolaus besitzt kein Außenwerk. Die Westseite besitzt zwei Bastionen, die eine Etage tiefer die beiden Bastionen des inneren Bereiches quasi nachzeichnen: Unterhalb von Bastion Mars und Bastion Bellona liegt der sogenannte Niederwall. Bei der Bastion Bellona führt das Innere Höchberger Tor durch den Niederwall. Seine Torbreite innen zwischen den Prallsteinen beträgt 3,10 m, die Torhöhe bis zum Bogenscheitel 3,60 m. Mehrere Außenwerke setzen die Befestigung nach Westen fort: Zwischen den beiden Bastionen liegt vorgerückt und isoliert das Reichsravelin, zur Feindseite spitzwinklig, zur Festungsseite stumpfwinklig, insgesamt viereckig im Grundriß. Das Reichsravelin wird flankiert von zwei trapezförmigen Werken, dem Werk Frankenland im Südwesten und dem Werk Teutschland im Nordwesten. Zwischen dem Niederwall und dem Werk Frankenland mündet der durch die Weinberge führende Weg zur Festung. Durch das Werk Teutschland führt das Äußere Höchberger Tor. Auf der Feindseite ist der Gegenwall, der die Außenform der drei vorgezogenen Werke nachzeichnet, komplett mit Futtermauern abgemauert.

Abb.: gebogener Torweg im Schönborntor, links Feldseite

Wer also von Westen her in die Festung hinein gelangen möchte, und das nicht als Fußgänger, sondern mit Wagen oder Geschützen etc., passiert nacheinander fünf Tore, erst das äußere Höchberger Tor, dann das Innere Höchberger Tor, um nach einer 90°-Wendung nach rechts zum Schönborn-Tor zu gelangen. In diesem Tor krümmt sich der Torweg um noch einmal 90°, um gerades Hindurchfeuern mit Geschützen zu verhindern, so daß man in Gegenrichtung den Greiffenclau-Hof betritt. Dort gelangt man, zunächst mit den Verteidigern auf der Echter-Bastion im Rücken, nach einer 180°-Kehre zum Echter-Tor, und nach Passieren des Echter-Hofes kommt man zur letzten Hürde, dem zwar spätmittelalterlichen Scherenbergtor, dessen altmodische Wehrtechnik dennoch recht effektiv ist, wenn zwischen dem Angreifer und dem Ziel der tiefe Graben liegt. Erst nach Passieren dieser Hürde gelangt man ins Herz der Anlage.

Abb.: Blick von Nordosten auf die Festung, Wappenfundstellen Nr. 64 und Nr. 65

Nach Nordosten hin ist das Bastionssystem ebenfalls komplex. Vor dem Schönborn-Tor liegt die Bastion St. Michael. Das Vorfeld vor Bastion Caesar und Bastion St. Johann Nepomuk aber ist weit den Hang hinuntergezogen, und mit großem Abstand folgen tiefer am Hang drei weitere Bastionen, im Norden die Bastion St. Sebastian, im Nordosten die Bastion St. Georg und im Osten die wenig ausgeprägte Bastion St. Carl, die auch als Luginsland bezeichnet wird, weil man hier eine schöne Aussicht auf die Altstadt Würzburgs hat. Durch den Wall zwischen Bastion St. Sebastian und Bastion St. Georg führt das Neutor, das architektonisch beste und schönste Tor der ganzen Festung mit exquisiten Torblenden innen und außen. Diese beiden Blenden sind nicht parallel, weil der Torweg eine leichte Biegung macht, um gerades Hindurchfeuern zu verunmöglichen. Vor dem Tor und den beiden angrenzenden Bastionen liegt ein tiefer Graben, über den eine steinerne, auf mehreren Bögen ruhende Brücke führt. Beiderseits trennen Mauern den Graben ab, der hier einen tiefen Zwinger bildet, denn die talseitige Böschung ist ebenfalls komplett abgemauert und läuft in stumpf dreieckigem Winkel auf die Brücke zu. Von den beiden Begrenzungen aus ziehen sich die verbleibenden Mauerzüge bis zum Anschluß an die Stadtbefestigung den Hang hinunter. Die ganze Strecke vom Werk Teutschland an Bastion St. Michael vorbei und an Bastion St. Sebastian vorbei wird durch Abmauerung des jenseitigen Walles ein weiterer tiefer Zwingerbereich geschaffen, durch den seit der Neugestaltung des Bereichs im Zuge einer Landesgartenschau ein Fußweg zur Talavera hinabführt.

Abb.: Neutor, S-förmig gewundener Torweg, hinten Ausgang zur Feldseite


Das Schloß wird unter Johann Philipp I. von Schönborn zur Festung
Johann Philipp I. von Schönborn (reg. 1642-1673) erlebte noch in seiner Regierungszeit die letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges. Der Marienberg hatte infolge der Erstürmung im Jahre 1631 schwere Zerstörungen erlitten. Schon in seinem ersten Regierungsjahr wurde beschlossen, die Befestigungen des Marienberges, der Stadt Würzburg und der Stadt Königshofen auszubauen. Der Fürstbischof einigte sich mit dem Domdechanten Johann Hartmann von Rosenbach, für diese Baukosten ein Jahr lang die Akzise-Einnahmen zu verwenden. 1643 verlangte man zusätzlich von den Klöstern und Stiften eine außerordentliche Sonderabgabe in Höhe eines Subsidium charitativum, dazu weitere materielle Sonderleistungen wie die Lieferung von Baustoffen, um den Ausbau der Befestigungen vorantreiben zu können. Außerdem nahm man bei den Baumaßnahmen Frondienste in Anspruch, wovon weder Untertanen des Domkapitels noch Ortschaften eine Befreiung erhalten konnten. Johann Philipp I. von Schönborn mußte dann erneut die Festung Marienberg und die Hauptstadt eilig vor heranrückenden Truppen in den Belagerungszustand versetzen. Im letzten Kriegsjahr, 1648, rückten im Frühjahr die Schweden und auch der französische Marschall Turenne erneut in das Hochstift ein. Kaiserliche Soldaten überfielen im selben Jahr den Fürstbischof mit seinem Hofstaat unweit Aschaffenburg, als dieser nach Mainz reiste, und plünderten die Reisegesellschaft rücksichtslos aus. Das Hochstift war mittlerweile völlig von den Kriegswirren und -kosten und von den meist strategie- und ergebnislosen militärischen Vorstößen erschöpft, und der Fürstbischof wollte nur noch Frieden. Im Jahr 1649 konnte er am vorletzten Tag des Jahres den Marienberg wieder beziehen. Er machte sich sofort an die Sicherung der Burg, wie die Datierung einiger Wappensteine auf das Jahr 1649 belegen, z. B. am Schönborntor und an der oberen Ausfallpforte. In der Nachkriegszeit ließ er die Kirche auf der Burg neu ausstatten. Außerdem ließ er den Fürstengarten auf der stadtseitigen ehemaligen Geschützplattform (Schütt) anlegen. Die Festung Marienberg ließ er bis 1670 weiter ausbauen, dabei entstand der Großteil des Bastionskranzes. Man muß sich damals den Marienberg als Großbaustelle vorstellen, mit einem geschäftigen Treiben im gesamten Umfeld, wo der Fürstbischof in großem Maßstab Grundstücke angekauft hatte oder unter Entschädigung der Eigentümer an sich genommen hatte, wo er im Weg stehende Bauten hatte abbrechen lassen, und wo am Fuß des Festungsberges etliche (groß)technischer Werke angelegt wurden, z. B. wurde die Gießhütte des Sebald Kopp für Glocken und vor allem für Geschütze 1658 privilegiert, und ein eigens angelegter Umlaufkanal am Mainufer betrieb mehrere Wassermühlen, die wiederum mechanische Energie für ein Geschützbohrwerk, eine Pulvermühle, eine Wasserpumpe und einen Lastenaufzug lieferten. Die Wappen des Bauherrn begleiten den Besucher an den Festungswerken auf Schritt und Tritt, in sehr unterschiedlichem Zustand von gut erhalten bis total verwittert und vollständig erneuert ist alles dabei.

Abb.: Schönborntor, Feldseite, Wappenfundstelle Nr. 58

Abb.: Schönborntor, Feldseite, Wappenfundstelle Nr. 58

Beginnen wir mit dem Schönborntor: Es war das einzige Tor, das durch den barocken Festungsgürtel führte. Früher gab es eine Quermauer zwischen der Bastion St. Michael und der Kurtine neben Bastion Werda. Der Zugang zur Schönborn-Festung erfolgte also noch nicht von Westen her, sondern von Norden durch das Neutor und den Berg hoch und dann durch das Schönborntor. Vor dem Tor gab es einen Graben mit kurzer Zugbrücke. Das Tor besitzt eine Rustikablende. Eine große groteske Fratze ziert den Schlußstein. Der Dreiecksgiebel wird von zwei flachen, genuteten Pilastern getragen. Das Schönborntor besitzt einen ansteigenden, um 90° gebogenen, viertelkreisförmigen Torweg, um zu verhindern, daß man mit Geschütz hindurchschießen kann. Es hat auf beiden Seiten Torflügel, so daß eingedrungene Feinde erst einmal in einer Sackgasse steckten, wenn sie das äußere Tor durchbrochen hatten. Am äußeren Tor, das einen Falz zur Aufnahme einer Zugbrücke besitzt, erkennt man direkt hinter den Torflügeln eine Führung für ein Fallgatter. Im Inneren des Torweges erkennt man ein weiteres Verteidigungselement, ein großes Gußloch in der Decke, durch das man auch nach unten feuern konnte.

Abb.: Schönborntor, Feldseite, Wappenfundstelle Nr. 58

Außen ist über dem Tor das Wappen von Johann Philipp I. von Schönborn angebracht (Wappenfundstelle Nr. 58). Der Schild ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes achtspeichiges Rad, Erzstift Mainz, Feld 2: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 3: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg, Herzschild: in Rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender, goldener, blau gekrönter Löwe, Stammwappen der Grafen von Schönborn. Der Schild wird von zwei ohrenförmigen Schmuckelementen seitlich und zwei zusammengeneigten Rollwerkschnecken oben eingefaßt. Die seitlichen Zwickel des Dreiecksgiebels werden von zwei kräftigen Knorpelwerkvoluten ausgefüllt. In der Kurtine befindet sich seitlich das Fenster des Wachlokals zum Beobachten der Ankommenden.

Abb.: Schönborntor, Innenseite, Wappenfundstelle Nr. 59

Abb.: Schönborntor, Innenseite, Wappenfundstelle Nr. 59

Ein zweites Wappen ist auf der Innenseite angebracht, das durch den darunter befindlichen Stein auf das Jahr 1649 datiert ist. Ein geflügelter Engel hält den Wappenschild mit den gleichen Inhalten wie zuvor beschrieben (Wappenfundstelle Nr. 59). Dieses Wappen ist eine Arbeit des Würzburger Bildhauers Zacharias Juncker d. Ä. Bei beiden Wappen des Schönborntors sind keine Amtsinsignien zu sehen.

Abb.: Schönborntor, Innenseite, Wappenfundstelle Nr. 59


Johann Philipp I. von Schönborn und der innere Schönbornring
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Schönborntor liegt die mächtige, nach Norden vorspringende Bastion Caesar (Bastion Schönborn), die den damals einzigen Zuweg zum Tor schützte. Auch hier ist ein Wappen von Johann Philipp I. von Schönborn mit den beschriebenen Inhalten angebracht (Wappenfundstelle Nr. 60). Das Wappen ist auf 1657 datiert und wird von seitlichen Fruchtgebinden geschmückt. Auf dem Wappen ruht der Kurfürstenhut, schräg dahinter sind das gestürzte Schwert und der Krummstab schräggekreuzt. Gegenüber diesem Wappen steht die dritte Zobelsäule (siehe separates Kapitel über die Zobelsäulen). Zusammen mit der Bastion Werda sicherte die Bastion Caesar das Schönborntor. Eine lange Kurtine verbindet sie mit der im Nordosten gelegenen Bastion St. Johann Nepomuk. Bastion Caesar und Bastion St. Johann Nepomuk beherrschen zusammen das ganze Vorfeld bis zum Neutor. Über der Nordkurtine erhebt sich die Scherenbergmauer, darüber die Schottenflanke des Hochschlosses.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 60, Bastion Caesar

beide Abb.: Wappenfundstelle Nr. 60

Der Bering der Scherenbergmauer hat ein paar sekundäre Veränderungen erfahren: In der Nordflanke wurde ein Durchgang geschaffen, die Obere Schönbornsche Ausfallpforte. Hier besteht eine direkte Treppenverbindung zwischen dem vor der Scherenbergmauer gelegenen Wall des inneren Schönbornringes und dem Außenbereich vor dem Kammerbau oben hinter der Scherenbergmauer. Ein der spätgotischen Zwingermauer aufgesetztes Wächterhaus markiert die Stelle. Über solche Ausfallpforten konnte man im Belagerungsfall schnell Fußtruppen verschieben und im Friedensfall eine Abkürzung zum Neutor nehmen. Das Wappen des Bauherrn Johann Philipp I. von Schönborn ist über der Pforte angebracht, mit der Datierung auf das Jahr 1649 (Wappenfundstelle Nr. 61). Die untere Ausfallpforte führt direkt anschließend durch den inneren Schönbornring von der Wallkrone nach unten, auch hier gibt es außen über dem kleinen Eingang ein inhaltsgleiches Wappen des Bauherrn, auf 1657 datiert (Wappenfundstelle Nr. 62), mit den Amtsinsignien dargestellt.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 62, untere Ausfallpforte

Die meisten Wappen dieses Fürstbischofs finden wir an den Bastionen, die er errichten ließ. Die bereits von den Schweden angelegten Erdwerke bildeten die Grundlage für den weiteren Ausbau und die Steinummantelung. Wenn wir weiter im Uhrzeigersinn dem inneren Schönbornring folgen, gelangen wir zur weit vorspringenden, in verschiedenen Niveaux terrassierten Bastion St. Johann Nepomuk an der Nordostecke der Anlage, an der sich zwei Wappen von Johann Philipp I. von Schönborn befinden, eines an der Nordflanke (Wappenfundstelle Nr. 63), datiert auf 1652, mit Amtsinsignien und Fruchtgebinden an den Seiten, und eines an der flußseitigen Ostflanke (Wappenfundstelle Nr. 64), datiert auf 1651. Beim letzteren ist die Jahreszahl ein alter Stein, das Wappen aber komplett neu eingesetzt, und dieser Stein setzt ohne Schildform die Inhalte in ein quadratisches vertieftes Feld, auch ohne Amtsinsignien, eine unschöne moderne Form unter Vernachlässigung heraldischer Essentialia.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 63, Bastion St. Johann Nepomuk, Nordflanke

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 63, Bastion St. Johann Nepomuk, Nordflanke

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 64, Bastion St. Johann Nepomuk, Ostflanke

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 64, Bastion St. Johann Nepomuk, Ostflanke

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 65, an der Kurtinenmauer über dem Weinberg

An der Kurtine zwischen den beiden östlichen Bastionen befindet sich ein weiteres Wappen des Bauherrn (Wappenfundstelle Nr. 65), auch dieses wurde modern erneuert. Die Bastion St. Johann Baptist, die weit hinausragende Großbastion im Südosten, besitzt je ein Wappen des gleichen Bauherrn an der Ostflanke (Wappenfundstelle Nr. 66) und an der Südflanke (Wappenfundstelle Nr. 67). Die Bastion ist aufgrund des Geländeverlaufs in verschiedenen Niveaux terrassiert. Diese Bastion weist ein paar Eigentümlichkeiten auf: Zum einen hat sie nach Süden hin große runde Geschützöffnungen, zum anderen hat sie ebenfalls nach Süden hin eine hochgezogene Wehrmauer. Das lag alles daran, daß der höhere Nikolausberg genau gegenüberliegt, und wo heute das harmlose barocke Käppele steht, hätte man als Feind Geschütze aufstellen können und die Fläche der Bastion von oben einsehen und beschießen können. Auch nach Westen hin gibt es auf der höchsten Terrasse dieser Bastion eine Wehrmauer mit Schießöffnungen, um die Leiste von da aus besser beschießen zu können.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 66, Bastion St. Johann Baptist

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 66, Bastion St. Johann Baptist

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 67, Bastion St. Johann Baptist

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 67, Bastion St. Johann Baptist

Desgleichen hat die im Uhrzeigersinn als nächstes folgende Bastion St. Nikolaus je ein Schönborn-Wappen an der Südostflanke (Wappenfundstelle Nr. 68) und an der Westflanke (Wappenfundstelle Nr. 69). Ganz im Südwesten hat die Bastion Mars ebenfalls je einen Schönborn-Wappenstein an der Südflanke (Wappenfundstelle Nr. 70) und an der Nordwestflanke, die zurückgesetzt über dem Niederwall zu sehen ist (Wappenfundstelle Nr. 71). Für die Eroberung der Festung 1631 spielte ein vorgeschobenes Erdwerk im Westen vor der Echter-Bastei eine wichtige Rolle, das Halbmond genannt wurde. Die Schweden bauen noch weiter vorgeschoben 1631-1635 ein weiteres Hornwerk, das Obere Schwedenwerk, auch Schwedenschanze genannt. Damals waren das noch Erdaufschüttungen. Im weiteren Ausbau der Festung ließ Johann Philipp I. von Schönborn um 1655 diese Erdwerke mit Futtermauern stabilisieren, daraus entstanden die Bastionen Mars im Süden und Bellona im Norden mit einer Kurtine dazwischen, damals noch ohne den Niederwall. Bastion Mars ist auf 1655 datiert. Die Bastion Bellona ist ohne Wappensteine und daher auch nicht datiert. Erst später entstand im Westen vor den Bastionen Mars und Bellona der Niederwall mit Geschützstellungen und Kasematten als zusätzliche Verstärkung.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 71, Bastion Mars (oben). Am Niederwall Wappenfundstelle Nr. 78 (unten).


Johann Philipp I. von Schönborn und der äußere Schönbornring
Um dieses innere Bastionärssystem wurde am nördlichen, weniger steil als im Süden abfallenden Hang noch ein äußerer Schönborn-Ring angelegt, der die gesamte Nordseite entlang läuft, nach Nordosten weit ausgreift und schließlich bei der Bastion St. Johann Nepomuk auf den inneren Schönborn-Ring trifft. Nördlich des Höchberger Tores gelangen wir auf die Außenseite dieses Festungsringes und können dem ins Tal führenden Fußweg folgend die drei Wappensteine an der Außenseite sehen, alle vom selben Bauherrn: Der Wappenstein an der Kurtine bei Bastion Werda (Wappenfundstelle Nr. 72) ist schmucklos; eine Jahreszahl ist nicht mehr zu entziffern. Der Wappenstein an der flachen, aber strategisch bedeutungsvoll positionierten Bastion St. Michael (Wappenfundstelle Nr. 73) ist auf 1658 datiert und noch ein stark verwittertes Original. Der Wappenstein an der Kurtine unterhalb von Bastion Caesar (Wappenfundstelle Nr. 74) ist auf 1649 datiert und von Rollwerk eingerahmt.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 72

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 72

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 73

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 73

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 74

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 74

Das Beste zuletzt: Die beiden schönsten und aufwendigsten Wappensteine sind am Neutor angebracht. Das am unteren Ende des Glacis erbaute Neutor führt durch den Wall des äußeren Schönborn-Ringes, der auch als Unteres Schwedenwerk bezeichnet wird, weil hier bereits 1631-1635 die schwedische Besatzung zwei vorspringende Erdbastionen aufgeschüttet hatten. Zu Zeiten von Johann Philipp I. von Schönborn, der diese schwedische Vorlage gerne aufgriff und zu den Bastionen St. Sebastian und St. Georg ausbauen ließ, war es der einzige Zugang zur Festung, weil der Weg von Westen her noch nicht ausgebaut war. Es besitzt einen S-förmig gebogenen Torweg von 26 m Länge. Die Durchfahrt wird auf beiden Seiten von Kasematten begleitet, deren Schießscharten in den Gang gerichtet sind. In der Mitte des Torweges konnte ein Fallgatter in steinernen Führungsschienen herabgelassen werden. Oben auf der Wallkrone steht ein kleines Wachhaus, von dem aus die Verteidigungseinrichtungen des Torweges bedient werden konnten. Die beiden Torblenden stehen nicht parallel, sondern die Innenseite ist gegenüber der Außenseite um ca. 35° verdreht. Das Neutor war das stadtnächste Tor, das, welcher der Besucher der Festung als erstes passieren mußte, und entsprechend prunkvoll wurde es gestaltet. Außen (Wappenfundstelle Nr. 75) und innen (Wappenfundstelle Nr. 76) ist jeweils ein Prunkwappen des Bauherrn angebracht.

Abb.: Neutor, Feldseite, Wappenfundstelle Nr. 75

Der Schild ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Rot ein silbernes Rad, Erzstift Mainz, Feld 2: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 3: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg, Herzschild: in Rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender, goldener, blau gekrönter Löwe, Stammwappen der Grafen von Schönborn.

Dazu werden fünf Helme geführt, Helm 1 (Mitte): auf einem roten Kissen mit goldenen Quasten eine Inful, Bischofswürde, Helm 2 (Mitte rechts): auf einem roten, hermelingestulpten Hut ein aufrecht stehendes, silbernes, achtspeichiges Rad, Helmdecken rot-silbern, Erzstift Mainz, Helm 3 (Mitte links): ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, Herzogtum zu Franken, Helm 4 (rechts außen): drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Helmdecken rot-silbern, Hochstift Würzburg, Helm 5 (links außen): ein goldener und gekrönter Löwe sitzend zwischen zwei rot-silbern im Spitzenschnitt geteilten Büffelhörnern, die Hörner außen mit drei goldenen Granatäpfeln besteckt, Helmdecken rot-golden, Kleinod der von Schönborn. Neben den beiden äußersten Helmen sind das gestürzte Schwert und der Krummstab zu sehen.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 76

Von den drei verschiedenen Fürstbischöfen der Familie Schönborn auf dem Würzburger Bischofsstuhl ist das von Johann Philipp von Schönborn von den anderen Schönbornwappen leicht zu unterscheiden, denn Johann Philipp war zugleich Erzbischof von Mainz und führt das Mainzer Rad im Wappen, später auch den Wormser Schlüssel. Johann Philipp Franz von Schönborn hat zwar den längsten Namen, aber keine anderen Titel außer dem Würzburger, und Friedrich Karl von Schönborn zeigt noch Bamberg im Wappen.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 76

Auf der Innenseite des Neutors wird das Wappen von zwei Engeln als Schildhaltern gehalten, wir sind schließlich auf der Innenseite gut behütet durch dicke Festungswälle und vor allem durch die Anwesenheit des Fürstbischofs. Außen zur Stadt hin, über der hölzernen Brücke, die über den tiefen trockenen Festungsgraben führt, befindet sich ein inhaltsgleiches Wappen in gleicher Aufmachung, doch hier sind die Schildhalter zwei Löwen - wehe dem Angreifer! Außerdem sind die Löwen das Schönbornsche Wappentier.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 76

Das innere Tor ist so prunkvoll und aufwendig gestaltet, daß wir noch einen Blick auf die anderen Gestaltungselemente werfen sollten: Ein wesentliches Element ist die geschickte Kombination aus rotem Sandstein für die Gliederung und gelbem Sandstein für den Reliefschmuck und die Statuen. So erscheint das überbordend dekorierte Tor dennoch klar strukturiert. Die untere Zone wird durch vier Flachrustika-Pilaster gegliedert. Im mittleren Teil befindet sich die Durchfahrt, und die beiden seitlichen Abschnitte zitieren die Gestaltung mit Korbbogen, großen Fratzen auf dem Schlußstein und einer Zwickelgestaltung mit auf Fruchtgehängen schaukelnden Putten, insgesamt sechs. Doch die beiden Seitenteile geben Zugang zu den beiden seitlichen Kasematten, die als Wachlokal und als Verteidigungseinrichtung dienen. Dem Korbbogen ist jeweils ein Dreiecksgiebel eingepaßt, der mit je einem geflügelten Engelskopf gefüllt ist, und darunter befinden sich je eine Tür tornah und ein Fenster torfern. Darüber erhebt sich der breitgelagerte Giebel, der in der Mitte aus einem echten Dreiecksgiebel und an den Seiten aus angesetzten bzw. angelehnten Schrägen besteht. In Verlängerung der vier durch die Pilaster erzeugten Vertikalen und zusätzlich in der Mitte auf dem Giebelscheitel stehen insgesamt fünf lebensgroße Statuen, in der Mitte Herkules, seitlich vier antike Feldherren. Auf den seitlichen Schrägen kauern noch zwei Löwen. das Wappenfeld unter dem Dreiecksgiebel wird von zwei Lisenen mit Blumenvasen als Relief flankiert. Der Dreiecksgiebel über dem Wappenfeld ist mit einem Löwenkopf ausgefüllt. In den seitlichen Dreiecksfeldern sind eine jugendliche Frau  mit einem Blütenkranz und einem mit Früchten gefüllten Füllhorn einerseits und eine ältere Frau mit einem Korb Weintrauben zu sehen. Das könnte als allegorische Bedeutung auf die segensreiche Regierung des Fürstbischofs hinweisen, der im Land für Wohlstand und Fruchtbarkeit sorgt und Jung und Alt ernährt. Als dieses Tor 1652-1653 gebaut wurde, war der Krieg 5 Jahre vorbei, und man sehnte sich nach Frieden und Wohlstand. Der Architekt dieses Tores ist unbekannt. Die Statuen schuf der Würzburger Bildhauer Zacharias Juncker d. Ä. Die Originale wurden mittlerweile durch neuzeitliche Kopien ersetzt.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 76, Innenseite des Neutors

Wie wir schon beim Vergleich der Schildhalter gesehen haben, ist die Außenseite des Neutors anders gestaltet, kraftvoller, martialischer, und das gilt auch für die übrigen Gestaltungselemente: Nicht nur die Pilaster, sondern die ganze Front ist mit Bänderrustika überzogen. Prinzipiell erfolgt auch hier eine Gliederung durch vier Pilaster, die heben sich aber kaum mehr vom Rest der Schauseite ab. Im Mittelfeld liegt die von einem Korbbogen gerahmte Durchfahrt, und um diese liegt eine Rechteckblende, deren Keilstein eine gehörnte Teufelsfratze trägt, aus deren geschlossenem Maul eine unten zum Knoten geschlungene Schleife hängt. Die beiden Seitenteile enthalten einerseits eine Fußgängertür links und andererseits ein Fenster des Wachlokals rechts. Beide werden von einer kleinen Rechteckblende eingefaßt, und auch deren Keilsteine tragen jeweils eine groteske Fratze. Das Wappenfeld im Giebel ist fünfeckig. Die das Wappenfeld begleitenden Lisenen tragen zwei groteske Blattmasken, eine Verschmelzung humanoider und floraler Formen, ein sich aus Akanthusblättern herausschälendes Gesicht. In den seitlichen Zwickeln sind Knorpelvoluten zu sehen. Die Giebelspitze ziert ein barocker Feldherr in Rüstung. Es ist die einzige Statue, denn die vier durch die Pilaster erzeugten Vertikalen werden oben jeweils mit einer Kugel abgeschlossen. Zwischen den beiden äußeren Kugeln kauert jeweils ein Löwe auf der Schräge. Seitlich des Giebels standen früher noch zwei Kriegerfiguren auf kleinen Podesten, die sich nicht erhalten haben. Auch diese Skulpturen sind bzw. waren Arbeiten des Würzburger Bildhauers Zacharias Juncker d. Ä.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 75, Außenseite des Neutors (Feldseite)

Nach außen war das Tor nicht nur durch seine Torflügel gesichert, sondern auch durch eine Wippbrücke. Die den 6 m tiefen und 30 m breiten Graben überspannende Brücke setzte sich wie folgt zusammen: Eine Steinbrücke ragte drei Joche oder Bögen weit in den Graben hinein, und die beiden letzten Joche wurden durch zwei bewegliche hölzerne Elemente überspannt. Auch heute noch besteht dieses letzte Stück aus Holz, aber nicht in der ursprünglichen Konstruktion. Denn das erste Joch war eine Wippbrücke, und das zweite Joch besaß eine Holzkonstruktion, die man im Angriffsfall einfach in den Graben warf. Die kleine Fußgängerpforte war mit einer eigenen Konstruktion an die Hauptkonstruktion angeschlossen. Der Fußgängerweg war noch einmal gesondert gesichert, weil man von oben eine zweite Tür bedienen konnte, so daß man im Inneren eine Art Sicherheitsschleuse hatte.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 75

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 75


Fürstengarten
Es ist einer der schönsten Orte der Festung: der Fürstengarten. Im Rücken liegt der Fürstenbau, und unter dem Betrachter breitet sich das Maintal aus mit einem wunderschönen Blick über die Altstadt und die Sanderau. Nach rechts gleitet der Blick bis nach bis Randersacker sowie auf den Nikolausberg mit Käppele, nach links sieht man bis auf den Steinberg. Das Parterre ist mit regelmäßig angeordneten und von niedrigen Buchsbaumhecken eingefaßten Blumenrabatten gefüllt. In der Mitte des Parterres befindet sich ein Wasserbecken in Vierpaßform mit einem Springstrahl in der Mitte. Der talseitige Weg führt an einer Sandsteinbalustrade entlang mit einer kleinen Kanzel in der Mitte der Futtermauer, auf einem Stützpfeiler vorkragend. Zu den beiden Seiten hin wird das Parterre von zwei symmetrischen Treppenanlagen mit durchbrochenen Balustraden begrenzt: Zwei bogenförmige Treppen schwingen in je einem Viertelkreis um eine Brunnenanlage und führen hinauf zu einer erhöhten Endplattform mit einem kleinen Pavillon auf polygonalem Grundriß mit Eck-Rustika im Eck der Terrassen. An der konchenförmigen Rückwand des Wasserbeckens befindet sich jeweils ein Kaskadenbrunnen mit fünf Muschel-Schalen übereinander, und vor dem Becken ergänzen jeweils zwei Statuen die Inszenierung. Die vier allegorisch-mythologischen Statuen stellen einen Mann mit Flöte, einen Hermes mit Flügelschuhen, eine Frau mit Flammenvase und Säule und einen Faun mit Panflöte und Weintrauben dar. Dieser Garten ist barocke Gartenlust in atemberaubender Lage, man fühlt sich wie auf einem Deck eines fliegenden Schiffes mit Vorder- und Achterkastell hoch über dem Maintal. Wo sich dieser Garten befindet, war früher die "Schütt", eine Batteriestellung. Diese Stellung konnte erst ausgegeben werden und zum Garten gemacht werden, als die tiefergelegenen Bastionen fertiggestellt waren und die Verteidigung der Ostseite übernommen hatten. Deshalb war die Anlage des Gartens erst 1650-1651 möglich. Dieser Garten wurde in zwei Phasen angelegt. Die ganzen Brunnen und Balustraden erbaute Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (reg. 1642-1673), und sein Wappen ist an der Außenseite der kleinen Kanzel an der talseitigen Balustrade angebracht (Wappenfundstelle Nr. 77). Dieses Wappen ist die spätere Form mit mehr Feldern.

In einer zweiten Phase entstanden unter Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau (reg. 1699-1719) die beiden Gartenpavillons, die wohl dem Baumeister Josef Greissing zuzuschreiben sind und innen mit spätbarockem Stuck von Pietro Magno ausgestattet waren, und er ließ auch die Sandsteinstatuen aufstellen, von denen eine durch ein Chronogramm au das Jahr 1700 datiert ist. Dieser Fürstbischof ließ auch die Bischofswohnung und die Kirche neu ausstatten. Das achtteilige Parterre wurde 1937-1938 nach Festungsplänen des frühen 18. Jh. wiederhergestellt. Dabei wurden zwei der Sandsteinfiguren durch Kopien bzw. die beiden, wo das nicht mehr möglich war, durch freie Nachbildungen ersetzt. Kriegszerstörungen zogen auch den Garten und die Pavillons in Mitleidenschaft, dabei ging die reiche Innenausstattung der Pavillons größtenteils verloren. Reste sind im besser erhaltenen südlichen Pavillon zu sehen. Zur Wasserversorgung ließ Johann Philipp von Schönborn einen alten Wehrturm der Scherenbergmauer, der direkt an den neuen Marienturm stößt, zum Brunnenturm umbauen, wohin die Wasserreserve für die Brunnen des Fürstengartens gepumpt wurde.


Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn, Wappenfundstellen auf der Festung Marienberg
Folgende zweiundzwanzig Wappenfundstellen dieses Fürstbischofs sind im Festungsgrundriß markiert:


Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:
(markiert sind die, deren Wappen in diesem Kapitel beschrieben werden)

Gerhard von Schwarzburg 1372-1400
Johann I. von Egloffstein 1400-1411
Johann II. von Brunn 1411-1440
Sigismund von Sachsen 1440-1443
Gottfried IV. Schenk von Limpurg 1443-1455
Johann III. von Grumbach 1455-1466
Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach 1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779


Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Festung Marienberg auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Festung_Marienberg
Festung Marienberg im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Festung_Marienberg
Festung Marienberg im Historischen Lexikon Bayerns:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Würzburg,_Festung_Marienberg
Festung Marienberg Würzburg, mit Fürstenbaumuseum, amtlicher Führer, bearbeitet von Werner Helmberger, hrsg. von der Bayerischen Schlösserverwaltung, 1. Auflage der Neufassung, München 2013, ISBN: 978-3-941637-20-7
Festung Marienberg Würzburg, Kurzführer mit Plan, hrsg. von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Text: Werner Helmberger, Übersichtsplan nach einer Vorlage von Norbert Nordmann, München 2009
Helmut Flachenecker, Dirk Götschmann, Stefan Kummer (Hrsg.): Burg, Schloß, Festung: Der Marienberg im Wandel, Mainfränkische Studien 78, Echter Verlag, Würzburg 2009, ISBN: 978-3-429-03178-7
Schlösser und Burgen in Unterfranken, von Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm. Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X
Winfried Romberg: Das Bistum Würzburg 7, die Bischofsreihe 1617 bis 1684 (= Germania Sacra. Dritte Folge 4), Berlin/New York 2011, Verlag: Walter de Gruyter GmbH: Berlin/New York, 599 S., DOI:
https://doi.org/10.26015/adwdocs-370, ISBN: 978-3-11-025183-8 - online: https://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0023-999A-2 - Download als pdf: https://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0023-999A-2/3.F.%204%20Romberg%20Bischoefe.pdf?sequence=1&isAllowed=y

Festung Marienberg, Teil (1): Übersicht, Bergfried, Scherenbergtor, Scherenbergmauer - Festung Marienberg, Teil (2): Marienkirche außen und innen, Brunnentempel - Festung Marienberg, Teil (3): das Schloß der Renaissance - Festung Marienberg, Teil (5): Ausbau der Festung nach Westen, zweite Vorburg, Greiffenclau-Bauten - Festung Marienberg, Teil (6): die jüngsten Festungswerke bis zum Maschikuliturm

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